Neurochirurgie

Die Operation 
Ein operativer Eingriff am Gehirn ist noch mehr als andere Operationen mit großen Ängsten bei den Patienten und Familienangehörigen verbunden. Diese Ängste sind verständlich, denn es handelt sich beim Gehirn um ein außerordentlich sensibles Organ, das entstandene Schäden kaum reparieren kann.
Das Ziel der Operation
Die Indikation zur offenen Operation ist daher streng zu sehen und hängt vom Allgemeinzustand des Patienten („Karnofsky-Index“), dem Alter, den Begleiterkrankungen und vor allem der Lokalisation des Tumors ab. Das Ziel jeder Tumoroperation ist die möglichst vollständige Entfernung des erkrankten Gewebes. Das oberste Prinzip dabei bleibt aber, das umgebende gesunde  Gewebe nicht zu schädigen, um zusätzliche neurologische Ausfälle zu vermeiden, auch wenn hierfür ggf. Tumoranteile belassen werden müssen.
Präoperative Behandlung
In der Neuroonkologie ist die präoperative Behandlung vor dem eigentlichen diagnostischen oder therapeutischen Eingriff von besonderer Bedeutung. Zur Behandlung der häufig auftretenden Hirnschwellung („Hirnödem“) um den Tumor herum sowie zur Vorbeugung („Prophylaxe“) oder zur Reduktion des durch die operative Manipulation hervorgerufenen postoperativen Hirnödems ist die medikamentöse antiödematöse Behandlung mit Kortikosteroiden erforderlich. 
Welche Probleme sind mit der Operation verbunden?
Ein wichtiger Aspekt bei neurochirurgischen Operationen ist es, den Tumor zielgenau zu erreichen und den operativen Zugangsweg so klein wie nötig zu halten. Moderne bildgebende Verfahren und Computertechnik erlauben es mit Hilfe der so genannten „Neuronavigation“ den Weg von außen bis zu einem in der Tiefe des Gehirns liegenden Tumor exakt zu planen und somit das Risiko für Substanzdefekte, Blutungen und spätere neurologische Ausfallserscheinungen so gering wie möglich zu halten.    
Fluoreszenzgestützte Verfahren (ALA)
Da Hirntumore häufig sehr infiltrierend in das gesunde Hirngewebe einwachsen, und deshalb bei der Operation oft schwierig vom gesunden Gewebe zu unterscheiden sind, wird intraoperativ eine Substanz (5-ALA, 5-Aminolävulinsäure) eingesetzt, die sich spezifisch in Tumorzellen ansammelt und unter Fluoreszenzlicht sichtbar gemacht werden kann. Damit lassen sich die Tumorränder besser darstellen und sich der Tumor sicherer entfernen.
Wach-OP (eloquente Areale, motorische Areale)
In bestimmten Situationen wird Ihnen eine Tumoroperation unter Wachbedingungen angeboten (so genannte Wach-OP). Dies kann erforderlich sein, wenn der Tumor in bestimmte Areale (z.B. Sprachareal oder Bewegungsareal) einwächst. Diese Technik erlaubt es auch in diesen kritischen Regionen, eine Tumorreduktion vorzunehmen, und dabei das Risiko für anhaltende neurologische Defizite (z.B. eine Sprachstörung oder eine Halbseitenlähmung) möglichst gering zu halten. Zur Dokumentation des Ergebnisses der operativen Resektion, zur Bestimmung der Größe eines möglichen Resttumors sowie zum Nachweis möglicher postoperativer Frühkomplikationen wird innerhalb der ersten 48-72 Stunden noch der Operation eine so genannte „frühe postoperative MRT ohne und mit Kontrastmittel“ durchgeführt. Diese ist gleichzeitig auch der Ausgangsbefund für alle weiteren Verlaufs-MRT’s.