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Schonend und effektiv: Neue OP-Techniken bei fortgeschrittenem Darmkrebs

(UKM/Wibberg): Prof. Andreas Pascher (r.) und Prof. Emile Rijcken zeigen Jolanta Pietruschka in der Bildgebung die Lebermetastase, die nun ebenso wie der Tumor im Enddarm erfolgreich entfernt werden konnte.
Dank minimal-invasiver und roboterassistierter Verfahren verbessern sich die Heilungschancen deutlich – auch, wenn der Tumor schon gestreut hat.
ukm/lie

„Ich hätte nie gedacht, dass es mich trifft!“ Für Jolanta Pietruschka kam die Diagnose Darmkrebs völlig überraschend. Und die nächste Hiobsbotschaft folgte direkt: Der Tumor hatte bereits in die Leber gestreut. „Ich wusste, was das bedeutet. Ich hatte solche Angst“, erzählt die 48-Jährige. Mithilfe moderner OP-Techniken konnten jetzt während zweier Eingriffe im Viszeralonkologischen Zentrum des UKM (Universitätsklinikum Münster) sowohl die bösartigen Veränderungen im Enddarm, als auch die Lebermetastase erfolgreich und zugleich schonend entfernt werden.

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich mehr als 60.000 Menschen neu daran. Im Frühstadium ist heute bei 90 Prozent der Patienten eine Heilung möglich. „Häufig wird Darmkrebs aber erst spät erkannt, weil er keine Schmerzen und kaum andere Symptome verursacht“, erklärt Prof. Andreas Pascher, Direktor der Chirurgischen Klinik am UKM und Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums, in dem die Experten der unterschiedlichen Fachbereiche bei der Behandlung von Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes eng zusammenarbeiten. „Wenn sich bereits Metastasen gebildet haben, werden die Prognosen deutlich schlechter“, so Prof. Pascher.

Auch Jolanta Pietruschka spürte zunächst kaum etwas. Ende August vergangenen Jahres ging sie in ihrer Heimatstadt Hamm zu einem niedergelassenen Arzt, weil sie von Zeit zu Zeit unter Durchfällen litt. „Ich dachte, das käme vielleicht vom Stress“, erzählt die gebürtige Polin. Weder Schmerzen noch Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl wiesen auf die Schwere der Erkrankung hin. Als sie am 11. September dann nach einer Endoskopie und einer CT-Untersuchung die erschreckende Diagnose erhielt, schien ihr die Lage aussichtslos. Auch ihr Mann und ihr 23-jähriger Sohn waren geschockt.

Zur weiteren Therapie kam Pietruschka in das Viszeralonkologische Zentrum nach Münster. Hier erfuhr sie von den neuen Behandlungsmöglichkeiten. „Vor allem die minimal-invasive und die roboterassistierte Chirurgie sowie die Digitalisierung gewinnen zunehmend an Bedeutung“, erzählt Prof. Pascher. „Auch Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung, bei denen die Zahl der Metastasen aber noch begrenzt ist, haben so wieder eine echte Heilungschance“, betont der Chirurg und verweist damit auf die sogenannte Oligometastasierung (von griechisch oligo – wenig).

Gemeinsam mit seinen Kollegen besprach Prof. Pascher in der interdisziplinären Tumorkonferenz das weitere Vorgehen. „Mithilfe der minimal-invasiven Technik haben wir dann zunächst den Tumor aus dem Darm entfernt“, erzählt Prof. Emile Rijcken, Leiter des UKM Darmzentrums. „Die Vorteile der fortschrittlichen OP-Verfahren für die Patienten sind unter anderem geringer Blutverlust, möglichst großer Funktionserhalt, sehr kleine Narben und deutlich weniger postoperative Schmerzen“, so Prof. Rijcken weiter. Auch Pietruschka war schon wenige Tage später so fit, dass sie das Krankenhaus wieder verlassen durfte. Nach einer anschließenden Chemo- und Antikörpertherapie konnte nun auch die Metastase in der Leber durch Prof. Pascher und sein Team während eines zweiten, ebenfalls minimal-invasiven Eingriffes erfolgreich entfernt werden.

Jolanta Pietruschka ist erleichtert, auch wenn sie weiß, dass es zu früh ist, um von Heilung zu sprechen und noch Unsicherheit bleibt. „Allein, dass die Tumoren wieder weg sind, hat mir und meiner Familie neuen Mut und wieder Hoffnung gegeben.“

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