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Welthirntumortag 2019: Weltklasse - trotz Hirntumor

Bild (privat): „Gewonnen wird im Kopf!“: Aufgeben kam für Nora Hansel, hier 2015 bei der Para-Triathlon-EM in Lissabon, nie infrage.
„Schon dich lieber!“ Häufig bekommen Hirntumor-Patienten diesen Satz zu hören, obwohl sie innerlich Lust verspüren, wieder aktiver zu werden oder an die eigenen körperlichen Grenzen zu gehen. Anlässlich des Welthirntumortages organisieren die Neurochirurgin und Psychoonkologin Priv.-Doz. Dr. Dorothee Wiewrodt und das UKM-Hirntumorzentrum eine Info-Veranstaltung zum Thema „Sport“. Athleten, die an einem Hirntumor er-krankt sind, berichten dabei von ihren Erfahrungen. Eine von ihnen ist Nora Hansel (33), Weltmeisterin 2014 und dreifache Europameisterin im Para-Triathlon.
ukm/lie

Frau Hansel, in welcher Situation hat Sie die Diagnose „Hirntumor“ getroffen?
Ich war 2004 im Nachwuchskader im Biathlon, als bei mir mit 18 Jahren ein bösartiger Tumor im Kleinhirn festgestellt wurde. Nur vier Tage später folgten die OP und danach eine lange Rehabilitation wegen einer halbseitig stark gestörten Bewegungskoordination.

Wie haben Sie damals gemerkt, dass etwas nicht stimmt?
Es fing 2003 damit an, dass ich häufig erkältet war, mir manche Trainingseinheiten und Wettkämpfe plötzlich sehr schwer fielen. Dann kamen immer mehr Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen dazu. Als ich im März 2004 schließlich die Diagnose bekam, war ich so geschockt, dass ich nichts mehr gefühlt und nur noch die wichtigsten Dinge vor der OP geregelt habe.
 
Wie sind Sie als Leistungssportlerin mit den körperlichen Folgen umgegangen?

Mir wurde erst ein paar Tage nach der OP richtig bewusst, dass ich nicht laufen, essen oder sitzen konnte – dass das nicht nur an der Narkose und den Medikamenten lag. Ich war wütend auf meinen Körper und auf meine Umwelt. An Sport habe ich zunächst nicht gedacht. Mein erstes Ziel war, den Umgang mit dem Rollstuhl zu lernen, um wieder eigenständig zu sein. Als das funktionierte, habe ich mir meine Pulsuhr von meinen Eltern bringen lassen, da ich dachte, bis zum Laufen wäre es nur ein kleiner Sprung. Tatsächlich bin ich erst nach fünf Jahren meine ersten 200 Meter gelaufen.
 
Was hat Ihnen damals Kraft gegeben?
Jeder Schritt, den ich sicherer gehen konnte, gab mir das Gefühl, dass es richtig ist, was ich tue. Auch die Ärzte und Physios haben mir vertraut, dass ich schon weiß, wieviel ich mir zumuten kann. Zudem wusste ich, dass meine Freunde, Familie, Lehrer und Trainer an mich glaubten. Es ging Schritt für Schritt weiter. Ich begann mit Spinning und Radsport. 2013 ging ich zum Para-Triathlon. 2014 wurde ich Deutsche-, Europa- und Weltmeisterin. In 2015 und 16 konnte ich meinen Europameistertitel verteidigen. Heute mache ich Triathlon nur noch als Hobby.

Warum ist es Ihnen wichtig, bei der Veranstaltung  des UKM-Hirntumorzentrums von Ihren Erfahrungen zu erzählen?
Ich habe über einen Freund aus der Selbsthilfegruppe von den Begleittherapien des Zentrums erfahren – Gesprächs-, Kunst- und eben auch Sportangebote für Betroffene. Das hätte mir damals auch gut getan! Als ich dann die Gelegenheit bekam, mich mit Dr. Wiewrodt im UKM zu treffen, erzählte sie mir von dem persönlichen Trainingsprogramm, das der Sportwissenschaftler Ralf Brandt dort für Hirntumorpatienten anbietet. Ich habe eine Leistungsdiagnostik und eine Trainingseinheit bei ihm gemacht, was beides hoch professionell war. Für ein regelmäßiges Training wohne ich leider zu weit von Münster entfernt... Bei der Veranstaltung möchte ich andere ermutigen, auch schon während der Therapie bewusst Sport zu machen. Egal welche Art von Sport und egal in welcher Intensität. Die Hauptsache ist, es fühlt sich gut an und macht Spaß. Ich möchte auch dazu ermutigen, den eigenen Weg zu gehen und eine Einschränkung als Herausforderung und nicht als Hindernis zu sehen. Mein Motto ist: Gewonnen wird im Kopf!

„Sportlich unterwegs! Den persönlichen Zielen entgegen“
Samstag, 08.06.2019, 10.00 bis 15.00 Uhr,
Restaurant Bakenhof (Roxeler Str. 376, Münster)
Eintritt frei. Anmeldung:
dorothee.wiewrodt(at)­ukmuenster(dot)­de

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