Bestandsaufnahme mündet in positives Gesamturteil: Münstersche Universitätsmedizin zufrieden mit Gutachten des Wissenschaftsrates

mfm/tb

 Zwei Zentimeter dick, knapp 300 Seiten lang: Mehrere Monate Arbeit stecken in dem „Selbstbericht“, den die münstersche Universität im Herbst 2018 beim Wissenschaftsrat (WR) eingereicht hat. Das von Bund und Ländern getragene Beratungsgremium war zuvor von der Landesregierung in Düsseldorf mit einem Gutachten beauftragt worden – nicht allein zum Standort Münster, sondern zur gesamten Universitätsmedizin in NRW. Nach einem aufwändigen Verfahren – zu dem auch ein zweitägiger Vor-Ort-Termin mit rund 20 Gutachtern gehörte – gingen jetzt 141 ortsbezogene Seiten an Münster zurück. Mit ihrem Part des WR-Berichtes, den in Gänze NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen heute [28.10.] der Öffentlichkeit vorstellte, sind die Verantwortlichen an Uni und Uniklinik Münster hoch zufrieden.

„Wir freuen uns über eine in der Summe sehr positive Bewertung“, fasst der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Münster, Prof. Sven Meuth, die WR-Bestandsaufnahme zusammen – der sich das NRW-Wissenschaftsministerium angeschlossen hat: Die münstersche Universitätsmedizin verfüge über „eine sehr gute, teilweise exzellente Forschung und eine innovative Lehre“ heißt es in dessen Pressemitteilung. „Das, was die externen Gutachter als Optimierungsmöglichkeiten benennen, sehen wir in fast allen Punkten identisch und arbeiten in vielen Bereichen auch schon daran“, so Meuth. Die gute Gesamtnote sei auch ein Verdienst der vorherigen Leitungen von Fakultät und Uniklinik, die die Begutachtung betreut und für darin positiv bewertete Faktoren die Weichen gestellt hätten.

Das WR-Urteil stützt sich nicht zuletzt auf die vier definierten Schwerpunkte innerhalb der Forschungslandschaft des Standortes. Beispielsweise heißt es über den Bereich „Vaskuläres System“ - also die Gefäßmedizin -, dieser gehöre „zu den Leuchttürmen der Forschung“, hier würden „auch international beachtete Forschungsleistungen erbracht“. Ähnlich äußern sich die Sachverständigen zum Forschungsschwerpunkt „Entzündung und Infektion“: Dieser sei „in Münster traditionell stark und hat internationale Sichtbarkeit erlangt“, was vor allem für die bakteriologische Arbeit in den Fächern wie Mikrobiologie, Infektionsbiologie und Hygiene gelte. Dem Schwerpunkt „Neurale Systeme“ wird aufgrund der dort entwickelten Strukturen eine Vorbildfunktion zuerkannt in Sachen Translation, einem zentralen Punkt sowohl aus WR-Sicht als auch in der Profilstrategie der Fakultät. Gemeint ist mit Translation eine möglichst effiziente und schnelle Übertragung neuer Forschungsergebnisse in die Krankenversorgung.

Das Renommee des Standortes spiegelt sich in der Drittelmitteleinwerbung wider: Im Mittel der letzten drei Jahre konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät rund 46 Mio. Euro für ihre Forschungsvorhaben akquirieren und lagen damit über dem NRW-Schnitt. Allerdings seien die Bewilligungen sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Fächer verteilt, weshalb die WR-Gutachter interne Hilfestellungen und Anreize für Antragstellungen auch in der Breite empfehlen. Ähnliche Einschätzungen haben die WR-Gutachter bei Qualitätssicherung durch Evaluationen, bei interner Forschungsförderung, bei Nachwuchsarbeit, Personalentwicklung und Frauenanteil: Die vorhandenen Strategien und Instrumente werden ausdrücklich gelobt, sollten nach Möglichkeit aber weiter ausgebaut werden.

Bestnoten konnte die Ausbildung der künftigen Ärztinnen und Ärzte einstreichen: „Die Lehre in der Humanmedizin wird insgesamt als sehr gut und in einzelnen Aspekten als exzellent bewertet“, lautet die WR-Einschätzung zu diesem Feld. Münster sei ein Beispiel, dass ein reformierter Regelstudiengang hervorragende Rahmenbedingungen für Studium und Lehre bieten könne. Hervorgehoben werden vor allem die - von vielen anderen Standorten adaptierten - Innovationen wie das Lernzentrum LIMETTE und das bekannte Studienhospital, aber auch die Interdisziplinarität der Lerninhalte und die zeitgemäßen Lehrformen. Von der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Studiums zeugten „neben den motivierten Studierenden auch die zahlreichen Spitzenergebnisse der M1- und M2-Prüfungen“, womit das Abschneiden bei den bundesweit einheitlichen Abschlusstests gemeint ist. Die Zahnmedizin braucht sich hinter den Kollegen nicht zu verstecken – im Gegenteil. Die Lehre in diesem Fach wird, auch wegen einer „hervorragenden Ausstattung“, als „sehr gut und deutschlandweit vorbildlich“ bezeichnet. Die Verbesserungsvorschläge beschränken sich daher auf eine noch stärkere Vernetzung der beiden Studiengänge.

Zustimmung finden bei den WR-Gutachtern auch die neuen Organisationsstrukturen, an denen die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Münster (UKM) derzeit arbeiten und die in das WR-Gutachten schon eingeflossen sind. „In gemeinsamen Zentren unterschiedlichen Zuschnitts wollen wir die jeweiligen Kernkompetenzen – Forschung und Lehre hier, Krankenversorgung dort - noch stärker mit miteinander verzahnen und so zugleich die Translation stärken“, kündigt Prof. Hugo Van Aken, der Ärztliche Direktor des UKM, an. Aufgebaut werden sollen im Zuge dieser Strukturveränderungen drei neue Organisationseinheiten: universitäre Forschungs- und Behandlungszentren (UFBZ) mit dem Fokus auf der internen Vernetzung, interdisziplinäre Kompetenzzentren (IKZ), die die Expertise zu einer bestimmten Erkrankung bündeln und sich starke Interdisziplinarität auszeichnen, sowie spezialisierten Organzentren (SOZ), die sich primär mit einem Organ und dessen Erkrankungen beschäftigen. „Im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen erwarten wir von dieser Umstrukturierung nicht nur eine Effizienzsteigerung, sondern auch direkte Vorteile für die Patienten“, so Van Aken. Erstes sichtbares Beispiel sei das neue Herzzentrum.

Vor großen Herausforderungen steht auch Van Akens Vorstandskollege Dr. Christoph Hoppenheit: „Die wirtschaftliche Situation des UKM muss dringend verbessert werden“ schreiben die Experten des Wissenschaftsrates – und bestätigen damit die Argumentation des Kaufmännischen Direktors in Richtung der Infrastruktur am Standort. Obgleich sich die münstersche Uniklinik mit ihren rund 1.400 Betten und zuletzt rund 500.000 stationären sowie ambulanten Fällen einer hohen Beliebtheit bei den Patienten erfreut, gibt es baulich erheblichen Nachholbedarf: „Etwa 90 % der Patientenzimmer des UKM befinden sich auf dem infrastrukturellen Stand von 1982 oder älter“, bringt das Gutachten diesen beispielsweise für den Bereich Krankenversorgung auf den Punkt. Andere wirtschaftliche und Wettbewerbsnachteile sind systemischen Gründen geschuldet; so kann eine Universitätsmedizin nicht auf ihre Hochschulambulanzen verzichten, die der WR – wenig überraschend - auch in Münster als „stark defizitär“ bewertet.

Immerhin: Für zwei Großvorhaben – das BBIM und das MedForCe – stehe in Kürze der Baubeginn an, so dass bezüglich der Forschung dringend benötigte Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen in Sicht seien. „Über die Förderzusagen für diese Projekte freuen wir uns sehr. Angesichts des immensen Sanierungsstaus, der nun auch von dem Gutachtern des Wissenschaftsrates bestätigt wird, ist es bis zu den angestrebten effizienten Strukturen allerdings noch ein weiter Weg. Für den brauchen wir einen Schulterschluss aller Beteiligten, einen langen Atem und auch die Unterstützung vom Land“, sagt Dr. Hoppenheit.

Die „Stellungnahme zur Weiterentwicklung der Universitätsmedizin Nordrhein-Westfalen“ sowie den Part zu Münster stellt der Wissenschaftsrat auf seiner Website als Download zur Verfügung.

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