Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

Problemfrakturen: Pseudarthrosen, Osteomyelitis, Knochendefekte


Im Normalfall lassen sich heute Knochenbrüche sehr gut behandeln. Doch trotz verbesserter Operationstechniken und modernster Implantate heilen nicht alle Knochenbrüche folgenlos und komplikationsfrei aus. Wir haben deshalb die Behandlung von langsam oder nicht heilenden Brüchen (Pseudarthrosen), Knochendefekten und Knocheninfektionen (Osteomyelitis) zu einem wesentlichen Schwerpunkt unserer Klinik gemacht.

Der verständliche Wunsch eines jeden Patienten ist es, ohne Funktionseinschränkung wieder gesund zu werden. Um die Funktionen (Länge, Achse, Rotation) von langen Röhrenknochen im Bereich des Ober- und Unterarms sowie des Oberschenkels und Unterschenkels wiederherzustellen, kommen bei uns modernste Verfahren zum Einsatz.

Schnellere Knochenheilung durch Wachstumsfaktoren

Neben der körpereigenen Transplantation von Knochen werden bei uns zur Stimulierung von Knochenheilung Wachstumsfaktoren* (BMPs) verwendet. Durch Anwendung dieser Proteine in Kombination mit den geeigneten Osteosynthese-Verfahren* können auch sehr komplexe knöcherne Heilungsverläufe erfolgreich zur Ausheilung gebracht werden.

Eine verzögerte oder ausbleibende Knochenheilung tritt in 5-10 % der Knochenbrüche auf. Therapie der Wahl ist häufig die operative Versorgung mittels Anfrischung des Knochenbruchspaltes, Anlagerung von körpereigenem Knochengewebe, welches über einen zusätzlichen Hautschnitt vom Beckenkamm gewonnen wird, sowie in Einzelfällen auch Einbringen von künstlichen Knochenwachstumsfaktoren. Neben einem stationären Krankenhausaufenthalt birgt eine Operation das Risiko von chirurgischen Komplikationen wie Infektion, Schmerzen, Blutergüsse und Wundheilungsstörungen.

Nicht operatives Verfahren zur Behandlung von Knochenbrüchen

Die hochenergetische, fokussierte extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist ein nicht operatives Verfahren zur Behandlung von Knochenbrüchen, die nicht heilen. Stoßwellen sind Druckwellen, die sich dreidimensional im Raum ausbreiten und auf verschiedene Weise erzeugt werden können. Das in unserer Klinik verwendete Gerät generiert elektrohydraulisch durch Funkenentladung eine Druckwelle die gebündelt in den Knochenbruchspalt weitergeleitet wird.

Die in der Regel ambulante Behandlung dauert 20-30 Minuten und wird aufgrund der hohen applizierten Energie und der damit verbundenen Schmerzhaftigkeit in Narkose durchgeführt (Vollnarkose oder regionale Anästhesie). Die Stoßwellenapplikation ist in seltenen Fällen mit einer vorübergehenden, nicht schmerzhaften, sonnenbrandähnlichen Rötung der Haut oder kleinen punktförmigen Blutergüssen verbunden. Darüber hinaus sind keine Nebenwirkungen bekannt. Unmittelbar nach der Therapie empfehlen wir die Schonung der behandelten Körperregion für 6 Wochen. Voraussetzung für die Anwendung der ESWT ist das Vorliegen eines Knochenbruchspaltes < 5mm und die achsgerechte Stellung der Knochenbruchenden. Eine Schwangerschaft, Gerinnungsstörung, bösartiges Tumorleiden oder eine Entzündung muss ausgeschlossen sein. Ebenso sollten kein Hirn-, Lungen- sowie Rückenmarksgewebe oder offene Knochenwachstumsfugen im Behandlungsfeld liegen. Eine mechanische Stabilität des Knochenbruchs muss gegeben sein. Mittels fokussierter, hochenergetischer extrakorporaler Stoßwellentherapie wird die Knochenbruchheilung stimuliert.

Unter Beachtung der richtigen Indikation ist mit einer Ausheilung des Knochenbruchs in 70-75% der Fälle zu rechnen. Ebenso kommt es häufig schon während der ersten Wochen zu einer deutlichen Abnahme der Schmerzsymptomatik.

Biologisch aktive Implantate
Individualisierte und patientengerechte Therapie

Durch offene Knochenbrüche, nach Behandlung von Tumoren oder Knocheninfektionen kommt es immer wieder zum Verlust von Knochen. Wir haben uns darauf spezialisiert, diese Defekte durch Knochentransport und Knochenverlängerung zu füllen, um so insbesondere an der unteren Extremität Beinlängen auszugleichen. Da diesen Operationen jedoch häufig mehrere Operationen vorangegangen sind, weisen sie ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko auf. Aus diesem Grund werden bei Revisionseingriffen zur Stabilisierung des Knochens Antibiotika beschichtete Implantate verwendet.

Diese neue Generation von biologisch aktiven Implantaten hat in präklinischer Anwendung deutliche Vorteile gegenüber unbeschichteten Implantaten gezeigt. Insbesondere bei Problemfrakturen konnte mit diesen Implantaten große Erfolge erzielt werden.

Zur Behandlung von Knocheninfektionen werden individuell auf den Patienten abgestimmte Therapiekonzepte entwickelt. Neben der systemischen Gabe von Antibiotika (z. B. durch Injektion) kommen auch modernste Systeme zur lokalen Applikation zur Anwendung.

Die Applikationsform ist davon abhängig - ob sie örtlich begrenzt (lokal) oder im Körper verteilt (systemisch) ist. Unsere Patienten profitieren hierbei von einem interdisziplinären Team aus Unfallchirurgen, Mikrobiologen und Pharmakologen, die eine individuelle Optimierung der operativen und medikamentösen Therapie vornehmen.

 
 
 
 

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