Adaptive Healing Rooms

Die Intensivtherapie stellt uns stets vor eine besondere Herausforderung: Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen müssen 24 Stunden täglich versorgt werden. Doch die medizinischen Geräte, deren Alarm- und Hinweistöne und die fortwährende Aktivität des Personals sind wiederum eine ständige Geräuschkulisse, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die Folge: Die fehlende Orientierung über Tageszeit und Ort trägt dazu bei, dass etwa 20 Prozent aller Patienten auf Intensivstationen ein Delir entwickeln, bei den über 65-Jährigen ist es sogar fast die Hälfte. Besonders hoch ist das Risiko bei Patienten nach herzchirurgischen Operationen. Zwar verschwinden die Symptome oft schnell, jedoch haben Patienten, die ein solches Delir erleiden, generell eine schlechtere Aussicht auf Heilung und häufiger Komplikationen.

Spezielles Licht und vertraute Bilder unterstützen zeitliche und räumliche Orientierung

Das Konzept im „Adaptive Healing Room“ basiert auf zwei verschiedenen Komponenten: Das intelligente Alarmsystem verhindert eine überflüssige Geräuschbelastung von Patienten, aber auch Angehörigen und Personal und trägt gleichzeitig zur Patientensicherheit bei,  da unnötige Hinweistöne gefiltert werden und die Aufmerksamkeit auf relevante Alarme gelenkt wird. Darüber hinaus sorgen Veränderungen der Raumstruktur und -gestaltung dafür, dass Ruhephasen und damit Erholung möglich werden und ein Tag-Nacht-Rhythmus möglichst beibehalten wird. Durch Licht einer bestimmten Wellenlänge wird zum Beispiel Sonnenlicht simuliert, sodass im Körper Botenstoffe freigesetzt werden. Diese wiederum können positiv für den Heilungsverlauf sein. Durch eine Multimediainstallation im Patientenzimmer können zudem Bilder von vertrauten Landschaften, Aktivitäten oder der Familie – gut dosiert und der aktuellen Situation des Patienten angepasst – gezeigt werden. Solche Projektionen geben Orientierung über Zeit, Ort und Tagesplanung. Das vermittelt dem Patienten Sicherheit. Zudem wird durch all diese Maßnahmen die von Patienten und ihren Angehörigen auf Intensivstationen oft als bedrohlich empfundene Atmosphäre verbessert.
 
 
 
 
Univ.-Prof. Dr.med. A. Zarbock
Direktor der Klinik
Priv.-Doz. Dr. med. Antje Gottschalk
Leiterin der operativen Intensivtherapie
Priv.-Doz. Dr. med. Christian Ertmer
Stv. Leiter der operativen Intensivtherapie