Klinik für Nuklearmedizin

PSMA-Therapie bei Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor des Mannes in Deutschland. Nach lokaler Therapie (Operation und / oder Bestrahlung) wird beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom oft eine ergänzende antihormonelle Therapie eingeleitet. Nach längerer Dauer der antihormonellen Therapie werden die Tumorzellen jedoch oft resistent gegenüber diesen Medikamenten, so dass bei weiterem Fortschreiten der Tumorerkrankung oft nur die Möglichkeit einer Chemotherapie besteht. Eine ergänzende, zielgerichtete Therapieoption bei Patienten mit Prostatakarzinom kann die PSMA-Therapie darstellen. PSMA (Prostataspezifisches Membranantigen) ist ein Eiweißkörper, der auf der Zelloberfläche von Prostatakarzinomzellen vermehrt vorhanden ist. Dies macht man sich in der nuklearmedizinischen Diagnostik und Therapie dieser Tumore zunutze, indem man an einen Stoff, der an PSMA bindet, ein radioaktives Nuklid ( 177Lu, ein ß-Strahler) koppelt. Bei der PSMA-Therapie kann so die radioaktive Strahlung (ß-Strahlung) ihre therapeutische Wirkung direkt an den Tumorzellen entfalten.

Bei der Lutetium-177-PSMA-Therapie handelt es sich um ein palliatives Verfahren bei fortgeschrittenem, metastasiertem Prostakarzinom. Die Therapie kann nach Ausschöpfung der zugelassenen leitlinienkonformen Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen eines individuellen Heilversuches angewendet werden. Die Entscheidung für eine Lutetium-177-PSMA-Therapie wird nach Vorlage aller relevanten Unterlagen in der interdisziplinären Tumorkonferenz getroffen. Weitergehende Informationen zur Indikationsstellung finden Sie in der Konsenserklärung zur Lutetium-177-PSMA-Therapie.

Terminvereinbarung und Ansprechpartner

Ein Termin für eine PSMA-Therapie kann nach vorheriger Zusendung des entsprechenden Anforderungsformulares telefonisch unter 0251/ 83-47362 vereinbart werden.

Vorbereitung auf die Therapie

In Vorbereitung auf die Therapie sollte eine PSMA-Szintigraphie oder PSMA-PET-CT durchgeführt werden, um abschätzen zu können, ob eine PSMA-Therapie sinnvoll und erfolgversprechend ist. Darüber hinaus sollte im Vorfeld eine Skelettszintigraphie erfolgen. Auch weitere Befunde beziehungsweise Bilder von Voruntersuchungen, wie diagnostische Computertomographie (CT) oder Cholin-PET-CT sind hilfreich, um die Indikation zu einer PSMA-Therapie zu stellen.

Ablauf der Therapie

Im Vorfeld der Therapie sollte eine Nierenszintigraphie zur Beurteilung der Nierenfunktion sowie der Abflussverhältnisse durchgeführt werden. Am Tag der Therapie erfolgt im Anschluss an ein Gespräch mit der Stationsärztin oder dem Stationsarzt die PSMA-Therapie.

Für die intravenöse Therapie ist es erforderlich eine Venenverweilkanüle zu legen, über die dem Patienten zunächst Blut abgenommen wird, um die aktuellen Laborparameter zu bestimmen. Zudem wird etwa eine halbe Stunde vor Therapie begonnen, die Ohrspeicheldrüse über mehrere Stunden zu kühlen, um die Anreicherung des Arzneimittels in der Speicheldrüse und somit eine Schädigung derselben zu minimieren. Vor der Therapie erhält der Patient zum Schutz der Nieren eine Flüssigkeitsinfusion und wird gebeten ausreichend zu trinken. Das radioaktive Arzneimittel wird dann langsam über die Venenverweilkanüle injiziert.

Im Laufe des stationären Aufenthalts wird die Dosisleistung gemessen und die erforderlichen Blutentnahmen werden durchgeführt. Am Tag der Entlassung erfolgt eine erneute Ganzkörperszintigraphie, in der die Verteilung des PSMA sichtbar gemacht wird. (In Abhängigkeit von dem verwendeten Nuklid erfolgt ggf. auch schon bereits nach 24 und 48 Stunden eine Szintigraphie). Sobald die radioaktive Strahlung, die vom Körper des Patienten ausgeht, unterhalb eines gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes liegt kann der Patient entlassen werden. Die Dauer des stationären Aufenthalts beträgt in der Regel etwa 48 Stunden. Eine abschließende Szintigraphie erfolgt etwa 7 bis 10 Tage nach der Therapie.

Mögliche Risiken und Komplikationen

Insgesamt wird die Therapie gut vertragen. Gelegentlich kommt es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen (medikamentös behandelbar), Geschmacksstörungen und Mundtrockenheit (teilweise passager) sowie Abgeschlagenheit. PSMA wird sowohl über die Nieren als auch über die Leber und Gallenblase ausgeschieden. Daher muss auf eine ausreichende Darmaktivität geachtet und diese ggf. stimuliert werden. Gleichzeitig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr erforderlich. Die Leber- und Nierenwerte werden nach der Therapie weiter kontrolliert. Weitere Risikoorgane sind die Speicheldrüsen und die Tränendrüsen, in denen PSMA gebunden wird. Um Schäden an den Speicheldrüsen zu minimieren, werden diese über einen längeren Zeitraum gekühlt. Hierdurch wird die Gefahr einer dauerhaften Schädigung mit Funktionsverlust (Mundtrockenheit) minimiert. Zudem kann es zu vorübergehenden Veränderungen des Blutbildes kommen.

Weiteres Vorgehen

In der Regel kann der Patient etwa 48 Stunden nach der PSMA-Therapie aus unserer Klinik entlassen werden. Etwa eine Woche nach der Entlassung (Tag 7 bis 10 nach Therapie) erfolgt eine abschließende Szintigraphie in unserer Klinik. Die zuweisende Ärztin oder der zuweisende Arzt erhält einen ausführlichen Arztbrief über die durchgeführte Therapie und über die erforderlichen Kontrollen der Laborparameter in den folgenden Wochen. Meist sind über einen Zeitraum von etwa 10 Wochen alle zwei Wochen Laborkontrollen erforderlich. PSA-Kontrollen sollten 4 und 8 Wochen nach Therapie erfolgen. In Abhängigkeit der Untersuchungsergebnisse sowie des Allgemeinbefindens werden in der Regel drei Zyklen der PSMA-Therapie durchgeführt.

 
 
 
 

Kontakt

Klinik für Nuklearmedizin

Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude A1
(ehem.: Albert-Schweitzer-Straße 33)
48149 Münster 

Tel.: 0251 - 83 47362

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