Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter


Nachdem die ADHS viele Jahre als Erkrankung des Kindes- und Jugendalters angesehen wurde, haben inzwischen zahlreiche klinische Studien zeigen können, dass bei einem Teil der in der Kindheit Betroffenen die Symptomatik im Erwachsenenalter bestehen bleibt. Zwar ändert sich die Symptomatik häufig im Bereich der motorischen Hyperaktivität, wesentliche andere Symptome, z.B. Impulsivität, Desorganisiertheit und Aufmerksamkeitsdefizite bleiben jedoch bestehen.

Viele der Betroffenen, bei denen die Diagnose im Kindesalter nicht gestellt wurde, berichten von typischen Problemen in der Schule und im familiären Umfeld, die den weiteren Lebensweg mitbestimmt haben. In der Regel haben sie als Erwachsene Strategien entwickelt, um ihren Alltag trotz aller Schwierigkeiten zu bewältigen. Dieser ist oft durch große Anstrengungen und Bemühungen um „Normalität und Ordnung“ gekennzeichnet, ca. die Hälfte aller Betroffenen hat bereits einmal eine depressive Episode erlitten. Selbstmedikationen mit z.B. Cannabis oder Alkohol sind ebenfalls nicht selten.

Die negativen Auswirkungen der Erkrankung auf die berufliche Entwicklung, aber auch auf das Privatleben im Erwachsenenalter, sind vielfach untersucht und belegt worden. Durch eine sorgfältige Diagnose und individuelle Behandlung ist es möglich, die Aufmerksamkeit, die Konzentration, die Psychomotorik und Impulsivität sowie die affektive Labilität zu verbessern. Auch konnten u.a. positive Effekte auf verschiedene Komorbiditäten, u.a. Angsterkrankungen, Depressionen oder auch Suchterkrankungen, nachgewiesen werden.

Die Diagnosenstellung erfolgt weiterhin klinisch, obwohl die neurobiologischen Grundlagen der Erkrankung inzwischen gut untersucht sind. So geht man aktuell von einer veränderten Neurotransmission von Dopamin und Noradrenalin primär im Bereich des Frontalhirns aus, durch die die Aufmerksamkeitssysteme, die exekutiven Funktionen, aber auch die emotionalen Regulationsnetzwerke beeinträchtigt werden. Ätiologisch spielen genetische und epigenetische Faktoren eine große Rolle, derzeit geht man von einer Erblichkeit von bis zu 90% aus.

Die beiden therapeutischen Säulen der Behandlung bestehen aus einer differenzierten Pharmakotherapie und einer störungsspezifischen Psychotherapie. Pharmakologisch sind Stimulantien, u.a. Methylphenidat, aber auch noradrenerge Antidepressiva Mittel der Wahl, deren Wirksamkeit gut belegt ist. Psychotherapeutisch wurden verschiedene Manuale aus den Grundlagen der Verhaltenstherapie und des Coachings entwickelt, die den Betroffenen sehr praxisnah helfen, ihren Alltag mit seinen zahlreichen organisatorischen und emotionalen Anforderungen zu bewältigen.

Wir bieten in unserer Spezialambulanz für ADHS eine differenzierte Diagnostik an, die in der Regel mehrere ambulante Termine mit einer neuropsychologischen Testung umfasst. Wichtig ist uns dabei die Diagnostik, ggf. auch Behandlung, von Komorbiditäten. Nach Diagnosestellung geben wir eine individuelle therapeutische Empfehlung, bei Patienten aus dem Münsterland kann ggf. auch eine Weiterbehandlung durch uns erfolgen.

 
 
 
 

Frau Prof. Dr. med. P. Ohrmann
Leitung

Mitarbeiter:
Benedikt Bradtke
Dr. Erhan Kavakbasi
Dr. Karen Silling

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