Klinik für Nuklearmedizin

Radioiodtherapie bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen

Eine Radioiodtherapie kann zur Therapie bei verschiedenen gutartigen Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt werden.

Gutartige Schilddrüsenerkrankungen gehen mit Veränderungen der Funktion (Über- oder Unterfunktion) und/ oder der Struktur der Schilddrüse einher. Mit der Radioiodtherapie lässt sich eine Überfunktion (z. B. bei „warmen“ autonomen Knoten oder M. Basedow) oder eine Schilddrüsenvergrößerung (Struma) effektiv therapieren. Sie wird daher in diesen Fällen zunehmend als Therapieverfahren der ersten Wahl eingesetzt. Hierbei erhält die Patientin oder der Patient eine Kapsel (alternativ eine Flüssigkeit) mit radioaktivem Iod (131I), welches von den Schilddrüsenzellen in gleicher Weise wie „normales“, mit der Nahrung zugeführtes Iod aufgenommen wird. Durch die ausgesandte ß-Strahlung wird eine Verkleinerung der Schilddrüse oder Beseitigung einer Überfunktion bewirkt.

Terminvereinbarung und Ansprechpartner

Die Entscheidung, ob eine Radioiodtherapie sinnvoll ist, wird in der Regel im Rahmen einer ambulanten Vorstellung in unserer Schilddrüsenambulanz getroffen. Alle noch ausstehenden, notwendigen Untersuchungen können an diesem Termin bei uns durchgeführt werden.

Sofern alle notwendigen Voruntersuchungen (in der Regel sind dies: Schilddrüsensonographie (Ultraschall), Schilddrüsenszintigraphie (Originalbild), relevante Blutwerte) bereits von extern vorliegen,  kann in Einzelfällen auch ohne vorherige persönliche Vorstellung die Indikation (Beurteilung der Sinnhaftigkeit) für eine Radioiodtherapie gestellt und ein Termin vereinbart werden. Die Schilddrüsenambulanz ist telefonisch unter 0251 - 83 47349 zu erreichen.

Vorbereitung auf  die Untersuchung

Im Vorfeld erhobene Befunde wie Schilddrüsensonographie, Schilddrüsenszintigraphie sowie Laborparameter sollten uns vorliegen oder von Ihnen mitgebracht werden.  Zudem sollte uns die aktuelle Medikation, insbesondere die Schilddrüsenmedikation, bekannt sein. Eine erhöhte Iodzufuhr  z.B. durch die Gabe von jodhaltigen Röntgenkontrastmitteln (z.B. bei Computertomographien oder Angiographien), Medikamenten (z.B. Amiodaron), iodhaltige Desinfektionsmittel oder Nahrungsergänzungsmitteln mit relevantem Iodanteil („Vitamine und Spurenelemente“) sollte in den letzten 6-8 Wochen vermieden werden.

Zu welchem Zeitpunkt eine etwaige Schilddrüsenmedikation abgesetzt  oder die Einnahme einer neuen Medikation begonnen werden sollte,  besprechen wir individuell mit der Patientin oder dem Patienten bei der Terminvereinbarung. Alle übrigen Medikamente können in der Regel wie gewohnt eingenommen werden.

Ablauf der Therapie

Vor der Therapie findet ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit der Stationsärztin oder dem Stationsarzt statt, in dem erneut die Krankengeschichte erfragt, die Indikation zur Therapie geprüft und der Ablauf der Therapie erläutert wird. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung und es wird ein Ruhe-EKG aufgezeichnet. Zudem wird eine Blutentnahme zur Bestimmtung der aktuellen Laborparameter durchgeführt.

Bei Patientinnen im gebärfähigen Alter muss vor der Therapie eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

Im Anschluss erhält die Patientin oder der Patient dann zunächst eine Testkapsel mit einer sehr geringen Aktivität (Radioiodtest). Nach 4 und 24 Stunden muss dann die Iodaufnahme („uptake“) gemessen werden. Diese Messwerte werden bei der Berechnung der individuellen Radioiodmenge zur Therapie berücksichtigt. Die Gabe der Testkapsel kann wahlweise auch am Vortag der stationären Aufnahme prästatioär erfolgen; d.h. Sie können nach der 4-Stunden-Messung wieder nach Hause fahren.

Gelegentlich ist auf der Station noch eine erneute Schilddrüsensonographie (Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse) zur genauen Bestimmung der Schilddrüsen- oder Knotengröße erforderlich.

Die Patientin oder der Patient erhält die Therapiekapsel mit einem Glas Wasser (bei Schluckstörungen kann im Vorfeld auch die Gabe einer Flüssigkeit vereinbart werden). Auch im weiteren Verlauf des stationären Aufenthalts sollte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Entleerung der Harnblase geachtet werden. Das radioaktive Iod (131I) mit einer physikalischen Halbwertszeit von etwa 8 Tagen reichert sich nun in der Schilddrüse an und führt durch die ausgesandte ß-Strahlung in den folgenden Wochen zu einer Verkleinerung der Schilddrüse und Beseitigung einer Überfunktion.

Aus Gründen des Strahlenschutzes darf eine Radioiodtherapie nur auf einer nuklearmedizinischen Therapiestation durchgeführt werden (allgemeine Informationen zu unserer von-Hevesy-Station erhalten Sie hier). Die Dauer des stationären Aufenthalts hängt vor allem von der verabreichten Aktivität und dem Schilddrüsenstoffwechsel ab. Bei täglichen Messungen kann die von der Patientin oder dem Patienten ausgehende Strahlung und die erzielte Herddosis bestimmt werden. In der Regel  beträgt die Dauer des stationären Aufenthalts etwa 3 bis 4  Tage, mindestens jedoch 2 Tage, gerechnet ab Einnahme der therapeutischen Radioioddosis.

Mögliche Risiken und Komplikationen

Die Radioiodtherapie ist mit einer unterwünschten Strahlenexposition verbunden, die auf die ausgesandte ß- und γ-Strahlung zurückzuführen ist. Aufgrund der geringen Reichweite der ß-Strahlung (mittlere Reichweite etwa 0,5 mm) ist die Strahlenbelastung jedoch für alle Gewebe, die selbst kein Iod aufnehmen, vergleichsweise gering. Allerdings nehmen die Speicheldrüsenzellen das radioaktive Iod in nennenswerter Menge auf und geben dieses in den Speichel ab. Es kann als Folge zu einer Entzündung der Speicheldrüsen und in seltenen Fällen zu einer bleibenden Schädigung kommen. Bei den üblicherweise relativ niedrigen Dosen der Radioiodtherapie bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen ist diese Gefahr jedoch gering. Sie können die Gefahr weiter minimieren, indem Sie Bonbons, Kaugummis und andere Dinge lutschen / kauen, die den Speichelfluss steigern.

Durch Zerfall von Schilddrüsenzellen kann es selten zu einem kurzfristigen, vermehrten Freisetzten von Hormonen und somit zu einer vorübergehenden Überfunktion (Hyperthyreose) kommen. Folgen können beispielsweise Nervösität, Herzrasen, vermehrtes Schwitzen oder in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen sein.

Sehr selten kann v. a. bei sehr großen Strumen die Schwellung des Schilddrüsengewebes zu einer Einengung der Luftröhre führen. Bei sehr großen Schilddrüsen lassen wir daher vor der Therapie eine Untersuchung der Luftröhre durchführen.

Dem Neuauftreten oder der Verschlechterung einer Augenbeteiligung bei einem M. Basedow (endokrine Orbitopathie) wirken wir ggf. durch Gabe von Cortison-Präparaten während und nach der Therapie sowie einer optimalen Schilddrüsenhormoneinstellung im Anschluss an die Therapie entgegen.

Weiteres Vorgehen

Am Entlassungstag erhält die Patientin oder der Patient einen vorläufigen Entlassungsbrief. In den folgenden Wochen senden wir den ausführlichen, schriftlichen Arztbrief an die Hausärztin oder den Hausarzt.

Die Radioiodtherapie wirkt über den Zeitraum der stationären Aufnahme hinaus fort. Ein Großteil der Wirkung ist drei Monate nach der Radioiodgabe eingetreten, so dass wir etwa zu diesem Zeitpunkt mit Ihnen einen Termin zur ambulanten Kontrolle nach Radioiodtherapie in unserer Schilddrüsenambulanz vereinbaren. In der Zeit zwischen Entlassung und ambulanter Nachsorge sollten bei der Hausärztin oder dem Hausarzt Kontrollen der Laborwerte durchgeführt und, gerne auch nach Rücksprache mit uns, die Schilddrüsenmedikation ggf. angepasst werden (Fax 0251 83 47383). Die Häufigkeit und Zeitabstände dieser Kontrollen werden dem Patienten oder der Patientin bei Entlassung von unserer Von-Hevesy- Station mitgeteilt.

 
 
 
 

Kontakt

Klinik für Nuklearmedizin

Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude A1
(ehem.: Albert-Schweitzer-Straße 33)
48149 Münster 

Tel.: 0251 - 83 47362

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