Klinik für Kinder- und Jugendmedizin - Pädiatrische Hämatologie und Onkologie

Angeborene Neigung zu Krebserkrankungen

Krebs ist im Kindes- und Jugendalter eine sehr seltene Erkrankung. Sie entsteht durch eine oder mehrere Veränderungen in der Erbsubstanz einer Zelle (Gene). Meist handelt es sich dabei um Gene, die eine Funktion bei der Kontrolle der Zellteilung, des programmierten Zelltodes oder bei der Reparatur von Erbgut-Schäden haben. In der Folge können sich die Zellen durch den Genverlust unkontrolliert vermehren, so dass ein Tumor oder eine Leukämie entsteht.

Die Ursachen dafür, dass Genveränderungen in Körperzellen entstehen und zu Krebserkrankungen im Kindesalter führen, sind noch weitgehend ungeklärt. Schädliche Einflüsse aus der Umwelt, die für viele Krebsfälle im Erwachsenenalter verantwortlich gemacht werden (z.B. Rauchen, Ernährungsfaktoren), spielen hier keine Rolle. In der Mehrzahl der Fälle entstehen die zur Erkrankung führenden Genveränderungen ausschließlich in den jeweiligen Tumorzellen und nicht in sonstigen gesunden Zellen des Körpers. Es gibt jedoch seltene vererbte und angeborene Genveränderungen, die das Risiko erhöhen, bereits im frühen Kindesalter an einem Tumor oder einer Leukämie zu erkranken. 

Typisch für eine erbliche Veranlagung sind beispielsweise das Auftreten der Krebsfälle in mehreren Generationen und wiederholt in jungen Jahren. Weiterhin kann eine Veranlagung zu einer Krebserkrankung vorliegen, wenn ein junger Patient nacheinander oder gleichzeitig an unterschiedlichen Tumorentitäten erkrankt.  Einige  erbliche Tumorsyndrome führen zu  charakteristischen Tumoren. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit kann dabei sehr unterschiedlich sein. 

Bei Verdacht auf eine familiäre Krebserkrankung bieten wir, gemeinsam mit dem Institut für Humangenetik, an, ausführlich mit Ihnen darüber zu sprechen.  Mit  Ihrem Einverständnis können in einem zweiten Schritt entsprechende Gen-Tests durchgeführt werden. Sollte sich tatsächlich eine erbliche Variante der Erkrankung nachweisen lassen, bieten wir nach der Behandlung der Krebserkrankung ein Vorsorgeprogramm an. Durch diese engmaschigen Vorsorgen werden Tumoren oft in einem sehr frühen Stadium entdeckt und können rechtzeitig behandelt werden.

Sollte in ihrer Familie ein bekanntes erhöhtes Krebsrisiko vorliegen, führen wir entsprechende Beratungen, Gen-Testungen und Vorsorgeuntersuchungen auch dann durch, wenn bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen noch keine Krebserkrankung aufgetreten ist.

Ansprechpartner: Dr. Kornelius Kerl

 
 
 
 
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