V. Multizentrische Beobachtungsstudie bei Patienten mit Morbus Fabry unter Enzymersatztherapie

Morbus Fabry ist eine X-chromosomal vererbte, lysosomale Speichererkrankung, bei der es durch α-Galaktosidase A- (α-GAL A; EC: 3.2.1.22) Mangel zu einer lysosomalen Sphingolipid-Akkumulation in verschiedenen Zelltypen zahlreicher Organe kommt. Daraus resultiert eine Multisystemerkrankung mit u.a. frühzeitig auftretenden Herz- und Hirninfarkten, dialysepflichtiger Niereninsuffizienz und deutlich eingeschränkter Lebenserwartung. Entsprechend der Organmanifestation ist  eine interdisziplinäre Betreuung in ausgewiesenen Fabry-Zentren notwendig. Die Therapie besteht aus einer Enzymersatztherapie (ERT), wobei als Enzymsubstitution zwei Medikamente zugelassen sind: Agalsidase-alpha (Replagal®, 0.2 mg/kg KG i.v. alle 2 Wochen) und Agalsidase-beta (Fabrazyme®, 1 mg/kg KG i.v. alle 2 Wochen). Ein seit Sommer 2009 anhaltender Lieferengpass des Präparats Fabrazyme® bedingt bei einer großen Zahl von Patienten eine Dosisreduktion von Fabrazyme® (0,3 mg/kg oder 0,5 mg/kg KG i.v. alle 2 Wochen) oder einem Wechsel auf Replagal® (European Medicines Agency 2009/2010).

Die aktuelle multizentrische Beobachtungsstudie soll zeigen, ob eine Fabrazyme®-Dosisreduktion bzw. ein Wechsel auf Replagal® die kardialen, renalen und neurologischen Funktionen über einen Zeitraum von 36 Monaten beeinflusst. Dazu werden in allen drei beteiligten Fabry-Zentren (UKM, Münster, n=100; Würzburg, n=140; Berlin, n=30) im Rahmen der jährlichen Verlaufsbeurteilung der Patienten folgende Routine-Parameter erhoben: (i) demographische Daten (Alter, Geschlecht, Zeitpunkt der Fabry-Diagnose, GLA-Exon-Variante); (ii) Beginn und Dosierung der ERT; (iii) klinische Ereignisse/Organmanifestationen (Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzklappenfehler, Herzschrittmacher, koronare Dilatation; transiente ischämische Attacke, Hirninfarkt; Dialysepflichtigkeit, Organtransplantation); (iv) zusätzliche klinische Symptome (Angiokeratome, Cornea verticillata, Hypohidrose, neuropathische Schmerzen, Tinnitus, Hypotonie, Hypertonie.); (v) Laborparameter (Serum-Kreatinin, glomeruläre Filtrationsrate, Protein/Kreatinin-Ratio im Urin); (vi) mittels Echokardiographie bzw. kardialer Magnetresonanztomographie (MRI) erhobene kardiale Parameter (links-ventrikuläre (LV) Wandstärke, LV enddiastolische und endsystolische Durchmesser, diastolische/systolische Dysfunktion, Klappenstatus) und (vii) mittels MRI erfasste zerebrale Parameter (white matter lesions, postischämische Veränderungen).

Die 3-jährige Verlaufbeurteilung wird zeigen, welche Art und Dosis der Enzymsubstitution für den klinischen Verlauf kardialer, renaler und neurologischer Endorganschäden sowie die Lebensqualität des Patienten geeigneter ist und damit zukünftig das Therapiekonzept prägen.

Poster, Kongress für Nephrologie,
3. Jahrestagung der DGfN, Berlin, 2011


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Beteiligte Mitarbeiter/Kooperationspartner:

Dr. rer. nat. M. Lenders, Dr. rer. nat. B. Schmitz, Dipl.-Biol. M. Schelleckes, Dr. med. S. Reiermann, PD Dr. med. J. Stypmann, PD Dr. med. T. Duning, Prof. Dr. med. T. Marquardt, Prof. Dr. Dr. med. S.-M. Brand, Prof. Dr. Dr. med. E. Brand; Fabry-Zentrum Münster, Universitätsklinikum Münster

Dr. med. S. Canaan-Kühl, Prof. Dr. med. R. Schindler; Fabry-Zentrum Berlin, Charité, Campus Virchow-Klinikum

Dr. med. M. Niemann, Prof. Dr. med. F. Weidemann, Prof. Dr. med. C. Sommer, Prof. Dr. med. Ch. Wanner; Fabry-Zentrum Würzburg, Universität Würzburg

Förderung: Genzyme GmbH, 2011-2014