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Pressemeldungen Archiv 2015

Lebertumore mit radioaktiv markierten Kunstharzkügelchen gezielt bekämpfen

Bei modernen Verfahren wie der Selektiven Internen Radiotherapie ist die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Fachbereiche besonders wichtig, wissen Radiologe Dr. Michael Köhler (l.) und Nuklearmediziner Dr. Kambiz Rahbar.
Nuklearmediziner und Radiologen des UKM nutzen bei der Therapie von Lebertumoren ein spezielles Verfahren: die „Selektive Interne Ra-diotherapie“ (SIRT). Sie ist wirksam und schonend zugleich.
ukm/lie
Etwa 480.000 Tumorerkrankungen werden bundesweit jedes Jahr neu diagnostiziert. Bei einigen Betroffenen entwickeln sich im Laufe der Erkrankung auch Lebermetastasen. Um diese zu behandeln, machen sich am UKM (Universitätsklinikum Münster) Radiologen in enger Kooperation mit Nuklearmedizinern ein modernes bildgesteuertes Behandlungsverfahren zunutze: die sogenannte „Selektive Interne Radiotherapie“ (SIRT). Anders als eine Chemotherapie wird diese Therapie lokal, direkt in der Leber angewendet. Dazu platzieren die Ärzte über einen dünnen Katheter, der durch die Leistenarterie in die Leberarterie geführt wird, Millionen winziger radioaktiv markierter Kunstharzkügelchen. „Vom Blutfluss werden die Kunstharzkügelchen zum erkrankten Gewebe transportiert, wo die Strahlung auf den Tumor trifft“, erklärt Dr. Kambiz Rahbar, Oberarzt der Klinik für Nuklearmedizin. Die Substanz strahlt etwa einen Zentimeter. „Das umlie-gende gesunde Lebergewebe wird somit weitestgehend geschont. Wir bekämpfen gezielt die Tumorzellen.“ Damit die Kügelchen ausschließlich in der Leber verbleiben, müssen in einer Voruntersuchung arterielle Gefäße, die den Magen und den Darm mit Blut versorgen, mittels Mikrospiralen verschlossen werden. Vor der eigentlichen Behandlung wird  immer ein Probelauf mit einer schwach radioaktiven Testsubstanz, die für den Patien-ten ungefährlich ist, durchgeführt. Viele Patienten profitieren von dem modernen Verfahren, jedoch ist die Be-handlung nicht für jeden geeignet. „Wie bei vielen Therapien muss die indivi-duelle Situation des Patienten, die Größe und Lage des Tumors sowie die  Leberfunktion bei der Planung zur Therapie unbedingt berücksichtigt werden“, erklärt Dr. Michael Köhler, Oberarzt in der Radiologie. In interdisziplinären Tumorkonferenzen entscheiden Experten der Radiologie, der Nuklearmedizin, der Gynäkologie, der Onkologie, der Chirurgie und der Transplantationsmedizin gemeinsam, ob ein Einsatz der SIRT sinnvoll ist. „Neben dem Fachwissen und dem Können der Spezialisten muss für ein derart komplexes Verfahren auch die nötige Technik vorhanden sein“, betont Rahbar und verweist darauf, dass die Klinik für Nuklearmedizin und das Institut für Klinische Radiologie des UKM als eines der ersten Zentren in der Region SIRT eingesetzt hat. Durch die Erfahrung der Ärzte gehört das Klinikum inzwischen zu einem der führenden Standorte in Deutschland. Einem Großteil der Patienten geht es nach SIRT besser – eine vollständige Heilung einer Krebserkrankung kann die Therapie, die sich gezielt gegen die Metastasen in der Leber richtet, allerdings nicht leisten. „Das oberste Ziel dieses Verfahrens ist es, eine Verlängerung der aktiven Lebenszeit zu erreichen – und das am besten ohne Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Behandlung“, sagt Köhler.
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