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Reh springt in Radfahrer: Fünf Frakturen, ein gebrochener Helm, aber ein intakter Schädel

Foto: Roter Lebensretter: Malte Mühlencord (l.) zeigt Unfallchirurg Dr. Phi-lipp Michel seinen gebrochenen Fahrradhelm.
Auch wenn die Akzeptanz von Fahrradhelmen laut einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen steigt, tragen aktuell nur 22,8% der Radler einen Helm. Was er bewirkt und wie unerwartet es zu ei-nem schweren Sturz kommen kann, zeigt das Beispiel eines 44 Jahre alten Münsteraners.

Malte Mühlencord fühlte sich sicher am frühen Morgen von Christi Himmelfahrt. Kein Verkehr auf den Straßen, das Rad mit ausreichend Beleuchtung ausgestattet, der Helm saß wie immer fest am Kopf. Plötzlich ein Schrei von seinem vor ihm fahrenden Mannschaftskollegen – und dann war es schon geschehen. „Ein Reh sprang aus dem Straßengraben in mich rein und ich habe mich überschlagen“, erzählt der 44-Jährige, der mit knapp 30 km/h unterwegs war. „Den Aufprall am Kopf empfand ich als gar nicht so schlimm, es waren eher Schulter und Brustkorb, die schmerzten, und ich bekam keine Luft.“ Die Diagnose: laterale Schlüsselbeinfraktur, vier gebrochene Rippen und Pneumothorax, eine krank- bzw. fehlerhafte Luftansammlung im Brustkorb. Erst im Krankenhaus realisierte der Münsteraner, dass der Helm gebrochen war und damit seinen Kopf gerettet hatte.

Dr. Philipp Michel, Facharzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster), der Mühlencord operiert hat, spricht von großem Glück, dass der Patient einen Helm aufhatte: „Sonst wäre wahrscheinlich die Schädelkalotte gebrochen.“ Zwar seien die Schutzreflexe bei einem Sturz vom Fahrrad grundsätzlich vorhanden, jedoch könne man sich in den Bruchteilen von Sekunden nicht mit den Händen abfangen. „Man knallt ungebremst mit dem Kopf auf den Asphalt, was man an dem Helm von Herrn Mühlencord auch gut sehen kann“, so Michel.

Etwa 800 verunfallte Radfahrer sieht das Team des UKM um Klinikdirektor Prof. Dr. Michael J. Raschke pro Jahr, die Bandbreite reicht von Prellungen bis zu tödlichen Verletzungen. „Letztendlich reichen bereits niedrige Geschwindigkeiten für gefährliche Kopfverletzungen, beispielsweise, wenn man gegen eine Laterne fährt“, erklärt Unfallchirurg Michel. Neben Frakturen der Schädelkalotte gehören Verletzungen des Gehirns oder Hirnblutungen zu den schwerwiegenden Folgen. „Insofern ist der Helm schon ein essentieller Schutz, auch wenn man nur mit dem Fahrrad mal eben auf den Markt fährt“, appelliert Michel. Zwar steige die Akzeptanz – insbesondere die Quote der Helmträger bei Kindern und Rennradfahrern ist nach Beobachtungen der Unfallchirurgen positiv –, auf alle Radfahrer bezogen tragen laut einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen aktuell jedoch nur 22,8% der Radler einen Helm.

Für Malte Mühlencord, der seit über 15 Jahren Rennrad fährt, stellt sich diese Frage gar nicht. „Man denkt ja immer, man könnte gut Fahrradfahren, hätte alles unter Kontrolle und wäre immer aufmerksam. Aber mein Beispiel mit dem Reh zeigt, es kann halt immer was passieren und da war es wichtig, den Helm auf dem Kopf zu haben.“ Deshalb lautet sein Appell ganz klar: „Helm aufsetzen!“ Und auch wenn es noch drei Monate dauert, bis er nach seiner Operation wieder aufs Rad steigen kann: Einen neuen Helm hat er bereits vom Krankenbett aus bestellt.

ukm/maz
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