Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Spezialambulanz für Transsexualität/Transidentität (Geschlechtsdysphorie)

Transsexualität bezeichnet das Gefühl eines Menschen, dessen Geschlechtsidentitätserleben nicht mit den körperlichen Geschlechtsmerkmalen übereinstimmt. Wenn eine Person unter dieser Diskrepanz leidet und den Wunsch verspürt, einem anderen Geschlecht anzugehören, spricht man von „Geschlechtsdysphorie“.

Das Angebot unserer Spezialambulanz für Transssexualität richtet sich an Personen, die unter Geschlechtsdysphorie leiden. Als Spezialambulanz sehen wir unsere Aufgabe darin, zunächst die individuelle Problematik differenziert zu erfassen und uns ein umfassendes Bild von dem psychischen Befinden des Betroffenen zu machen. Während die Veränderungen äußerer Geschlechtsmerkmale von anderen Fachgebieten, wie z.B. der Endokrinologie und Urologie, durchgeführt werden, begleiten wir die Betroffenen. Im Rahmen unseres therapeutischen Auftrages bieten wir Unterstützung bei der Planung der jeweils nächsten Schritte und beim Übergang in die neue Geschlechtsidentität und Geschlechtsrolle an.

Bei der Erstvorstellung durchlaufen Patienten in unserer Ambulanz in der Regel folgende Schritte:

  • Eine ausführliche Anamnese der individuellen Entwicklung hinsichtlich Geschlechtsidentität und Geschlechtsrolle.
    Hierbei sind neben dem aktuellen Erleben auch die Wahrnehmung der eigenen Geschlechterrolle und Geschlechtsidentität im Verlauf der kindlichen Entwicklung und der Pubertät von Bedeutung.
  • Eine differenzierte psychiatrische Untersuchung.
    Der Weg ins andere Geschlecht ist eine sehr große und signifikante Lebensentscheidung und kann psychisch belastend sein. Daher ist es wichtig, dass eventuell vorliegende psychische Erkrankungen, wie Depressionen oder Angststörungen, erkannt und in die Behandlung mit einbezogen werden. Bei Vorliegen einiger psychischer Erkrankungen, wie z. B. Suchterkrankungen, sollten diese zunächst gesondert behandelt werden.
  • Spezifische Diagnostik zur Indikationsstellung der Änderung des Personenstands und körper-verändernder Behandlungsmaßnahmen.
    Sollte nach Anamnese und psychiatrischer Untersuchung deutlich werden, dass die Änderung des Personenstands und körperverändernde Maßnahmen grundsätzlich indiziert sind, folgt die Planung der weiteren Schritte. Hierbei ist es unser Ziel, Art und zeitliche Abfolge der Schritte individuell zu gestalten. Nicht jeder Patient möchte alle Veränderungsschritte durchlaufen und nicht für alle Patienten sind die gleiche Reihenfolge und der gleiche zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Schritten der richtige Weg.
  • Regelmäßige Termine zur Begleitung durch die einzelnen Veränderungsschritte.
    Der Weg zu dem individuell gesteckten Veränderungsziel zieht sich in der Regel über mehrere Jahre. Zur Erfassung der Veränderungen im Erleben nach einem vollzogenen Behandlungsschritt und zur Vorbereitung auf die jeweils folgenden Behandlungsschritte werden in dieser Phase weiterhin regelmäßig psychiatrische Konsultationen angeboten. Hierbei stellen wir sicher, dass der Behandlungsverlauf immer wieder den individuellen Bedürfnissen der Patienten angepasst wird.

Um einen möglichst reibungslosen Behandlungsverlauf zu erzielen, ist uns als psychiatrische Klinik eine regelmäßige Abstimmung mit anderen medizinischen Disziplinen und Institutionen wichtig. Am Universitätsklinikum Münster besteht insbesondere eine enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie. Damit gewährleisten wir bei Patienten, deren Geschlechtsdysphorie bereits seit dem Kindes- oder Jugendalter behandelt wird, einen möglichst optimalen Übergang in die Weiterbehandlung im Erwachsenenalter.

 
 
 
 

Frau Prof. Dr. P. Ohrmann
Leitung

Mitarbeiter:
Dr. Christiane Gerwing
Dr. Christiane Postert