Operation am offenen Herzen erstmals in Echtzeit im deutschen Fernsehen

Am Donnerstag, 7. November, wird um 20.15 Uhr auf Kabel Eins die dritte Folge der Doku-Serie „Die Klinik“ ausgestrahlt, die den Arbeitsalltag verschiedener UKM-Mitarbeiter vorstellt. Dabei kommt der Zuschauer natürlich auch mit Patientenschicksalen in Berührung. Eines davon ist die Geschichte von Günter Pillukat. Er braucht eine künstliche Herzklappe und wird in der dritten Folge vorgestellt. Im Anschluss daran wird er ab 22.15 Uhr am offenen Herzen operiert – in Echtzeit vom TV-Sender ausgestrahlt . Herzchirurg Univ.-Prof. Sven Martens, Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster), dazu, warum er sich zu diesem Projekt bereiterklärt hat.
ukm/aw


Herr Prof. Martens, was war Ihr erster Gedanke, als Kabel Eins mit der Idee einer Live-Herzoperation auf Sie zukam, die es so im deutschen Fernsehen noch nicht gab?
Die erste Überlegung war, ob wir das einem Patienten überhaupt zumuten können. Diese Frage habe ich dann auch mit meinem gesamten Team erörtert. Fragen wie „Ist das zumutbar? Kann man das mit einem Patienten machen?“, aber auch „Wie hoch ist der Aufwand und können wir das neben unserer täglichen klinischen Arbeit überhaupt leisten?“ haben wir offen diskutiert. Neben der bloßen Machbarkeitsprüfung stand aber vor allem die Frage nach dem Sinn im Mittelpunkt. Am Ende bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir auch eine gewisse Verantwortlichkeit sehen, einmal in sachlicher Form über den Ersatz einer Herzklappe zu berichten. Das Beispiel einer solchen Operation kann Patienten in einer vergleichbaren Situation vielleicht helfen, sich auf eine solche OP-Situation vorzubereiten. Und vielleicht wollte ich auch in gewisser Weise etwas zur Entmystifizierung beitragen. Patienten stellen uns im Vorfeld einer solchen OP immer sehr viele Fragen. Und die Öffentlichkeit hat eigentlich bisher wenig Gelegenheit, sich über eine solche Operation wirklich zu informieren. Diesem berechtigten Informationsbedarf wollten wir nachkommen. Deswegen fiel der Entschluss, den wir zusammen mit Kabel Eins getroffen haben: Allerdings eben als OP - aufgezeichnet und in Echtzeit ausgestrahlt, niemals als Live-OP.

Was war die Begründung dafür, es nicht live zu machen?
Noch vor etwa zwanzig Jahren waren Live-OPs gang und gäbe, wenn auf Kongressen neue Operationsverfahren vorgestellt wurden. Ich selbst habe auch schon solche Live-OPs im Rahmen von Tagungen durchgeführt und diese wurden dann vor Fachpublikum im Konferenzraum übertragen. Heute sind diese Formate auch im Rahmen von Kongressen nicht mehr akzeptiert. Stattdessen ist man dazu übergegangen, Operationen aufzuzeichnen und das Bildmaterial  als Zusammenschnitt zu zeigen, um den Ablauf zu dokumentieren.
Meine Überlegung war: Wenn es selbst von den Fachgesellschaften Bedenken gegen ein Live-Format sogar vor Experten gibt, sind meine Bedenken noch viel größer, das live an einem Patienten fürs Fernsehen durchzuführen. Ich hatte, so wie auch das gesamte Team hier, am Ende ethische Bedenken gegen ein Live-Format, weil das eine Belastung für den Patienten wäre ohne größeren didaktischen Wert.

Wenn Sie jetzt das fertige Ergebnis betrachten: Kann man sagen, dass der Zuschauer trotz des Zusammenschnitts quasi so dabei ist, als wäre er vor Ort?
Ja. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Operation die in „Beinahe-Echtzeit“ gezeigt wird, für die Öffentlichkeit einen Nutzen hat. „Beinahe-Echtzeit“ deshalb, weil natürlich kleinere Schnitte gesetzt wurden an den Stellen, wo eine Herz-OP naturgemäß nicht besonders interessant ist. Also zum Beispiel in Phasen, in denen Blut gestillt werden muss und noch kleinere Blutgefäße versorgt werden müssen. Solche Dinge haben für den Zuschauer wenig Informationsgehalt und deswegen ist es in meinen Augen auch berechtigt, so etwas zu kürzen. Das hat keinen Einfluss auf die Qualität der Information an sich.

Sind sie zufrieden mit dem Ergebnis und würden Sie sich nochmal dafür entscheiden?
Ich bin absolut zufrieden mit dem Ergebnis. Was ich an Material gesehen habe, ist gut verarbeitet, zusammengefasst und kommentiert. Ich glaube, dass es auch einen sehr realistischen Eindruck von einer Herz-Operation aus vielen Perspektiven vermittelt. Insgesamt finde ich, es ist ein sehr gelungenes und positives Format.

Wie geht es inzwischen dem Patienten Herrn Pillukat?
Herr Pillukat ist wohlauf. Er hat nach dem Krankenhausaufenthalt bei uns nochmal einen Aufenthalt in seinem Heimatkrankenhaus gehabt, ist aber inzwischen wieder zuhause und es geht ihm gut.

Sie selbst werden als ausführender Chirurg die Ausstrahlung im Zuschauer-Chat begleiten, also während der Sendung Zuschauer-Fragen beantworten. Welche Fragen, glauben Sie, werden gestellt werden?
Ich erwarte Fragen nach den Risikofaktoren für Herzerkrankungen, also etwa: Was kann man vorbeugend tun, um eine solche Operation zu vermeiden? Aber auch: Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten? Welche Lebensqualität hat man mit einer künstlichen Herzklappe? Ich kann mir da eine Vielzahl von Fragen vorstellen und die Zuschauer dürfen sie gerne stellen.

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