Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie

Arbeitsgruppe Neurowissenschaftliche Forschung zu Essstörungen und Angststörungen

AG-Leitung: Dr. Ida Wessing

Mitglieder  der Arbeitsgruppe (v. links n. rechts):

  • Johanna Spengler, studentische Hilfskraft

  • Ida Wessing, Dr. rer. nat. Dipl.-Psych., Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin i.A

  • Hugo Romero Frausto, M.Sc., Psych., Doktorand, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut i.A.

  • Anke Dalhoff, Therapeutin für Konzentrative Bewegungstherapie und Psychotherapie (HPG)

  • Simon Wilms, studentische Hilfskraft 

Die Arbeitsgruppe Essstörungen und Angststörungen beschäftigt sich mit den entwicklungspsychopathologischen und neurobiologischen Grundlagen von Essstörungen und Angststörungen. Aktuelle Schwerpunkte sind die Entstehung und Aufrechterhaltung von Störungen des Körperbildes und der Körperwahrnehmung bei Anorexia Nervosa sowie die Entwicklung von Emotionen und Emotionsregulation, besonders bezogen auf die Emotionen Angst und Furcht.
Methodisch kommen Interview- und Fragebogenverfahren, Verhaltensmaße, Elektro- (EEG) und Magnetenzephalographie (MEG) sowie Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz.

Kontakt für interessierte Studienteilnehmer*innen:
WhatsAPP 0176-31 25 81 19

 

Körperbildstörungen bei Anorexia Nervosa im Jugendalter

Patientinnen mit Anorexia Nervosa (Magersucht) erleben eine ausgeprägte Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, die nicht nur als zentrales Symptom der Erkrankung gilt, sondern häufig auch als Auslöser für den Wunsch nach einer Gewichtsabnahme zu Beginn der Erkrankung benannt wird. Empirische Forschungen bestätigen, dass eine solche Körperbildstörung der Entwicklung einer Essstörung vorausgehen und den Störungsverlauf vorhersagen kann. Mit der Beurteilung des eigenen Körpers sind für die Patientinnen nicht nur starke negative Gefühle und Gedanken verbunden, sie nehmen ihn auch als „zu dick“ wahr und zeigen dabei meist eine deutliche Überschätzung der eigenen Körpermaße. Bisher ist noch wenig darüber bekannt, wie es zu dieser Fehlwahrnehmung kommt, ob es sich um eine visuelle und/oder somatosensorische Wahrnehmungsstörung handelt und inwiefern neurobiologische Veränderungen dem zugrunde liegen. Ein aktueller Schwerpunkt unserer Arbeitsgruppe ist daher die Untersuchung des Körpererlebens und der Körperwahrnehmung bei Patientinnen mit Anorexia Nervosa und gesunden Vergleichsgruppen.

Während auf den eigenen Körper bezogene negative Gefühle und Gedanken i.d.R. von den Patientinnen gut beschrieben werden können, sind viele Teilprozesse der Körperwahrnehmung und –repräsentation vermutlich zumeist unbewusst. Erst über die Bewegung und Lokalisierung des Körpers im Raum bzw. eine aktive visuelle und taktile Wahrnehmung des Körpers können diese Prozesse bewusstgemacht und über verschiedene Methoden objektiv erfasst werden. Hier setzen wir sowohl verschiedene Verhaltensmaße (Test für Körperbildstörungen bei Kindern und Jugendlichen [BID-CA; Schneider, Martus, Ehrlich, Pfeiffer, & Lehmkuhl, 2009], Test zur visuellen Körpermaßschätzung) als auch neurowissenschaftliche Methoden (EEG, MEG, MRT) ein.

Die Studien finden in Kooperation mit dem Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse sowie mit dem Institut für klinische Radiologie des UKM statt.

Teilnehmerinnen gesucht!

Für eine laufende neurowissenschaftliche Studie zur Körperwahrnehmung suchen wir gesunde jugendliche Mädchen im Alter von 12 bis 19 Jahren!
Die Datenerhebung dauert insgesamt ca. 6 Stunden und findet an mehreren Terminen statt. 
Die Teilnehmerinnen erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 90 €.

Nähere Informationen hier.

 

Furchtgeneralisierung bei Angststörungen im Jugendalter

Patienten mit Angststörungen reagieren in bestimmten, objektiv ungefährlichen Situationen bzw. bei Konfrontation mit bestimmten Reizen (z.B. Hunde) mit starker Angst bis hin zu Panikanfällen. Ein möglicher Mechanismus bei der Entstehung solcher fehlangepassten Angstreaktionen ist eine übermäßig starke Furchtgeneralisierung. Bei der Furchtgeneralisierung wird eine in einer tatsächlich bedrohlichen Situation (z.B. Biss durch einen Schäferhund) gelernte Furchtreaktion (Angst vor diesem Schäferhund) auf andere, ähnliche Situationen übertragen (Angst vor allen Schäferhunden). Dies kann zunächst eine sinnvolle Reaktion sein, um mögliche Gefahren in Zukunft zu vermeiden. Bei Patienten mit Angststörungen konnte in einigen Studien gezeigt werden, dass sie zu einer stärkeren Furchtgeneralisierung neigen und daher auch auf viele, dem ursprünglich bedrohlichen Reiz sehr unähnliche Reize mit Angst reagieren (z.B. Angst vor allen Hunden oder auch anderen Tieren). Bisher ist noch wenig untersucht, welche neuronalen Prozesse der Furchtgeneralisierung zugrunde liegen und inwiefern es hier Entwicklungsveränderungen von Kindern und Jugendlichen bis hin zu Erwachsenen gibt.
Um diese Zusammenhänge besser zu erforschen, beteiligen wir uns an der Studie: Hemodynamic (fMRI) and magnetoencephalographic (MEG) correlates of fear-generalization in anxiety disorders: developmental aspects and effects of psychotherapy.

Die Studie findet in Kooperation mit dem Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse (Prof. Dr. Markus Junghöfer; Dr. Katharina Keuper) und dem Institut für Medizinische Psychologie und Systemneurowissenschaften (Prof. Dr. Thomas Straube) des UKM statt, im Rahmen des Sonderforschungsbereiches Furcht, Angst, Angsterkrankungen (SFB TRR 58, C07).

Teilnehmer*innen gesucht!

Für die o. g. Studie suchen wir jugendliche Patienten mit einer Angststörung sowie gesunde Jugendliche als Vergleichspersonen im Alter von 14 bis 17 Jahren!
Die Datenerhebung dauert ca. 2 1/2 Stunden. 
Die Teilnehmer*innen erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 30 €.

Nähere Informationen hier.

 

Beiträge in Fachzeitschriften (peer-reviewed)

Wessing, I., Romer, G., & Junghöfer, M. (2017). Hypervigilance-avoidance in children with anxiety disorders: Magnetoencephalographic evidence. Journal of Child Psychology & Psychiatry, 58(1), 103-112. doi:10.1111/jcpp.12617

Achtergarde, A., Müller, J. M., Postert, C., Wessing, I., Mayer, A., & Romer, G. (2015). Der Zusammenhang von Bindungsmustern und der Entwicklung von Angstsymptomen im Kindes- und Jugendalter. [Attachment patterns and their relation to the development of anxiety symptoms in childhood and adolescence]. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 64(7), 496-526. doi:10.13109/prkk.2015.64.7.496

Achtergarde, S., Postert, C., Wessing, I., Romer, G., & Müller, J. M. (2015). Parenting and child mental health: influences of parent personality, child temperament, and their interaction. The Family Journal, 23(2), 167-179. doi:10.1177/1066480714564316

Rehbein, M. A., Wessing, I., Zwitserlood, P., Steinberg, C., Eden, A. S., Dobel, C., & Junghöfer, M. (2015). Rapid prefrontal cortex activation towards aversively paired faces and enhanced contingency detection are observed in highly trait-anxious woman under challenging conditions. Frontiers in Behavioral Neuroscience, 9:155. doi:10.3389/fnbeh.2015.00155

Wessing, I., Rehbein, M. A., Romer, G., Achtergarde, S., Dobel, C., Zwitserlood, P., . . . Junghöfer, M. (2015). Cognitive emotion regulation in children: Reappraisal of emotional faces modulates neural source activity in a frontoparietal network. Developmental Cognitive Neuroscience, 13, 1-10. doi:10.1016/j.dcn.2015.01.012

Postert, C., Achtergarde, S., Wessing, I., Romer, G., Fürniss, T., Averbeck-Holocher, M., & Müller, J. M. (2014). Multiprofessionelle Intervallbehandlung psychisch kranker Kinder im Vorschulalter und ihrer Eltern in einer Familientagesklinik. [Multiprofessional intermittent psychiatric treatment of children in preschool age and their parents in a Family Day Clinic]. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 63(10), 812-830. doi:10.13109/prkk.2014.63.10.812

Rehbein, M. A., Steinberg, C., Wessing, I., Pastor, M. C., Zwitserlood, P., Keuper, K., & Junghöfer, M. (2014). Rapid plasticity in the prefrontal cortex during affective associative learning. Plos One, 9(10): e110720. doi:10.1371/journal.pone.0110720

Furniss, T., Müller, J. M., Achtergarde, S., Wessing, I., Averbeck-Holocher, M., & Postert, C. (2013). Implementing psychiatric day treatment for infants, toddlers, preschoolers and their families: A study from a clinical and organizational perspective. International Journal of Mental Health Systems, 7:12. doi:10.1186/1752-4458-7-12

Wessing, I., Rehbein, M. A., Postert, C., Furniss, T., & Junghöfer, M. (2013). The neural basis of cognitive change: Reappraisal of emotional faces modulates neural source activity in a frontoparietal attention network. Neuroimage, 81, 15-25. doi:10.1016/j.neuroimage.2013.04.117

Wessing, I., Furniss, T., Zwitserlood, P., Dobel, D., & Junghöfer, M. (2011) Early emotion discrimination in 8- to 10-year-old children: Magnetoencephalographic correlates. Biological Psychology, 88(2-3), 161-169. doi:10.1016/j.biopsycho.2011.07.004