Klinik für Kardiologie III: Angeborene Herzfehler (EMAH) und Klappenerkrankungen

Foto Team, UKM-Kardiologie EMAH

Schwangerschaft und Herzfehler

In unseren Breitengraden stellen angeborene Herzfehler die häufigste kardiovaskuläre Erkrankung im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft dar. Andererorts spielen erworbene Herzklappenfehler nach rheumatischem Fieber (vor allem Verengung von Mitral- und Aortenklappe) eine größere Rolle. Erfreulicherweise können insgesamt viele Frauen mit Herzfehlern heutzutage mit vertretbarem Risiko schwanger werden.

Dennoch spielen angeborene und erworbene Herzfehler für das Risiko von Mutter und Kind wegen erheblich veränderter Physiologie unter Schwangerschaftsbedingungen eine wichtige Rolle. Die Blutmenge- und Zusammensetzung unterliegt ebenso bedeutsamen Veränderungen wie die Blutdruckverhältnisse in Lungen- und Systemkreislauf. Es ist insofern wichtig, möglichst bereits vor einer Schwangerschaft die Grundvoraussetzungen für eine gesunde intrauterine Entwicklung des Kindes sowie die Sicherheit der Mutter abschätzen zu können, ggf. therapeutische Maßnahmen in Vorbereitung auf eine Schwangerschaft einzuleiten, aber auch während des Verlaufs frühzeitig auf ungünstige Entwicklungen reagieren zu können. 

Eine wichtige zu klärende Frage ist auch der Geburtsweg (Spontangeburt oder Sectio - Kaiserschnitt). Häufig kann bei Herzfehlern ein normaler Geburtsvorgang angestrebt werden. Dennoch gibt es bestimmte Umstände, bei denen eine Sectio empfohlen und entsprechend geplant werden muss. Bei Hochrisikoschwangerschaften sollten die Geburten in einem entsprechend spezialisierten Zentrum angestrebt werden.

Die medikamentöse Behandlung während der Schwangerschaft, beispielsweise von Herzrhythmusstörungen im Zusammenhang mit Herzfehlern, muss aufgrund der veränderten Physiologie des mütterlichen Kreislaufs, aber auch wegen u.U. schädlicher Auswirkungen auf das Kind angepasst werden. Z.B. ist im Zusammenhang mit einer Blutverdünnungstherapie mit Marcumar oder ähnlichen Präparaten zu klären, ob diese während der gesamten Schwangerschaft eingenommen oder ggf. phasenweise durch andere Medikamente ersetzt werden müssen. Dieses gilt auch für die Blutverdünnung, die bei künstlichen Herzklappenprothesen aller Regel erforderlich ist.

Sollte es während der Schwangerschaft zu Notfall-Situationen kommen (z.B. Herzrhythmusstörungen, Herzüberlastung mit Wassereinlagerungen, Luftnot etc.), stehen jederzeit alle notwendigen Hilfsmittel zur Überwindung zur Verfügung (spezialisierte Intensivtherapie, katheterinterventionelle oder chirurgische Maßnahmen). 

Die Beratung umfasst auch das Risiko der Vererbung von Herzfehlern an das Kind, wenngleich dies bei vielen angeborenen Herzerkrankungen relativ gering ist. Hier arbeiten wir zusammen mit dem Institut für Humangenetik, falls die zugrunde liegenden Vererbungsmechanismen eine besondere Rolle spielen.

Zudem sind bei der Verwendung von Verhütungsmethoden (z.B. der "Pille") bei manchen Herzfehlern Einschränkungen, bzw. Vorsichtsmaßnahmen zu berücksichtigen. Die Beratung erfolgt hier in enger Kooperation mit der Klinik für Frauenheilkunde des UKM.

Zusammenfassend stellt die Betreuung von Schwangerschaften bei Herzfehlern eine besondere Herausforderung dar, die oft ein spezialisiertes, interdisplinäres Team erforderlich macht. Hier können wir auf sämtliche Resourcen des Universitätsklinikums zurückgreifen (Gynäkologie, Anästhesie, Herzchirurgie, Humangenetik und andere), um die größtmögliche Sicherheit für Mutter und Kind zu gewährleisten.

Link zu den europäischen Leitlinien für Schwangerschaft und Herzfehler

 
 
 
 
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