Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie

Stadieneinteilung nach Fontaine

Arterien können verschlossen sein, ohne daß Symptome auftreten. Der Körper hilft sich oft selbst, indem er Umleitungen ausbildet, so genannte Kollateralen, die die Funktion der verschlossenen Ader übernehmen. Andere Ursachen liegen darin, daß sich manche Menschen nicht genug belasten, um den Durchblutungsmangel spüren zu können, oder es liegen andere Erkrankungen vor, die eine Gefühllosigkeit auslösen. Da die zugrundeliegende Arteriosklerose jedoch eine Systemerkrankung ist, unterliegen Patienten mit Beindurchblutungsstörungen gleichzeitig auch einem hohen Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, selbst wenn das Stadium 1 der pAVK vorliegt. Daher ist es wichtig, die Erkrankung zu diagnostizieren, damit die Risikofaktoren der Arteriosklerose behandelt werden. Elementare Maßnahmen bestehen darin, den Blutdruck zu normalisieren, das Rauchen aufzugeben, die körperliche Aktivität zu erhöhen, erhöhte Blutfettwerte zu senken und Medikamente wie ASS einzunehmen, die ein Verkleben der Blutplättchen verhindern. Im konkreten Fall können weitere Behandlungen erforderlich sein.

Reichen die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht aus, kommt es zunächst zu Schmerzen, die auftreten, wenn der Muskel bei höherer Aktivität mehr Sauerstoff benötigt und das Blut diesen aufgrund der Gefäßverschlüsse nicht ausreichend nachliefert. Sehr typisch sind Wadenkrämpfe, die nach längerer Gehstrecke auftreten und dann in Ruhe wieder verschwinden. In Abhängigkeit von der Lokalisation des Gefäßverschlusses können die Schmerzen auch im Gesäß oder Oberschenkel auftreten. Diese Beschwerden beeinträchtigen die Lebensqualität zum Teil erheblich. Es besteht jedoch keine akute Gefahr für das betroffene Bein. Auch in der Zukunft schreitet nur bei einem Bruchteil der Patienten die Erkrankung bis in die gefährlicheren Stadien 3 und 4 vor.

Im Vordergrund der Behandlung steht daher wie im Stadium 1 die Kontrolle der Risikofaktoren, zusätzlich Gehtraining und ggf. die Einnahme eines Medikamentes wie Cilostazol, dessen Wirksamkeit zur Verbesserung der Gehstrecke nachgewiesen ist. Man kann so auf viele Jahre seine Mobilität erhalten und die schmerzfreie Gehstrecke schrittweise erweitern, ohne zusätzliche Risiken einzugehen.

Viele Patienten drängen dennoch auf einen Eingriff am Gefäßsystem, weil sie eine schnellere Besserung ihrer Beschwerden wünschen oder beruflich einen größeren Aktionsradius benötigen. Auf deren ausdrücklichen Wunsch gestatten uns die internationalen TASC-Leitlinien nach entsprechender Aufklärung über den gutartigen natürlichen Verlauf der pAVK im Stadium 2  eine invasive Therapie, wenn die schmerzfreie Gehstrecke 150 bis 200 Meter unterschreitet. Man spricht dann vom Stadium 2b.

Ab einem Stadium 3 spricht man von einer kritischen Ischämie. Jetzt ist die Gefahr groß, das Bein zu verlieren. Typisch für das Stadium 3 ist, daß die Patienten nachts nicht mehr schlafen können, das betroffene Bein aus dem Bett heraushängen lassen müssen, immer wieder herumgehen müssen oder es vorziehen, im Sessel zu schlafen. Bei der Untersuchung ist der Fuß dann kalt und blaß oder düster rot. Manchmal stellt man durch das ständige Herabhängen auch eine Schwellung fest. In diesem Stadium müssen alle Anstrengungen unternommen werden, die Durchblutung mittels OP oder Katheterintervention rasch zu verbessern.

Beginnend an den Zehen kann letztendlich das Bein komplett absterben. Zunächst bilden sich an den Zehenspitzen schwarze Stellen, die sich mehr oder weniger schnell über den Fuß und das Bein ausbreiten. Es handelt sich um totes Gewebe, das von Bakterien befallen werden kann. Auch Unterschenkelgeschwüre („offenes Bein“) können das Erscheinungsbild prägen. Im Falle einer Infektion kommt es oft zu einer raschen Verschlimmerung, manchmal zu einer Blutvergiftung, die akut lebensgefährdend ist. In einigen Fällen ist man dann zu einer lebensrettenden Amputation gezwungen. Kommen die Patienten schnell genug zur Behandlung, kann oft das Bein gerettet werden, wobei allerdings zahlreiche Eingriffe erforderlich sind, um die Infektion zu bekämpfen, die Durchblutung wieder herzustellen und die Weichteile zu rekonstruieren. Gerade in diesen sehr komplexen Fällen nutzen wir die Kompetenz der zahlreichen Kliniken und Institute des UKM, mit denen wir kooperieren: Angiologie, Radiologie, Bakteriologie, Hygiene, Technische Orthopädie und Diabetologie.