Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie, Abteilung für Klinische und Operative Andrologie

Androprotect

Was ist Androprotect?

Androprotect ist ein Netzwerk von Ärzten verschiedener Fachrichtungen und Biologen, das 2012 in unserem Centrum gegründet wurde und sich für den Erhalt der männlichen Fruchtbarkeit (Fertilität) bei Jungen vor der Pubertät einsetzt.

Wie kann ich meine Fruchtbarkeit schützen?

Vor allem Krebserkrankungen und ihre Therapie können die männliche Fruchtbarkeit dauerhaft einschränken. Aber auch gutartige Erkrankungen und ihre Behandlung können zu einem Verlust der Fruchtbarkeit führen.
Dieser Verlust ist besonders für junge Patienten eine sehr einschneidende Folge ihrer Erkrankung.
Patienten, die sich krankheitsbedingt einer Therapie mit der möglichen Folge einer dauerhaften Schädigung der Hodenfunktion unterziehen müssen, sollten deshalb vor Behandlungsbeginn von ihren Ärzten über die Schaffung einer Fertilitätsreserve durch das Einfrieren (= Kryokonservierung) von Spermien informiert werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass später ein Kinderwunsch mit eigenen Spermien verwirklicht werden kann.
Für Männer im zeugungsfähigen Alter ist deshalb das Einfrieren von Spermien heute eine anerkannte Maßnahme. Die kryokonservierten Spermien können später in einer Kinderwunschbehandlung mithilfe einer künstlichen Befruchtung Verwendung finden.
Jungen vor der Pubertät haben noch keinen Samenerguss, und ihre Hoden produzieren noch keine Spermien. In diesem Alter ist somit ein Schutz der Fruchtbarkeit vor einer anstehenden Therapie eine große, aktuell noch nicht vollständig gelöste Aufgabe.

Welche Therapien können die Fruchtbarkeit eines Jungen schädigen?

Sowohl bösartige als auch gutartige Erkrankungen und deren Therapien können die Fruchtbarkeit eines Jungen dauerhaft einschränken.
Onkologische Behandlungen bei

  • Leukämien
  • Lymphomerkrankungen
  • Ewing-Sarkomen, Osteosarkomen, Rhabdomyosarkomen
  • Nephroblastomen etc.

Knochenmark- oder Stammzelltransplantationen bei bösartigen Erkrankungen, aber auch bei gutartigen Bluterkrankungen

  • Sichelzellanämie
  • Thalassämie
  • angeborene Immundefekte
  • angeborene Anämien

Hormonbehandlungen

  • gegengeschlechtliche Therapie bei Transidentität (male to female)

Schutz der Fruchtbarkeit bei Jungen vor der Pubertät

Beim vorpubertären Jungen ist die Kryokonservierung von Spermien nicht durchführbar, da die Spermienbildung erst mit der Pubertät beginnt.
Im Rahmen von Androprotect kann diesen Jungen angeboten werden, Hodengewebe zu entnehmen, um es zu kryokonservieren (einzufrieren). Später soll dann versucht werden, aus den Spermien-Stammzellen des Hodens Spermien zu entwickeln.

Hodengewebe ist gesichert – und dann?

Das kryokonservierte Hodengewebe wird sorgfältig untersucht und für den Jungen aufbewahrt. Mit einem kleinen Teil des Gewebes finden wissenschaftliche Untersuchungen statt. Ziel dieser Arbeiten ist es, aus den Stammzellen des Hodens reife Spermien zu generieren. Diese Spermien sollen dann in Zukunft den Kinderwunsch erfüllen.
Zwar ist aktuell die Reifung von Spermien aus Stammzellen im Labor oder durch Gewebe- oder Zelltransplantation beim Menschen noch nicht gelungen, doch die Forschung läuft auf Hochtouren und ist sehr vielversprechend.
Somit ist der Ansatz von Androprotect aktuell noch experimentell, weil den Jungen und ihren Familien noch keine Erfolgsgarantie gegeben werden kann. Aber die nötigen Forschungsarbeiten müssen jetzt erfolgen, um in einigen Jahren den jetzt betroffenen Jungen helfen zu können.

Androprotect – wer macht mit?

Bis heute wurden mit Zustimmung der Ethik-Kommission Hodengewebe und Stammzellen von über 100 Jungen im Alter von wenigen Monaten bis zum Pubertätsalter im Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) des Universitätsklinikums Münster eingelagert.

Ein großer Teil dieser Patienten wurde in unserer Abteilung operiert. Aber auch Netzwerkpartner aus anderen Kliniken führen die Hodengewebsentnahme durch und lagern das entnommene Gewebe im Rahmen von Androprotect bei uns ein.

Aktuell sind die kooperierenden Partner:

  • Universitätsklinikum Frankfurt der Goethe-Universität

  • Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

  • Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf der Universität Hamburg

Androprotect – wie läuft es ab?

Die Entnahme des Hodengewebes findet in einer kurzen Vollnarkose statt und sollte in der Regel mit anderen notwendigen Maßnahmen kombiniert werden (z. B. Knochenmarkspunktion, Portimplantation etc.). In der Regel informieren uns die behandelnden Ärzte über eine anstehende Therapie. Wir führen dann ein sorgfältiges Gespräch mit der Familie und informieren über Androprotect. In Absprache mit den Kollegen wird danach der Eingriff geplant.

 
 
 
 

KONTAKT FÜR FAMILIEN, ÄRZTE UND WISSENSCHAFTLER

Ansprechpartnerin für Eltern und Ärzte, Terminvereinbarungen:
Oberärztin Dr. med. Claudia Krallmann
claudia.krallmann(at)­ukmuenster(dot)­de

Ansprechpartnerin für juristische Fragen, einsendende Centren:
PD Dr. rer. nat. Verena Nordhoff
verena.nordhoff(at)­ukmuenster(dot)­de

Ansprechpartnerin für Forschung und Wissenschaft:
PD Dr. rer. nat. Nina Neuhaus
nina.neuhaus(at)­ukmuenster(dot)­de