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Stadt Münster und UKM kooperieren bei digitaler Notfallversorgung im Rettungsdienst

Kooperation bei der digitalen Notfallversorgung im Rettungsdienst: Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, Prof. Dr. Dr. Hugo Van Aken, Gottfried Wingler-Scholz (Leiter Feuerwehr Münster)
Tele-Notärzte können am Einsatzort zugeschaltet werden / Feuerwehr testet schon jetzt telemedizinisches System / Ausweitung auf die Region ist geplant
stadt/ukm


Etwa 30 000 Notrufe gehen jedes Jahr beim Rettungsdienst der Stadt Münster ein. In ungefähr 6000 dieser Fälle kommt ein Notarzt dazu - immer dann, wenn die Lage des Patienten so bedrohlich ist, dass neben den Rettungssanitätern sofort ein Mediziner benötigt wird. Ist ein Notarzt nicht oder noch nicht vor Ort, kann er Rettern an der Einsatzstelle mittlerweile trotzdem beratend zur Seite stehen und bei Entscheidungen helfen.

Ein Tele-Notarzt-System macht das über Videotelefonie und die digitale Übertragung wichtiger medizinischer Daten möglich. Die Stadt Münster als Trägerin des Rettungsdienstes und das Universitätsklinikum Münster (UKM) wollen bei der Einrichtung einer solchen Tele-Notarzt-Zentrale eng kooperieren. Oberbürgermeister Markus Lewe und der Ärztliche Direktor des UKM, Prof. Dr. Hugo Van Aken, unterzeichneten am heutigen Mittwoch, 1. Juli, an der Feuerwache 1 eine entsprechende Absichtserklärung.

In dem gemeinsamen "Letter of Intent" betonen UKM und Stadt Münster, dass die Kooperation konzeptionelle, technische und personelle Ressourcen umfassen soll. Ziel sei es, aufbauend auf bereits bestehenden Strukturen im Laufe des Jahres 2021 ein wirtschaftliches Tele-Notarzt-System einzurichten. "Mit Unterzeichnung des ,Letter of Intent´ bekräftigt die Stadt ausdrücklich die Absicht, bei der Tele-Notfallmedizin eng mit dem Universitätsklinikum Münster zu kooperieren. Es ist gemeinsames Ziel der Kooperationspartner, die digitale Notfallversorgung in Münster und Umgebung weiter voranzutreiben, um diese Versorgung möglichst effektiv zu gestalten", sagte Oberbürgermeister Markus Lewe bei der Unterzeichnung.

Grundlage für das Ziel ist die Anfang 2020 vom Land Nordrhein-Westfalen getroffene Entscheidung, flächendeckend in NRW sogenannte Tele-Notarzt-Systeme zu schaffen. Die Stadt Münster hatte dem Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales schon kurz darauf bestätigt, ein Tele-Notarzt-System zu etablieren und dies künftig auch über die Stadtgrenzen hinaus in Kooperation mit weiteren Rettungsdienst-Trägern nutzbar zu machen.

Das UKM bringt seine Expertise in der Telemedizin ein und stellt darüber hinaus den Großteil der in Münster tätigen Notärzte. Es verfügt bereits über eine mehrjährige Erfahrung in Forschung und Praxis der Telemedizin - vor allem in den Bereichen der Intensivmedizin und Infektiologie. Zudem ist das Universitätsklinikum seit dessen Gründung im Notarztdienst der Stadt engagiert. "Das Tele-Notarzt-System bedeutet einen großen Qualitätssprung in der Notfall-Versorgung. Hier werden nur sehr erfahrene Notärzte eingesetzt, die überdies speziell geschult wurden in der Kommunikation aus der Entfernung", sagte Prof. Dr. Hugo Van Aken. 

Tele-Notärzte können per Datenverbindung Notfallsanitätern vor Ort helfen und diese beispielsweise bei der Analyse des EKG oder bei Medikamentendosierungen gezielt unterstützen. Für ihre Ferndiagnose können sie außerdem digitale Wissensdatenbanken nutzen. Bei akuter Lebensgefahr kommt zwar weiterhin ein Notarztwagen, aber in vielen anderen Fällen ist die physische Anwesenheit eines Notfall-Mediziners nicht zwingend notwendig. Dies zeigen auch Erfahrungen aus Aachen und anderen Regionen Deutschlands, in denen Tele-Notärzte bereits im Einsatz sind.

Schritte in diese Richtung macht die Feuerwehr Münster bereits seit Herbst 2017: Seit fast drei Jahren stehen sogenannte Koordinierende Notärzte tagsüber auf der Leitstelle am York-Ring für die telefonische Beratung von Notfallsanitätern bereit. Seit 2019 steht zu Testzwecken auch ein telemedizinisches System auf der Leitstelle zur Verfügung. Damit wird ärztliche Kompetenz an jedem Einsatzort verfügbar.

Stadt und Universitätsklinikum wollen nun zeitnah weitere Verhandlungen auf Basis der bisherigen Erfahrungen führen und entsprechende Verträge auf der Grundlage ihrer Absichtserklärung schließen.

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