Qualität bis in die kleinste Keimzelle: 10 Jahre Ejakulatanalyse aus Münster

Foto (UKM/Wibberg): Univ.-Prof. em. Dr. med Dr. h.c. Eberhard Nieschlag und Barbara Hellenkemper überprüfen deutschlandweit die Qualitätsstandards von Laboren bei der Analyse von Spermiogrammen.
Dass in der Medizin Qualitätsstandards eingehalten und regelmäßig überprüft werden müssen, ist keine Frage. Doch noch bis 2011 gab es in einem bestimmten Bereich der Reproduktionsmedizin diese Standards nicht – nämlich bei der Untersuchung von männlichen Spermien im Ejakulat. Weil es aber für die Beurteilung der Frucht-barkeit entscheidend ist, ob und wie viele Spermien ein Mann hat, gründete Univ.-Prof. em. Eberhard Nieschlag zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Andrologie (DGA) am 1. November 2009 die QuaDeGA GmbH am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) am UKM (Universitätsklinikum Münster), die heute die Qualität von Laboren in diesem Punkt kontrolliert.
ukm/aw

Univ.-Prof. em. Dr. med. Dr. h.c. Eberhard Nieschlag ist der Herr über die Qualitätsstandards von Laboren, die sich auf die Untersuchung von Samenproben spezialisiert haben „Wir überprüfen im Auftrag der Bundesärztekammer zwei Mal jährlich in sogenannten Ringversuchen  deren Arbeit. Dazu stellen wir den Laboren Ejakulatproben zur Verfügung und schauen dann, wie genau die Labore die Spermiogramme bezüglich  der Anzahl der vorhandenen Samenzellen sowie  deren Beweglichkeit und Formen bestimmen“, sagt Nieschlag.

Nicht immer bestehen die Labore diesen Test – etwa zwanzig Prozent von ihnen fallen durch und müssen dann auf den zweiten Ringversuch im Jahr hoffen, um dann zu bestehen und ihre Leistungen weiter abrechnen zu können.

Auf Anregung von Nieschlag hat die Bundesärztekammer im Jahr 2011 die Qualitätskontrolle für die andrologische Labordiagnostik eingeführt. „Die Anzahl der Samenzellen,  deren Beweglichkeit und Formen sind für die Fortpflanzung entscheidend“, weiß Nieschlag. „Um diese drei Parameter genau zu bestimmen, braucht es standardisierte Techniken und eine Minimierung von Störfaktoren“, ergänzt die Medizinisch Technische Assistentin (MTA) Barbara Hellenkemper. Ihre Aufgabe besteht darin, die Spermiogramme der Ringproben auszuzählen: „Wobei ‚zählen‘ eher nicht wörtlich zu verstehen ist“, schmunzelt Hellenkemper, „denn es handelt sich ja in jeder Probe um Millionen Samenzellen.“ Stattdessen bestimmt  sie mit geschultem Auge die Anzahl der Spermien im Ejakulat unter dem Mikroskop anhand von kleinen Ausschnitten.
Die QuaDeGA GmbH betreut in ganz Deutschland etwa 700 Labore. „Dazu kommen noch Kunden vor allem in Österreich und der Schweiz aber auch bis hin nach Südafrika und China“, freut sich Nieschlag. Damit die QuaDeGA die Labore für die Ringproben überhaupt mit genügend Ejakulatproben beliefern kann, greift sie auf die Dienste von 12 bis 14 Männern im Alter zwischen 25 und 50 Jahren zurück. Auf diese Weise sammeln Nieschlag und Hellenkemper zwei Mal im Jahr rund 100 Ejakulatproben. „Auf diese Weise kommen 350 Milliliter Samen unterschiedlichster Qualität zusammen. Die Labore bekommen von uns jeweils zwei Proben von je einem halben Milliliter“, so Nieschlag.

Dass die verpflichtende Qualitätsanalyse ein absoluter Fortschritt für die Re-produktionsmedizin in Deutschland war, davon ist Nieschlag überzeugt: „Wir müssen den Männern treffsicher sagen können, ob sie fruchtbar sind oder ob es schwierig oder gar unmöglich sein könnte, Kinder zu zeugen. Auch für eine etwaige künstliche Befruchtung ist die Sicherung der Qualität unab-dingbar. Denn jeder Versuch, schwanger zu werden, stellt für Paare eine belastende Zeit dar, deswegen müssen sie sicher sein können, dass die Methoden, mit denen die Reproduktionsmedizin arbeitet, genau sind.“
 

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