Organvermittlung

In Deutschland warten derzeit etwa 12.000 schwer kranke Menschen auf ein Spenderorgan, nur etwa ein Drittel kann aber der Erfahrung nach mit einem passenden Organ versorgt werden. Um den steigenden Bedarf an Transplantaten zu decken, müsste die Zahl der Organspenden deutlich erhöht werden.

Eurotransplant differenziert nach Organen, Blutgruppenübereinstimmung und immunologischen Werten und ist an sogenannte Dringlichkeitsstufen, wie beispielsweise im Rahmen der Lebertransplantation gebunden. Diese Dringlichkeitsstufen basieren auf international erstellten, medizinisch fundierten Scores, die durch Beteiligung verschiedenster medizinischer Fachdisziplinen gestellt worden sind. Die Kriterien der Dringlichkeitseinstufung können sich ändern.

Wegen der großen Diskrepanz zwischen der Zahl der Kranken und der Zahl der gespendeten Organe müssen Wartelisten geführt werden. In den Transplantationszentren werden alle Patienten registriert, die ein Organ benötigen und transplantiert werden können.

Nicht alle Patienten, die ein neues Organ benötigen, können auf eine Warteliste aufgenommen werden. Ist das Risiko der Transplantation und ihrer Nachbehandlung zu hoch und sind die Erfolgsaussichten schlecht, so wird der Eingriff nicht in Betracht gezogen. Nach dem Transplantationsgesetz (§ 16) sind die Ärzte verpflichtet, Gründe für oder gegen die Aufnahme auf die Warteliste zu dokumentieren und dem Patienten mitzuteilen. Dies erfolgt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer.

Die Wartezeit muss bei Kindern unter 16 Jahren möglichst kurz gehalten werden. Organe von Spendern unter 46 kg sollen primär an Kindern vermittelt werden. Besondere Kriterien gelten für die Transplantation kombinierter Organe wie beispielsweise für die kombinierte Leber-, Nierentransplantation.

Der sogenannte MELD-Score steht für Model for Endstage Liver Disease und wurde erstmalig im Februar 2002 durch das United Network for Organ Sharing (UNOS) eingeführt, einer Schwestergesellschaft zu Eurotransplant in den USA. Dieser MELD-Score errechnet sich durch die drei objektiven Laborparameter INR-Wert, Bilirubin und Kreatinin im Serum:

Die berechneten Scores liegen zwischen sechs und 40, je höher der Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, binnen drei Monaten ohne Transplantation zu versterben. Mit diesem neuen Verfahren werden somit Patienten, die eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, auf der Leberwarteliste zu versterben, eher für eine Lebertransplantation zugeteilt.

Neben diesem berechneten MELD-Score gibt es einige Patienten, die nicht ausreichend in dieser Zuteilung berücksichtigt werden. Um auch diesen Patienten eine faire Chance anzubieten, rechtzeitig lebertransplantiert zu werden, wurden sogenannte Standardausnahmen eingeführt. Diese Ausnahmen für den MELD-Score sind in Deutschland das hepatozelluläre Karzinom, nicht metastatische Hepatoblastome, polyzystische Lebererkrankungen, primäre Hyperoxalurie Typ I, small for size syndrome nach Lebertransplantation, Mukoviszidose beziehungsweise zystische Fibrose, familiäre Amyloidpolyneuropathie, hepatopulmonales Syndrom, Harnstoffzyklusdefekte sowie das Cholangiozelluläre Karzinom.
Zusätzlich gibt es auch Situationen, die man gegebenenfalls auch mit Standardausnahmen (standard exception) nicht erfassen kann. Diese werden als sogenannte Nicht-Standardausnahmen (non-standard exclusions) definiert.

Weitere Informationen zum MELD-Score

Dieses Allokationsverfahren ist bedeutend komplexer und bedarf deshalb einer entsprechenden Expertise, den individuellen und aktuellen Gesundheitszustand der Patienten bezüglich des MELD-Scores abzubilden. Es birgt die Gefahr, dass Patienten zum Erreichen einer erhöhten Dringlichkeit z.B. von Seiten der Nierenfunktion als auch von Seiten der Gerinnungsunterstützung zukünftig weniger optimal therapiert werden könnten, auch wenn es vermutlich dann nur zeitweilig zum Erreichen eines höheren Scores wäre. Transplantationen bei Patienten mit MELD Scores bis ca. 30 mögen noch ausreichende Erfolge nach Lebertransplantation erwarten lassen, bei Leberzuteilungen durch ET bei noch höheren Scores jedoch könnte dieses eine gewisse Negativauswahl von Kandidaten für eine Lebertransplantation bedeuten. Das Verfahren wird einschließlich der Standard- und Nicht-Standardausnahmen engmaschig ausgewertet und im Bedarfsfall modifiziert werden. Patienten auf der Lebertransplantations-Warteliste können von ihrem jeweils betreuenden Transplantationszentrum Informationen zum MELD-Score erhalten.

 
 
 
 

Eurotransplant

Die Transplantationszentren geben die erforderlichen Patientendaten weiter an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) in Leyden, Niederlande. Dort werden für jedes Organ gemeinsame Wartelisten der ET-Mitgliedsländer Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien, Kroatien und Deutschland geführt. Die länderübergreifende Kooperation ermöglicht es, in dringenden Fällen möglichst rasch ein lebensrettendes Organ zu finden. Außerdem werden mehr immunologisch „passende“ Organe (Nieren) vermittelt und damit die Erfolgsaussicht erhöht. Die Vermittlung an deutsche Patienten erfolgt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer.


Weitere Informationen finden Sie unter www.eurotransplant.nl

Bundesärztekammer

In den Richtlinien der Bundesärztekammer sind für jedes Organ Gründe für die Ablehnung der Aufnahme auf die Warteliste aufgelistet. Wenn gleichzeitig die Indikation zur Durchführung einer zweiten Transplantation vorliegt, gelten die genannten Kontraindikationen nur eingeschränkt. Weitere Informationen finden Sie hier.

Richtlinien zur Organtransplantation

Die Richtlinien zur Organtransplantation gemäß §16 des Transplantationsgesetzes sind im Deutschen Ärzteblatt Heft 12 März 2011 nachzulesen.