Entzündliche Gelenkerkrankungen im Kindes- und Jugendalter

Viele entzündliche Gelenkerkrankungen des Kindesalters sind reaktiv, also eine Reaktion des Körpers auf eine zunächst gar nicht die Gelenke betreffende Erkrankung (z.B. Darmerkrankungen, Infekte). Diese reaktiven Arthritiden haben eine gute Prognose und heilen oft problemlos aus. Dagegen haben die chronischen Arthritiden eine ernstere Prognose und müssen daher angemessen überwacht und behandelt werden.

Die juvenile idiopathische Arthritis (JIA) oder juvenile chronische Arthritis (JCA) wird in Untergruppen eingeteilt:

1) Oligoarthritis Typ I
Bei ihr sind in der Regel nur wenige Gelenke betroffen (oligo = griech. "wenig"), vor allem große und mittelgroße Gelenke (z.B. Kniegelenke, Sprunggelenke). Sie kommt hauptsächlich bei Mädchen im Kleinkindalter vor und beginnt meist vor dem Schulalter.

2) Oligoarthritis Typ II
Spätform der Oligoarthritis. Es sind überwiegend ältere Jungen betroffen. Bei der juvenilen Spondylarthropathie sind häufig Wirbelsäule, Hüftgelenke und große Gelenke betroffen. Gelegentlich findet sich der genetische Marker HLA-B27.

3) Sero-negative Polyarthritis
Es sind viele Gelenke betroffen mit oft symmetrischem Befall. Mädchen erkranken häufiger. Der Rheumafaktor ist im Blut nicht nachweisbar, dafür finden sich aber oft Antikörper gegen Bestandteile von Zellkernen (Antinukleäre Antikörper = ANA).

4) Sero-positive Polyarthritis

Diese Form entspricht weitgehend der Rheumaerkrankung des Erwachsenenalters. Überwiegend sind Mädchen ab dem 10 Lebensjahr betroffen.

5) Systemische juvenile Arhritis (Morbus Still)
Beginn oft dramatisch mit Fieber, Hautausschlag, Schwellung von Lymphknoten, Leber und Milz. In unterschiedlichem Ausmaß kommt es zu Gelenkentzündungen.

Gelenkproblematik

Gerade Kleinkinder sind oft noch nicht sehr gut in der Lage, ihre Schmerzen genau zu lokalisieren. Bei Gelenken, die äußerlich die Entzündung, z.B. Gelenkschwellung oder Ergußbildung, nicht genau erkennen lassen, wird die Beteiligung an der Arthritis deshalb manchmal nicht rechtzeitig erkannt. Die Kinder schonen dann die betroffenen Gelenke, vor allem bewegen sie sie nicht mehr im vollen Bewegungsausmaß. So kann es zunächst unbemerkt zu einer Funktionseinschränkung und zunehmenden, später nur noch mit großem Aufwand oder gar nicht mehr zu behebenden Kontrakturen und Gelenkfehlstellungen kommen. Die Kinder sollten deshalb in regelmäßigen Abständen beim Kinderrheumatologen untersucht werden, außerdem benötigen sie eine qualifizierte Krankengymnastik bei einem Therapeuten, der sich mit der juvenilen chronischen Arthritis auskennt.

Augen

Tückisch ist eine meist schleichend verlaufende Iridozyklitis (Regenbogenhaut-Entzündung, Uveitis). Da bei ihr häufig äußerlich am Auge keine Entzündungszeichen wie eine Rötung der Augen zu sehen sind und kleine Kinder auch hier die verminderte Sehkraft auf dem entzündeten Auge durch das andere Auge gut kompensieren können, wird sie oft erst nicht erkannt und damit auch erst spät oder sogar zu spät behandelt, wenn es bereits zu bleibenden Schäden am Auge gekommen ist. Wichtig ist deshalb bei allen Kindern besonders mit juveniler chronischer Oligoarthritis Typ I eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung mit Augenspiegelung.

Diagnostik

Die übliche Diagnostik beschränkt sich zunächst auf eingehende Gespräche zur Klärung der Vorgeschichte und zum Erfragen typischer Befunde. Daneben ist eine eingehende körperliche Unersuchung mit Schwerpunkt besonders auf dem Bewegungsapparat nötig. Weitere Untersuchungen der betroffenen Gelenke sind mit Ultraschall und Röntgenaufnahmen möglich. Gelegentlich können kernspintomografische Aufnahmen (MRT) nötig werden. In seltenen Fällen werden nuklearmedizinische Verfahren eingesetzt (Gelenkszintigrafie, PET). Blutuntersuchungen umfassen Entzündungseiweiße, Antikörpersuche, Abklärung des Immunstatus und der Leber-und Nierenwerte vor allem zur Überwachung der Therapie. Zur Klärung der Einschränkungen am Bewegungsapparat werden Zustandsbeurteilungen durch unsere Krankengymnasten oder Ergotherapeuten durchgeführt.

Therapie

Die Therapie der juvenilen chronischen Arthritis erfolgt durch Medikamente, physikalische Therapie, Krankengymnastik, Ergotherapie und gegebenenfalls weiteren Behandlungsformen, die von der jeweiligen Problemlage abhängen. Die Überwachung und Therapie findet gelegentlich in Zusammenarbeit mit der orthopädischen Klinik, Augenärzten, Kinder-Nephrologen und anderen Spezialisten statt.