Medizinische Klinik A

Diagnostik und Therapie von Hämostasestörungen bei Erwachsenen

Störungen des Blutgerinnungssystems (Hämostase) können sich sowohl als Blutungsneigung (hämorrhagische Diathesen) als auch Thromboseneigung (thrombophile Diathesen) äußern. Das Spektrum der klinischen Symptomatik bei hämorrhagischen Diathesen reicht von Blutergüssen nach Bagatellverletzungen über verstärkte Menstruationsblutungen bei Frauen bis hin zu schweren, u.U. lebensbedrohlichen Blutungskomplikationen nach operativen Eingriffen. Durch moderne diagnostische Verfahren kann heutzutage bei einem Großteil der Patienten eine genaue Ursache der Blutungsneigung identifiziert und eine spezifische Behandlung begonnen werden. Dies ist insbesondere vor operativen Eingriffen wichtig, um das Risiko schwerer Blutungskomplikationen zu reduzieren.

Auf der anderen Seite können auch Störungen des Blutgerinnungssystems vorliegen, die zu einer Thromboseneigung (Verstopfung eines Blutgefäßes durch ein Gerinnsel) führen. Diese Thromboseneigungen können sich u.a. als oberflächliche Venenentzündungen (sog. Thrombophlebitis), tiefe Venenthrombosen der Beine und/ oder Lungenarterienembolien (Verschleppung des Blutgerinnsels in die Lunge) äußern. Während bis vor einigen Jahren nur knapp 10 % der Ursachen dieser Thromboembolien i.S. einer Gerinnungsstörung aufgeklärt werden konnten, finden wir heutzutage bei fast der Hälfte der Patienten eine Ursache im Gerinnungssystem. Auch Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Verschlüsse der großen Schlagadern (arterielle Embolien) können Ausdruck einer generellen Thromboseneigung sein. Darüber hinaus können Störungen im Gerinnungssystem die Ursache für Komplikationen in der Schwangerschaft wie Fehl- und Frühgeburten, kindlicher Wachstumsverzögerung, Gestose und Präeklampsie sein. Es sind allerdings nicht nur eine Vielzahl angeborener und erworbener thrombosefördernder Gerinnungsstörungen im Detail charakterisiert worden, sondern es ergeben sich auch Konsequenzen für die Behandlung, z.B. bezüglich der Art und Dauer einer Antikoagulation (Blutverdünnnung).

Auch bei einer familiären Belastung mit Thrombosen/Embolien wird eine Diagnostik im Hinblick auf eine Thromboseneigung empfohlen, da thrombophile Risikofaktoren in der Mehrheit autosomal dominant vererbt werden. Durch eine entsprechende medikamentöse vorbeugende Behandlung in Risikosituationen können heutzutage 2 von 3 Thrombosen verhindert werden.