Chronische Schmerztherapie

Die erste Äther-Narkose im Jahre 1846, die ausschließlich der Ausschaltung akuter Schmerzen im Rahmen einer Operation diente, wird vielfach als Geburtsstunde des Fachgebietes Anästhesiologie bezeichnet. Über die klinische Anästhesie hinaus, gehört heute auch die Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzzustände zum Portfolio unseres Fachgebietes.

Chronische Schmerzen werden im Universitätsklinikum Münster in der Schmerzambulanz und der Schmerztagesklinik der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie behandelt. Die hiesige Schmerzambulanz wurde bereits im Jahr 1978 gegründet. 1992 richteten wir zusätzlich die Schmerztagesklinik ein. Sie sollte die erste ihrer Art in Deutschland sein. Hier werden Patienten in einem standardisierten, vierwöchigen Programm multimodal behandelt. Körper, Geist und Seele stehen gemeinsam im Fokus, was wir als "biopsychosoziales Modell chronischer Schmerzen" beschreiben. Die Behandlung von chronischen Schmerzen ist komplex, anspruchsvoll und erfordert ein interdisziplinäres Team. In unserer Schmerzambulanz und -tagesklinik arbeiten daher Ärzte/-innen und Psycholo­gen/-innen, Physio- und Kunsttherapeutinnen sowie Pflegerinnen eng zusammen. Dazu verfügt die Tagesklinik über acht spezielle Therapieplätze.Das Behandlungsspektrum umfasst alle Arten von chronischen Schmerzen wie:

  • Rückenschmerz
  • Schulter- und Nackenschmerz
  • Neuropathischer (Nerven-) Schmerz
  • Kopf- und Gesichtsschmerz
  • Gelenk- und Rheumaschmerz
  • Tumorschmerz

Die Tagesklinik bietet den großen Vorteil, das hier Erlernte unmittelbar und immer wieder zu Hause im Alltag anzuwenden und ermöglicht eine stetige Rückkoppelung.

Die Informationen auf dieser Seite können Sie zudem auch hier bequem in einer Broschüre nachlesen.

In einer interdisziplinären Schmerzkonferenz werden einmal monatlich Fallbesprechungen durchgeführt. Diese finden jeweils am ersten Dienstag im Monat um 18:00 Uhr statt und stehen externen Ärzten und Therapeuten zum Erfahrungsaustausch offen.

Der Leiter der chronischen Schmerztherapie, Herr Priv.-Doz. Dr. med. Daniel Pöpping besitzt zudem die volle Weiterbildungskompetenz für die Zusatzweiterbildung "Spezielle Schmerztherapie", so dass Ärzte/-innen unserer Klinik über die Möglichkeit verfügen, auch selbst diese Zusatzweiterbildung zu erwerben.

Unser interdisziplinäres Team der Schmerzambulanz


Es gibt unterschiedliche Ursachen für chronische Schmerzen: chronische Krankheiten, wie z. B. Rheuma oder Nervenverletzungen, entzündliche oder stoffwechselbedingte Nervenerkrankungen, Verschleißerkrankungen von Gelenken und der Wirbelsäule, können chronische Schmerzen verursachen. Bei Kopfschmerzen stellen diese bereits die eigentliche Erkrankung dar.

Angst, durch Alltagsbelastungen den Körper weiter zu schädigen, führt bei vielen Patienten dazu, eine Schonhaltung einzunehmen. Die daraus folgende Schwächung von Muskeln, Gelenken und anderen Systemen verstärkt die chronischen Schmerzen  zusätzlich.

Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen können die Schmerzverarbeitung beeinträchtigen. Psychische Belastungen können sich in körperlich erlebten Schmerzen ausdrücken.
Wichtig zu wissen: chronische Schmerzen sind niemals "eingebildet".

Auch Tumorerkrankungen können anhaltende Schmerzen verursachen. Diese Patientengruppe wird überwiegend ambulant beraten.


Jeder Patient wird zu Beginn in der Schmerzambulanz untersucht. Aufgabe ist zunächst eine differenzierte Diagnostik der möglichen Schmerzursachen. Dabei werden sowohl die somatischen als auch die psychischen und sozialen Belastungen als Folge einer Erkrankung berücksichtigt.

Im Fokus stehen darüber hinaus die Zusammenhänge, die für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Schmerzen verantwortlich sein können.

Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Psycho- und Physiotherapeuten und Pflegerinnen entwickelt auf den Einzelfall zugeschnittene Behandlungen.
Das kann die regelmäßige Behandlung in der Schmerzambulanz sein - für andere Patienten hingegen kann der vierwöchige Aufenthalt in der Tagesklinik hilfreich sein. Wieder andere Patienten werden wir aufgrund der Eingangsuntersuchung an andere Spezialisten verweisen.

Um einen eigenverantwortlichen Umgang mit dem Schmerz zu entwickeln, helfen wir, neue Verhaltensstrategien im Alltag zu etablieren, vermitteln fundierte Kenntnisse über die somatischen und psychischen Vorgänge bei der Schmerzentstehung und geben therapeutische Unterstützung, die hilft, mit den täglichen Belastungen besser fertig zu werden.

Schmerzfreiheit kann dabei nicht immer erreicht werden. Es wird jedoch mit jedem Patienten ein realistisches Behandlungsziel erarbeitet.
Die Einengung auf den Schmerz kann sich verlieren, je besser es gelingt mit ihm umzugehen.


Die Schmerzambulanz steht all denjenigen Patienten offen, die aufgrund ihrer chronischen Schmerzen einer dauerhaften Behandlung bedürfen. Auch Patienten, die tagesklinisch behandelt wurden, stellen sich zur regelmäßigen ambulanten Nachuntersuchung vor. Nach der Differenzialdiagnose legt ein interdisziplinäres Team von Schmerzspezialisten einen verbindlichen, auf den individuellen Patienten abgestimmten Therapieplan fest.

Die Schmerzambulanz steht Ihnen offen, wenn Sie

  • nicht wissen, warum Sie unter Schmerzen leiden (Differentialdiagnostik unklarer chronischer Schmerzen).

  • aus körperlichen Gründen (Verletzungen, Stress, Depression. Ängste) unter Schmerzen leiden.

  • aus körperlichen und seelischen Gründen unter Schmerzen leiden.

  • Fragen zur medikamentösen Behandlung haben (differenzielle pharmakologische Behandlung).

  • Wege suchen, Ihre Lebensqualität trotz chronischer Schmerzen zu verbessern.

  • klären wollen, welche Behandlung die für Sie geeignete ist: somatisch, schmerztherapeutisch, physiotherapeutisch, psychosomatisch, psychiatrisch? Ambulant, teilstationär, stationär?

  • klären möchten, ob unsere Schmerztagesklinik für Sie geeignet ist.

Erstuntersuchung

Bitte bringen Sie zur ambulanten Erstvorstellung sämtliche vorherigen Untersuchungsergebnisse mit. Erst dann kann über notwendige Zusatzuntersuchungen entschieden werden. Apparative Diagnostikverfahren werden innerhalb der Ambulanz nicht durchgeführt. Dies geschieht bei Bedarf in enger Zusammenarbeit mit weiteren Kliniken des UKM oder durch einen niedergelassenen Kollegen.

Auch für die Aufnahme in die Tagesklinik ist eine ambulante Voruntersuchung Voraussetzung.


Die Behandlung und Begleitung von chronischen Schmerzpatienten genießt innerhalb des gesamten Klinikums einen hohen Stellenwert und findet in enger Verzahnung mit den anderen Fachdisziplinen am UKM statt.
Die Mitarbeiter unserer Ambulanz leisten Konsiliardienste für alle stationären Patienten des UKM mit chronischen Schmerzsyndromen.

Im Team der Ambulanz arbeiten Mediziner, Psycho- und bei Bedarf Physiotherapeuten eng zusammen.

Falls erforderlich können Schmerzsyndrome auch interdisziplinär durch die Fachdisziplinen der Neurologie und der Orthopädie abgeklärt werden. An jedem ersten Dienstag im Monat um 18.00 Uhr bietet das Team der Ambulanz eine interdisziplinäre Schmerzkonferenz für alle interessierten Fachkollegen an.


Die tagesklinische Behandlung findet über einen Zeitraum von  vier Wochen statt. Sie wird individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt. Innerhalb eines strukturierten Tagesablaufes absolvieren die Patienten einen individuell erstellten, multimodalen Behandlungsplan. Körper, Geist und Seele stehen gemeinsam im Fokus, was wir als "biopsychosoziales Modell chronischer Schmerzen" beschreiben. Die Behandlung von chronischen Schmerzen ist komplex, anspruchsvoll und erfordert daher ein interdisziplinäres Team. In unserer Schmerztagesklinik arbeiten daher Ärzte/-innen und Psycholo­gen/-innen, Physio- und Kunsttherapeutinnen sowie Pflegerinnen eng zusammen. Dazu verfügt die Tagesklinik über acht spezielle Therapieplätze. Jährlich werden hier so rund 2600 Patienten behandelt.

Medizinische Versorgung

Differenzierte Pharmakotherapie (Optimierung bzw. Entwöhnung)
Neuroaugmentative Verfahren (TENS, Akupunktur)

Gruppenpsychotherapie


Das psychotherapeutische Gespräch mit den Patienten der Tagesklinik dient dem Kennenlernen der psychosozialen Belastungen, die den Umgang mit Krankheit und Schmerz erschweren können. Die Betroffenen erfahren Verständnis, Solidarität und Hilfe. Sie gewinnen dadurch an Selbstvertrauen und Eigenaktivität.

Kunsttherapie

  • Kreativer Ausdruck als Verfahren zur Wahrnehmung von Gefühlen und Verhalten

  • Kreativer Ausdruck zur Entspannung

Entspannungsverfahren und Atemtherapie


Die Anleitung zur Muskelanspannung und -entspannung, zur Regulierung des Atems, zur Konzentration auf sich selbst und zur Ruheempfindung führt zu einer tiefen Entspannung von Körper und Psyche.

Physio- und Ergotherapie


Bei den unterschiedlichen körperlichen Bewegungseinschränkungen werden funktionelle Verbesserungen angestrebt und individuell Wege aufgezeigt, trotz der Erkrankung wieder mehr Zutrauen in die eigenen Körperfunktionen zu bekommen. Ergänzt werden die Verfahren durch Angebote wie Wassergymnastik, Nordic Walking, Yoga und Ernährungsberatung.

Sozialrechtliche Beratung


In Zusammenarbeit mit dem Klinischen Sozialdienst des UKM beraten wir zu folgenden Themen:

  • häusliche Pflege
  • Berufsunfähigkeit
  • Berentung
  • Pflegeversicherung
  • Sozialhilfe
  • nachstationäre Weiterbehandlung

Patientenedukation


Die verhaltenstherapeutisch orientierte Patientenedukation hilft dem Patienten "mit den Schmerzen zu leben".

Unter anderem lernen die Patienten

  • die Schmerzentstehung als biologischen Prozess zu begreifen
  • die Wechselbeziehungen zwischen körperlichen, psychischen und psychosozialen Belastungen zu verstehen
  • eine kognitive Umstrukturierung durch fundiertes Wissen zu vollziehen
  • Verhaltensstrategien, die einen aktiven Einfluss auf das Schmerzempfinden ermöglichen
  • den angemessenen und selbstverantwortlichen Umgang mit Medikamenten.

Aufnahmevoraussetzungen

  • ein Einweisungsschein von Ihrem Hausarzt für eine "teilstationäre Behandlung"
  • Offenheit gegenüber dem stark auf Gruppenarbeit angelegten Konzept der Tagesklinik
  • Ausschluss einer akuten Schmerzursache
  • ausreichende körperliche Gesundheit
  • Suchtmittelfreiheit mit Ausnahme von schmerzbedingter Übereinnahme von Medikamenten

Ausschlusskriterien

  • psychiatrische Grunderkrankungen
  • hirnorganische Erkrankungen
  • geistige Behinderung


Für die "teilstationäre Behandlung" sind mitzubringen:

  • Einweisungsschein
  • bequeme Freizeit-, Schwimm- und Sportkleidung
  • Lektüre, Schreibzeug, Spiele etc. für die Pausengestaltung
  • Schmerzmedikamente und alle Medikamente, die eingenommen werden

Anfahrtskosten übernehmen die Krankenkassen gegen Vorlage einer Bescheinigung.
Bei Berufstätigkeit wird für die Dauer der teilstationären Behandlung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt.

Spezielle Schmerztherapie


Diese Zusatzweiterbildung ist in Anlehnung an die Empfehlungen der Bundesärztekammer organisiert. Die Weiterbildungszeit beträgt 12 Monate. Sie ist aufgeteilt in eine acht-monatige Tätigkeit in der chronischen Schmerztherapie (Schmerztagesklinik und Ambulanz) unter der Leitung von Herrn Priv.-Doz. Dr. med. Daniel Pöpping und eine vier-monatige Tätigkeit in der Akutschmerztherapie (postoperative Schmerztherapie) unter der Leitung von Frau Univ.-Prof. Dr. med. Esther Pogatzki-Zahn.

Zusätzlich nehmen die Kolleginnen und Kollegen an einem 80 Stunden umfassenden Kurs gemäß Weiterbildungsordnung für die "Spezielle Schmerztherapie" teil, der alle zwei Jahre unter Federführung von Herrn Priv.-Doz. Dr. Daniel Pöpping von unserer Klinik ausgerichtet wird.

Die Zusatzweiterbildung kann in einem Zweijahreszeitraum von drei Kolleginnen oder Kollegen erworben werden.


Die Interdisziplinäre Schmerzkonferenz ist eine therapeutische Maßnahme, in der sich Experten unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen gezielt den Leiden von Schmerzpatienten annehmen.

Die nächste "Interdisziplinäre Schmerzkonferenz"
findet am 04. Dezember 2018 statt.


Die Veranstaltungen werden im Rahmen des Fortbildungszertifikates der Ärztekammer Westfalen-Lippe anerkannt. Bitte bringen Sie dazu die von der Ärztekammer bereitgestellten Aufkleber mit Ihrem Barcode mit.

Termin

  • 04. Dezmber 2018, 18:00 Uhr

Veranstaltungsort

 
 
 
 

Bereichsleitung Chronische Schmerztherapie

Priv.-Doz. Dr. med.
Daniel Pöpping

Oberarzt

poppind(at)­uni-muenster(dot)­de

Unsere aktuelle Fachärztin in der chronischen Schmerztherapie

Dr. med.
Mareike Schneider
Fachärztin

Kontakt

schmerzambulanz(at)­anit.uni-muenster(dot)­de

Albert-Schweitzer-Campus 1,
Gebäude W30
48149 Münster
T: + 49 251 83-46121