Notfallmedizin

Die notfallmedizinische Versorgung von Patienten nach schweren Unfällen oder plötzlicher Akuterkrankung ist ein Kernbereich der Anästhesiologie. Sie gehört mit zu den anspruchs- und verantwortungsvollsten Aufgaben, die ein Arzt oder eine Ärztin übernehmen kann. Mit meist nur unvollständiger Kenntnis der klinischen Vorgeschichte, müssen oft unter widrigen Bedingungen und Zeitdruck, lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden. Die Arbeit im Bereich der Notfallmedizin und des Rettungsdienstes erweitert das Berufsfeld des klinisch tätigen Anästhesisten erheblich. Zusätzlich zu der Versorgung von akuten internistischen und traumatologischen Notfällen aller Altersklassen - vom Neugeborenen bis zum Hochbetagten - sind Kenntnisse im Bereich der psychologischen Krisenintervention notwendig. Die Stärke seiner Ausbildung kann der anästhesiologische Notarzt vor allem bei der Überwachung und Stabilisierung akut hämodynamisch und respiratorisch instabiler Patienten sowie in Reanimationssituationen unter Beweis stellen.

Die Ärztinnen und Ärzte unserer Klinik sind für die Notfallmedizin im Universitätsklinikum Münster zuständig und stellen den größten Anteil der Notärzte für die Stadt Münster und den Landkreis Warendorf. Fast alle hier eingesetzten Ärzte und Ärztinnen unserer Klinik besitzen die Zusatzqualifikation Notfallmedizin und sind damit deutlich höher qualifiziert, als es das Gesetz erfordert.


Jeden Tag sind vier Assistenzärzte sowie zwei Fachärzte unserer Klinik als Notärzte auf den regionalen Autobahnabschnitten, in der Stadt Münster und im Landkreis Warendorf gefordert. Dazu gehören die Analyse der Situation, die Diagnose und Stabilisierung des oder der Patienten, die Klärung des Transportweges und die Abstimmung mit dem aufnehmenden Klinikum.

Diese Vollzeitstellen werden im sechs-monatlichen Wechsel von dem ärztlichen Personal unserer Klinik besetzt. Hierdurch vereint sich zum Wohle des Patienten ein hohes Maß an Fach- und Handlungskompetenz.


Mit mehr als 600 Schockraumaufnahmen jährlich, darunter mehr als 100 Schwerverletzte, ist das Traumazentrum des Universitätsklinikums Münster von überregionaler Bedeutung.
Zusammen mit der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKM ist unsere Klinik für die initiale Diagnostik und Versorgung von schwerstverletzten Patienten verantwortlich. Hat ein Patient multiple, also zeitgleich mehrere Verletzungen, von der mindestens eine oder die Summe lebensgefährlich sind, sprechen wir in der Medizin von einem Polytrauma. Diese Patienten werden am Ort des Geschehens von einem Notarzt erstversorgt und im Anschluss über den sog. Schockraum des UKM aufgenommen.

In dieser Phase hängen das Überleben und die Lebensqualität in besonderer Weise von einer schnellen und konsequenten Behandlung der lebensbedrohlichen Störungen von Atmung, Kreislauf und Blutgerinnung ab. Die Stabilisierung der Vitalfunktionen des Patienten hat hier absolute Priorität. Zusammen mit den Kollegen der operativen Fachabteilungen, der Radiologie und den Pflegekräften sind unsere Ärztinnen und Ärzte als verantwortliche Team Leader mit oft unvorhersehbaren und sehr anspruchsvollen Aufgaben unter hohem zeitlichen und emotionalen Druck konfrontiert.

Von unseren Mitarbeitern wird dabei nicht nur ein hohes Maß an medizinischer Expertise, sondern auch ein hoher Grad an Teamfähigkeit gefordert. Durch spezielle Kurse, Simulationen und Teamtrainings sowie strukturierte Nachbesprechungen werden diese besonderen Situationen regelmäßig trainiert.


Im Falle eines Großschadensereignisses oder Anschlages kann zur Versorgung einer plötzlich auftretenden großen Zahl von Verletzten im Universitätsklinikum eine Not-Ersatzstation (NES) eingerichtet werden.
Unter anästhesiologischer Leitung können hier innerhalb kürzester Zeit viele Verletzte von medizinischem Personal aller Fachabteilungen des Klinikums untersucht und erstversorgt werden.

Die Inbetriebnahme der Not-Ersatzstation wird regelmäßig geübt, so dass die Mitarbeiter unserer Klinik und des Universitätsklinikums Münster für diesen Fall eine bestmögliche Behandlung aller Patienten gewährleisten können. Die erste große Bewährungsprobe hatte die Station im Rahmen der tragischen Amoktat in Münster am 7. April 2018. Binnen kürzester Zeit konnte die Station mit alarmiertem Personal kompetent besetzt werden und Aufnahmebereitschaft melden.


Von den anästhesiologischen Intensivstationen aus wird auch der „Herzalarm-Dienst“ für das UKM betrieben. Bei lebensbedrohlichen Notfällen ist so innerhalb kürzester Zeit ein erfahrenes Intensiv-Team zur Stelle, um erweiterte lebensrettende Sofortmaßnahmen zu ergreifen.
Im Schnitt kommt dieses Team täglich zum Einsatz.