Das Leben mit einem gespendeten Organ

Eine erfolgreich durchgeführte Organtransplantation erzwingt die medikamentöse Verabreichung von Immunsuppressiva. Hierbei handelt es sich um Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, um das gespendete Organ zu tolerieren. Die Einnahme dieser Medikamente wird in der Regel durch das Transplantationszentrum vorgegeben und auch im Langzeitverlauf angepasst werden.

Je nach Erkrankung entscheiden zusätzlich bestehende Risikofaktoren des transplantierten Patienten als auch die Wahl des Spenderorgans über die Strategien dieser immunsuppressiven Therapie. Durch verschiedenste Möglichkeiten kann heutzutage sehr individuell ein Langzeitüberleben mit einem transplantierten Organ gewährleistet werden. Eine rechtzeitig erkannte Abstoßung eines transplantierten Organs kann in der Regel gut behandelt werden. Häufig erfahren Transplantierte Abstoßungsepisoden, die bei engmaschiger Betreuung das Langzeitüberleben und den Langzeiterhalt des Transplantatorgans nicht beeinträchtigen.

Das UKM hat durch die Ernennung eines Transplantationsbeauftragten und einer Vertreterin eine strikte Trennung zwischen der Organspende und der Transplantationschirurgie hergestellt. Die Organisation der Organspende, als auch die Ausschöpfung der Möglichkeiten erweiterter Spenderkriterien sind wesentliches Aufgabengebiet der Transplantationsbeauftragten. Der Transplantationsbeauftragte vermittelt zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen, informiert und verbessert Verfahrensabläufe im Rahmen der Organspende. Unterstützt wird er von einer Organspendebeauftragten. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Zusammenarbeit mit Ärzten und Patienten auch der Unterricht in der Krankenpflege sowie Informationsveranstaltungen und Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit. Am UKM werden neben Ärzten auch die Pflege und weitere Berufsgruppen umfassend im Bereich der Organspende geschult.

Flankiert wird diese Tätigkeit durch die Einbindung der katholischen und evangelischen Seelsorger des UKM. Sowohl die Leber-und Nierenlebendspende, als auch sonstige psychologische Probleme betreut Prof. Straube mit seinem Team (Institut für Medizinische Psychologie und Systemneurowissenschaften). Das Explantationsteam von Prof. Senninger und dem Leiter der Sektion Transplantationschirurgie, Priv.-Doz. Dr. Wolters, weisen exzellente Erfahrungen in der Entnahme von Organen und in der Durchführung sogenannter organprotektiver Maßnahmen auf. (Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie)

Zum Nachdenken anregend und berührend: Die Danksagung eines Menschen, dem durch Organspende das Leben gerettet werden konnte.

Was geht einem an so einem Tag durch den Kopf?

Sehr viel und zugleich auch sehr wenig.
Eine Fülle von Erinnerungen und zugleich eine große Leere.
Und dabei ein steter Wechsel zwischen der ungewissen Zukunft
und der erlebten Vergangenheit.

Sehr viel geht mir durch den Kopf, weil ich in diesen Jahren viel habe erleben dürfen. Viele bleibende Erinnerungen, viele tolle Erlebnisse und - da bin ich mir sicher – Vieles, was ich intensiver und bewusster erlebt habe, als Menschen, die mit diesem Themenkomplex nicht konfrontiert werden oder wurden. Ich habe eine Familie, ich habe Freunde, ich habe einen Beruf, und ich kann ferne Länder besuchen. Familie und Freunde, Beruf und Reisen - wäre das alles für mich so möglich gewesen, ohne die Entscheidung für Organspende eines mir Unbekannten? Nein – wäre es ganz sicher nicht. Und was mir ganz wichtig ist: Ich habe durch diese Erkrankung Menschen kennen gelernt, die ich als „Gesunder“ so nicht kennen gelernt hätte, deren Freundschaft und Bekanntschaft mir sehr, sehr viel bedeuten. Menschen, die mir gezeigt haben, was das Leben wirklich ausmacht und dass es wichtig ist, eine tiefe innere Zufriedenheit mit dem, was man hat, zu erreichen.

Aber da ist auch die Leere, weil ich ohne das Geschenk eines mir Unbekannten diese Zeit so nicht erlebt hätte und mir dies im Rückblick immer bewusster wird. Weil ich nun die Erlebnisse habe, die eigentlich ein anderer erleben wollte. Weil ich nun eine Familie habe, die ein anderer verlassen musste. Weil ich nun Freundschaften pflegen kann, wo andere einen großen Verlust hinnehmen mussten.  Weil ich ein sehr schönes Leben habe, was ein anderer nicht weiterführen konnte.  
Aber – und das darf man nie vergessen: Er ist nicht für mich gestorben. Ich habe nicht auf den Tod eines anderen gewartet, um transplantiert zu werden. Umstände die ich nicht kenne, haben zum Tod eines verantwortungsbewussten Menschen geführt, eines Menschen, der sich zu Lebzeiten Gedanken gemacht hat, die sich andere ihr ganzes Leben nicht machen. Und dafür bin ich dem Spender zutiefst dankbar.

Aber wie sage ich nun Danke?
Danke sagt man für ein Geschenk oder für eine Geste.  
Fast immer kennt man denjenigen, der einen beschenkt hat.
Man kann ihn anlächeln und Danke sagen.
Man kann ihn in den Arm nehmen und Danke sagen.
Man kann ihm einen lieben Brief schreiben und Danke sagen.
Ich kann das alles nicht.
Ich kann den, der mich reichlich beschenkt hat, nicht anlächeln.
Ich kann ihn nicht in den Arm nehmen.
Ich kann ihm keinen Brief schreiben.
Ich kann nur  „Danke“ sagen und derjenige, dem ich es sagen möchte,
kann es noch nicht einmal hören.

Aber es ist trotzdem kein Dank ins Leere. Der Dank gilt ihm, seiner Familie und all den anderen Organspendern und Familien, die sich zu Lebzeiten bewusst mit einem schwierigen Thema auseinander gesetzt haben und die sich – und das ist mein großes Glück und das Glück vieler anderer Organempfänger – entschieden haben, auch in ihren schwersten Stunden selbstlos an andere Menschen zu denken.  Diese Familien und Spender haben anderen Menschen die Chance auf ein Weiterleben gegeben.

Schmerz und Trauer kann ich den Spenderfamilien nicht nehmen, aber ich habe die Hoffnung, dass die Familie und die Angehörigen meines Spenders ihren Frieden gefunden haben und dass sie auch heute, nach einer wirklich langen Zeit, ihre Entscheidung von damals nicht bereuen.  Sehr viele Transplantierte führen ein lebenswertes und erfülltes Leben – ich hoffe, dass die Angehörigen meines Spenders dies wissen und auch das ein kleiner Trost für sie ist.

Danke.

(Ein dankbarer Organempfänger, 15 Jahre transplantiert.)

 
 
 
 

Initiativen/Selbsthilfegruppen

Das UKM ist vernetzt mit Initiativen wie beispielsweise NoPanicForOrganic und Transdia mit dem Ziel über die Organspende aufzuklären, als auch die Chancen der Organtransplantation als gesellschaftliche Aufgabe in der Öffentlichkeit darzustellen. Betroffene und Interessierte finden hier Ratschläge und Informationen. Das Transplantationszentrum vermittelt Ihnen gerne einen Kontakt zu Selbsthilfegruppen. DIe Selbsthilfegruppen sind sowohl organspezifisch als auch übergreifend organisiert.

Dankesschreiben

Wer sich als Transplantierter für das Geschenk der Organspende bedanken möchte, kann dies gerne tun. Die gesetzlichen Regelungen in Deutschland sehen nicht vor, die Identität des Spenders zu erfahren. So kann ein Dankesbrief nur anonym weitergeleitet werden. Die DSO sorgt für die Weiterleitung an die Familie des Spenders und gibt Hilfestellung für die Verfassung eines anonymen Dankschreibens.