Department für Herz- und Thoraxchirurgie

Aortenklappe

Wo befindet sich die Aortenklappe und was ist ihre Funktion?

Die Aortenklappe verbindet die linke Herzkammer (linker Ventrikel) mit der Körperschlagader (Aorta) - sie befindet sich also im Hochdrucksystem des Blutkreislaufes und ist einer hohen mechanischen Belastung ausgesetzt.

Die Aortenklappe setzt sich aus dem sog. Klappenring (Klappenanulus) und den drei Klappentaschen zusammen. Während der Klappenring aus relativ festem Bindegewebe besteht, sind die Klappentaschen zart und elastisch. Das Herz schlägt täglich etwa 100.000- bis 120.000-mal und somit muss die Aortenklappe auch genau so oft öffnen und schließen.

Wie häufig werden Operationen an der Aortenklappe durchgeführt?

Jährlich werden in Deutschland über 25.000 Operationen an Herzklappen durchgeführt; davon mehr als 12.000 Eingriffe an der Aortenklappe. In unserer Klinik führen wir pro Jahr etwa 200 Operationen an der Aortenklappe durch.

Welche Formen der Aortenklappenerkrankung gibt es und was sind die Folgen?

Die meisten Aortenklappenerkrankungen sind erworben und nur ein geringer Anteil ist angeboren. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Verengungen (Stenosen) und Undichtigkeiten (Insuffizienzen) der Aortenklappe. Eine Klappenverengung entsteht meist mit zunehmendem Alter durch Verkalkung der Klappensegel im Sinn eines Verschleißes. Eine Undichtigkeit der Herzklappe kann beispielsweise durch eine Bindegewebsschwäche entstehen: Durch eine Erweiterung des Klappenringes weichen die Klappentaschen auseinander und können nicht mehr vollständig schließen. Auch entzündliche Prozesse (Endokarditis = Herzinnenhautentzündung) können durch Gewebezerstörungen zu Undichtigkeiten führen.

Letztendlich führen beide Erkrankungsformen zu einer strukturellen Schädigung des Herzmuskels.

Eine verengte Herzklappe führt durch den erhöhten Pumpwiderstand zu einer Verdickung (Hypertrophie) des Herzmuskels. Durch die Undichtigkeit der Klappe (= fehlende Ventilfunktion) strömt das Blut wieder in die linke Hauptkammer zurück und führt zu einer Vergrößerung und Ausdünnung des Herzmuskels (Dilatation).

Die verminderte Herzleistung führt anfangs zu Beschwerden wie z.B. Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen, die zunächst noch medikamentös behandelt und verbessert werden können. Im Laufe der Zeit kommt es jedoch zu einer Verschlimmerung der Beschwerden wie Luftnot, Herzrhythmusstörungen, Angina pectoris, reduzierter körperlicher Belastbarkeit, Ohnmachtsanfällen und auch das Risiko für einen plötzlichen Herztod steigt ab einem gewissen Zeitpunkt stark an, so dass eine operative Versorgung dringend anzuraten ist. 

Wie risikoreich ist eine Operation und wie wird sie durchgeführt?

Herzklappenoperationen gehören heutzutage zu den herzchirurgischen Routineeingriffen. Der konventionelle operative Ersatz der Aortenklappe ist nach wie vor die sicherste und beste Behandlungsmethode. Die Operation erfolgt unter Vollnarkose und Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Prinzipiell kann die Operation über eine vollständige oder Teil-Eröffnung des Brustbeins (volle oder partielle Sternotomie) erfolgen. In unserer Klinik werden Eingriffe an den Herzklappen routinemäßig minimal-invasiv über einen „Mini-Schnitt“ (ca. 10cm) im Bereich des oberen Anteils des Brustbeines durchgeführt. Dies hat nicht nur den kosmetischen Vorteil einer kleinen Wunde, sondern bringt im Verlauf nach der Operation verschiedene Vorteile wie z.B. geringere Schmerzen, ein geringeres Risiko für Wundheilungsstörungen und Instabilitäten des Brustbeins sowie einen - im Vergleich zur Operation über eine vollständige Eröffnung des Brustbeines - meist verkürzten Krankenhausaufenthalt mit sich.

Nach Narkoseeinleitung und Eröffnung des Brustkorbes wird das Herz an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Danach wird eine Klemme auf die Hauptschlagader gesetzt und das Herz durch eine sog. plegische Lösung für einige Minuten still gelegt (Abb. 1). Über einen kleinen Schnitt wird die Hauptschlagader knapp oberhalb der Aortenklappe und des Ursprunges der Herzkranzarterien eröffnet. Die kranke Herzklappe wird entfernt und der Klappenring ggf. entkalkt. Mit einer Kunststoff-Schablone wird nun geprüft, welche Klappenprothesengröße für den Patienten die richtige ist. Danach werden etwa 12 Nähte im Bereich des Klappenrings verankert die mit kleinen Filzen unterstützt sind um ein Durchschneiden der Fäden durch das Gewebe zu verhindern. Die Herzklappenprothese wird mit diesen Nähten eingeknüpft (Abb. 2).

Abb. 1: Zugang zur Aortenklappe durch eine Mini-Sternotomie: 1: arterielle Kanüle der Herz-Lungenmaschine; 2: Klemme auf der Hauptschlagader; 3: venöse Kanüle der Herz-Lungenmaschine im rechten Vorhof; 4: Schlauch zur Gabe der kardioplegischen Lösung, 5: Vent zum Absaugen des Blutes aus dem Herzen.
Abb. 2: Ersatz der Aortenklappe durch eine biologische Prothese

Nach Verschluss der Hauptschlagader und Öffnen der Aortenklemme fängt das Herz wieder an zu schlagen und wird nun von der Herz-Lungen-Maschine entwöhnt. Der Sitz und die Funktion der Herzklappenprothese werden durch eine Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre geprüft. Es werden Drainagen (=Wundschläuche) in den Herzbeutel eingelegt, die für die ersten Tage nach der Operation Blut und Wundflüssigkeit ausleiten und dann entfernt werden. In einigen Fällen kann es durch die Operation zu Herzrhythmusstörungen kommen, weil sehr nah im Bereich der Impulsübertragung von der Vor- auf die Hauptkammer gearbeitet wird. Diese Störungen halten meist nur für einige Stunden bis Tage an (z.B. durch eine geringfügige Gewebeschwellung); in seltenen Fällen treten jedoch dauerhafte Rhythmusstörungen im Sinne einer zu niedrigen Herzfrequenz auf. Deswegen wird grundsätzlich jeder Patient während einer Herzklappenoperation zunächst mit einem Herzschrittmacherdraht versorgt, der sehr dünn ist und direkt auf das Herz genäht wird. Bei einem zu niedrigen Puls kann man über diesen Draht für einige Zeit einen Herzschrittmacher anschließen und das Herz so von außen unterstützen. Schlägt das Herz schnell genug, verbleibt der Schrittmacherdraht nur wenige Tage und kann dann einfach gezogen werden kann. Bei dauerhaften Rhythmusstörungen ist die Implantation eines dauerhaften Schrittmachers in örtlicher Betäubung notwendig.

Wann ist der richtige Operationszeitpunkt und was ist die richtige Klappenprothese für mich?

Bezüglich des operativen Risikos ist es unter anderem sehr wichtig, den richtigen Operationszeitpunkt zu wählen. Solange der Herzmuskel noch nicht stärker belastet und in seiner Funktion geschädigt ist, ist das Risiko für eine Operation heute sehr gering.

Kathetergestützte Verfahren (TAVI) sollten aufgrund ihres erhöhten Risikos Patienten vorbehalten sein, die aufgrund ihrer Nebenerkrankungen und ihres Allgemeinzustandes nicht mit einer konventionellen Operation versorgt werden können. Immer entscheidet ein aus Experten zusammengesetztes interdisziplinäres Team, welches Verfahren bei Ihnen zur Anwendung kommen sollte. Zum operativen Ersatz der Aortenklappe stehen künstliche (=mechanische) und biologischen Herzklappenprothesen zur Verfügung.

Mechanische Prothesen:Material: Carbon 
Vorteil: lebenslange Haltbarkeit, 
Nachteil: Notwendigkeit der dauerhaften Blutverdünnung (z.B. mit Marcumar)
Empfehlung bei Patienten etwa bis zum 65. Lebensjahr
 
Biologische Prothesen: Material: vom Rind oder Schwein
Vorteil: keine dauerhafte Blutverdünnung nötig,
Nachteil: begrenzte Haltbarkeit 15-18 Jahre
Empfehlung bei Patienten etwa ab dem 65. Lebensjahr
Aortenklappenrekonstruktion (z.B. OP nach Tirone David):Wiederherstellung der patienteneigenen Herzklappe bzw. der Schlussfläche 
Vorteil: keine Verwendung von Fremdmaterial, sehr gute Langzeithaltbarkeit
Nachteil: nicht bei Klappenverkalkungen /-verengungen möglich
Empfehlung bei jüngeren Patienten

Wie kann sich eine Aortenklappenoperation auf meine Lebensqualität und Lebenserwartung auswirken?

Nach erfolgter Operation kommt es bei fast allen Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit und der Lebensqualität. Eine vorbestehende Einschränkung der Herzfunktion verbessert sich im postoperativen Verlauf und kann sich sogar vollständig zurückbilden. Patienten haben nach in diesem Fall die gleiche Lebenserwartung wie gesunde Menschen.

 
 
 
 

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