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Präzise den Tumor zerstören

Dietrich Reckers, Dr. Michael Oertel und Prof. Dr. Hans Theodor Eich (v.l.) am neuen Präzisionsstrahlentherapie-Gerät der Klinik für Strahlentherapie am UKM.
Ein neues Gerät mit intensitätsmodulierter Technologie ermöglicht am UKM nun eine millimetergenaue Präzisionsstrahlentherapie, bei der keine benachbarten Organe mehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Davon profitiert auch Dietrich Reckers nach seiner Krebserkrankung. Außerdem dauert die Bestrahlung nur noch rund fünf statt 30 Minuten.
ukm/maz

Eine präzise, punktgenaue Bestrahlung, die das umliegende Gewebe schont – das ist für Mediziner wie Patienten die Idealvorstellung, um einen Tumor zu zerstören. Am UKM (Universitätsklinikum Münster) ist nun genau das mit einem Linearbeschleuniger der neuesten Generation möglich. „Diese Maschine ist unwahrscheinlich präzise, unwahrscheinlich schnell und kann eine hochmoderne Strahlentherapie für die allermeisten Tumore, beispielsweise der Prostata, des Gehirns, der Brust oder der Lunge, leisten“, sagt Prof. Dr. Hans Theodor Eich, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am UKM. „Behandlungen, die wir vor einigen Jahren noch in 30 bis 40 Minuten gemacht haben, dauern für die Patientinnen und Patienten jetzt noch lediglich fünf bis sieben Minuten.“ Bei der Installation wurde ein Gesamtkonzept mit dem Ziel verfolgt, den Patienten die Strahlentherapie angenehmer zu gestalten: Dazu gehören neben hell gestalteten Räumen auch neue Lagerungshilfen zur besseren und bequemeren Lagerung der Patienten.

Das Besondere des Geräts ist die Technik der Intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT), bei der die Strahlenquelle um den Patienten rotiert, während sich Feldform und -größe kontinuierlich verändern. Gesunde Organe und umliegendes Gewebe geraten damit nicht mehr in die Schusslinie und werden geschont – bei gleichzeitig höherer Dosis für den Tumor an sich. Das Gerät hat den Patienten bei der Therapie immer millimetergenau im Blick: Vor Beginn der Bestrahlung macht es jeweils eine Computertomographie, um die genaue Liegeposition des Patienten zu überprüfen, den betroffenen Bereich zu scannen und damit eine kontinuierliche Überwachung der Bestrahlung sicherzustellen. Insgesamt zehn Physiker sind in der Klinik tätig, um für jeden Patienten einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.

Für Dietrich Reckers waren das neue Gerät und die medizinische Expertise des Teams ausschlaggebend, dass er für seine 40 Bestrahlungseinheiten täglich mehr als 100 Kilometer Fahrtstrecke auf sich nimmt. Bei dem in Kamen wohnende Pensionär ist nach einer zurückliegenden ersten Krebserkrankung, bei dem ihm die Prostata operativ entfernt wurde, im Herbst ein Rezidiv in der sogenannten Prostata-Loge, also dem Bereich, in dem sich die Prostata vor der Operation befand, entdeckt worden. „Mittels der Intensitätsmodulierten Strahlentherapie können wir Blase und Enddarm, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Loge liegen, bestmöglich schonen und damit irreparable Nebenwirkungen wie eine Inkontinenz oder eine Wandschädigung oder Engstellung des Enddarms verhindern“, erklärt Oberarzt Dr. Michael Oertel. Aufgrund seiner Vorgeschichte hat Reckers sich ganz genau erkundigt, wo er sich therapieren lässt. „Ich habe durch die Operation schon einige Einschränkungen und hatte Angst, dass diese noch größer werden. Bei meiner Recherche bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich hier optimal aufgehoben bin“, erklärt der 69-Jährige, der jetzt im Februar seinen achtwöchigen Therapiezyklus beendet – übrigens ganz ohne Nebenwirkungen, auch wenn grundsätzlich akuter Durchfall für eine bestimmte Zeit auftreten könne, so Prof. Dr. Hans Theodor Eich.

Das UKM verfügt mit der Neuanschaffung über nun insgesamt fünf hochmoderne Bestrahlungsgeräte, eines davon ist in den seit 2013 ausgelagerten Praxisräumen direkt auf dem Gelände des St. Franziskus Hospitals verortet. „Neben den zusätzlichen technischen Möglichkeiten verschafft uns das neue Präzisionsstrahlengerät auch weitere Kapazitäten, da wir durch die verkürzte Behandlungsdauer mehr Patientinnen und Patienten pro Tag eine Therapie anbieten können“, sagt Eich beziehungsweise konkretisiert: „Wir haben in der Vergangenheit tatsächlich bis 22 Uhr bestrahlt, um allen Anfragen gerecht zu werden. Solch späte Therapiezeiten sollen nun sowohl für Patientienen und Patienten als auch für mein Team passee sein.“

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