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Rauf aufs Rad trotz Handicap

Fahrradfahren ermöglicht Kindern ein Stück Normalität: Dr. Matthias Marckhoff, Friederike Willeke (l.) und Maria Hübbers-Gonzalez (r.) sind das Team von ENTER SPORTS Cycling.
Das Fahrradprojekt „ENTER SPORTS Cycling“ ermöglicht Kindern und Jugendlichen mit physischen und psychischen Erkrankungen, das Radfahren wieder neu zu erlernen. Nach der Pilotphase an der Helen-Keller-Schule am UKM soll das Angebot auch für weitere Schülerinnen und Schüler im Regierungsbezirk Münster geöffnet werden.
ukm/maz

Radfahren ist kinderleicht, heißt es im Volksmund. Doch gilt das auch für Kinder mit Handicap? Und was ist mit Jugendlichen, die durch eine Erkrankung im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Tritt gekommen sind? Das neue Projekt „ENTER SPORTS Cycling“ an der Helen-Keller-Schule am UKM (Universitätsklinikum Münster) hat genau dieses Ziel: „Wir möchten Kindern und Jugendlichen möglichst schnell wieder aufs Fahrrad helfen oder ihnen ermöglichen, es gegebenenfalls sogar neu zu erlernen – ganz unabhängig von ihren Voraussetzungen, seien es Erkrankungen des Bewegungsapparates oder psychischer Art“, erklärt Dr. Matthias Marckhoff, der federführend für das „ENTER SPORTS“-Schulsportprojekt der Bezirksregierung Münster in Kooperation mit der Helen-Keller-Schule und dem UKM zuständig ist.

Das Konzept für den radelnden Wiedereinstieg, dessen Ursprünge im „Onko-Rad-Projekt“ von Prof. Dr. Joachim Boos liegen, das für Patienten der Kinderonkologie am UKM entwickelt wurde, ist mehrstufig: Grundlage ist eine umfangreiche Praxisberatung, in der Mediziner, Sportwissenschaftler, Lehrer, Psychologen und Physiotherapeuten zum einen die gesundheitlichen Voraussetzungen der Patienten überprüfen, um sicher Radfahren zu können, und zum anderen gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen überlegt wird, welche Ziele sie beim Radfahren haben. „Da kann es eher um Alltagsradfahren gehen, mit der Familie in die Stadt oder beim Spielen mit den Freunden, oder bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch um sportliche Ambitionen, also um die ausgiebige Rennradtour durch den Teutoburger Wald“, so Marckhoff. Im nächsten Schritt wird geschaut, welche technischen Möglichkeiten es gibt, ob das bisherige Rad genutzt werden kann, wo bedarf es gegebenenfalls Umbauten? „Und nicht zuletzt haben wir hier am UKM einen großen Pool an verschiedenen Fahrrädern, darunter auch Spezialräder wie Liegetrikes, sodass die Kinder und Jugendlichen direkt verschiedene Modelle ausprobieren können. Wir haben immer das Ziel, dass alle Patienten trotz ihrer Erkrankung schnell und zügig wieder Radfahren können – gerade hier in Münster, wo das Fahrradfahren einen besonderen Stellenwert hat“, sagt der Sportwissenschaftler.

Die Kosten des Projekts werden von der Bezirksregierung Münster als Träger der Schulen für Kranke getragen, unterstützt vom Verein „Horizont Kinderkrebshilfe Weseke“, der die Anschaffung zahlreicher bis zu 8.000 Euro teurer Spezialräder ermöglichte, und dem „Familienhaus am UKM e.V.“, der den Bau einer Fahrradgarage inklusive Werkstatt realisierte. Der Bau wurde mit 15.000 Euro maßgeblich durch die „Kinderkrebshilfe Münster“ mitfinanziert. Denn auch das ist Teil und Ziel von „ENTER SPORTS Cycling“, erklärt Dr. Matthias Marckhoff: „Im Rahmen des Unterrichts an der Helen-Keller-Schule können die Schülerinnen und Schüler während ihres Klinikaufenthaltes lernen, einfache Reparaturen und Einstellungen selbst an den Rädern vorzunehmen, um nicht bei jedem Plattfuß in die Werkstatt schieben zu müssen.“ Die Resonanz sei bisher sehr positiv, trotz der Einschränkungen durch die Corona Pandemie konnten laut Marckhoff am UKM bereits zahlreiche Beratungen durchgeführt werden. „Unser Ziel ist es deshalb, das Angebot nach der Pilotphase an der Helen-Keller-Schule in den nächsten Monaten auch für betroffene Schülerinnen und Schüler aus anderen Teilen des Regierungsbezirkes zu öffnen.“

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