Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie, Abteilung Andrologie

Männliche Kontrazeption

Bereits seit 1978 forschen wir klinisch an einer geeigneten Verhütungsmethode für den Mann. Weltweit verlassen sich mehr als ein Viertel der Kontrazeption anwendenden Paare auf männliche Methoden. Bisherige Verhütungsmittel für Männer erfüllen nur teilweise die Anforderungen an ein ideales Verhütungsmittel. So sind Koitus interruptus, Zeitwahlmethode und Kondome nicht ausreichend effektiv, und die operative Unterbrechung der Samenleiter ist nur bedingt reversibel. Die experimentellen Methoden konzentrieren sich auf die Beeinflussung der Keimzellentwicklung im Hoden und/oder Keimzellausreifung im Nebenhoden.

Aufgrund ihres potentiellen schnellen Wirkungseintritts erscheinen Substanzen, welche die Keimzellausreifung im Nebenhoden verhindern, als Monotherapie oder in Kombination mit Substanzen, welche die Keimzellentwicklung im Hoden verhindern, für die Kontrazeption relevant. Bisher wurden insbesondere Sulfasalazin- und Nitroimidazolderivate auf diese Wirkung hin untersucht. Bisher weisen jedoch alle untersuchten Derivate beider Substanzen unzumutbare toxische Nebenwirkungen auf, weswegen sich die experimentellen Arbeiten bisher ausschließlich auf präklinische Studien konzentrieren.

Der hormonelle Ansatz zur männlichen Kontrazeption ist von allen experimentellen Ansätzen derjenige, der den Anforderungen an die männliche Kontrazeption am nächsten kommt. Im Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie wurden und werden hierzu umfangreiche klinische Studien durchgeführt. Alle hormonellen Ansätze zur männlichen Kontrazeption basieren auf einer Unterdrückung der Hormone der Hirnanhangsdrüse und nachfolgenden Unterdrückung der Spermienbildung. Da auch die körpereigene Testosteronproduktion supprimiert wird, muss der daraus resultierende Androgenmangel durch Spritzen ausgeglichen werden. Dass eine reversible hormonelle Kontrazeption bei Männern grundsätzlich möglich ist, ist bereits in zwei Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei weltweit mehr als 600 Paaren nachgewiesen worden.

In den Studien der WHO wurde aber nur bei zwei Dritteln der Menschen weißer Hautfarbe, jedoch bei über 90 Prozent der Ostasiaten eine ausreichende Unterdrückung der Spermienproduktion erreicht. Um die Effektivität der Verhütungsmethode zu steigern und das Injektionsintervall zu verlängern, wird seit den siebziger Jahren versucht, Testosteron mit anderen Substanzen zu kombinieren. Erfolgreiche Studien wurden insbesondere mit der Kombination eines Testosteronpräparates und GnRH-Antagonisten und den Gestagenen Desogestrel und Norethisteron durchgeführt.

Mit o.g. Substanzen laufen zur Zeit am CeRA umfangreiche klinische Studien, in denen lediglich leichte Nebenwirkungen, wie ein verstärktes nächtliches Schwitzen, eine Verschiebung im Lipidstoffwechsel sowie eine passagere, leichte Akne beobachtet wurden. Mehr als 40 Jahre nach der erstmaligen Anwendung der Pille für die Frau ist nun durch die Kombination eines langwirksamen Testosteronesters mit einem potenten Gestagen offenbar die hormonale Kontrazeption für den Mann in greifbare Nähe gerückt. Trotz einer steigenden grundsätzlichen Akzeptanz der Methode wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis die klinische Prüfung der Hormonkombination abgeschlossen sein wird. Mit der Zulassung eines hormonellen Kontrazeptivums für Männer ist frühestens in etwa fünf Jahren zu rechnen.

 
 
 
 

Ansprechpartner

Spezielle Ansprechpartner zur Kontrazeption:

Prof. Dr. S. Kliesch
Chefärztin Andrologie
Fachärztin für Urologie und Andrologie
Fachärztin für medikamentöse Tumortherapie

Prof. Dr. M. Zitzmann
Oberarzt
Facharzt für innere Medizin, Endokrinologie und Andrologie

Literatur

Übersicht über den Entwicklungsstand der hormonellen männlichen Kontrazeption
PDF Nieschlag E., Deutsches Ärzteblatt 2005 (156 KB)