05.07.18ukm/maz

Lebensretter Fahrradhelm

Eine Palette, die sich in einer Baustelle verselbstständigt hat, hätte Klaudia Ahlers fast das Leben gekostet. Mit schwersten Verletzungen wird sie ins UKM eingeliefert – und wirbt jetzt mit der Verkehrswacht Münster für das Tragen eines Fahrradhelms.

Christoph Becker (r.) demonstriert an einer Wassermelone, dass es bei dem Tragen ohne Helm zu schweren Verletzungen und einem Schädelbruch kommen kann. Prof. Dr. Michael Raschke zeigt die Bruchstelle von Klaudia Ahlers Fahrradhelm, der der 53-Jährigen vermutlich das Leben gerettet hat.

Weiß und blutverschmiert: So sieht Klaudia Ahlers Fahrradhelm auch drei Monate nach ihrem Unfall aus, der sie ohne Helm vermutlich das Leben gekostet hätte. Um 5.30 Uhr verunglückte die 53-Jährige in der Dunkelheit in einer Baustelle an der Hammer Straße, in der eine Palette auf dem Radweg lag. „Ab dann ist für mich alles wie im Nirwana“, erzählt die Verwaltungsangestellte. Erst im UKM (Universitätsklinikum Münster) kommt sie wieder zu Bewusstsein, wo sie anfangs in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie von Prof. Dr. Michael Raschke und im weiteren Verlauf in der Klinik für Neurochirurgie vom Team um Prof. Dr. Walter Stummer versorgt wird. Mittlerweile befindet sich Ahlers in der ambulanten Reha, nach wie vor ist sie berufsunfähig. Neben der Sprache und Wortfindungsstörungen, für die sie logopädische Therapie erhält, macht auch ihre rechte Hand noch Probleme. „Nach dem Unfall waren die Finger immer gekrümmt, quasi als Faust zusammengezogen, mittlerweile kann ich die Hand schon wieder öffnen und auch Dinge greifen“, sagt Ahlers, die bereits seit über 20 Jahren einen Fahrradhelm trägt – aus Überzeugung.

Allerdings gehört sie damit auch in der Fahrradstadt Münster zu einer kleinen Gruppe: „Nur 15 Prozent der Radfahrer tragen Helm“, weiß Christoph Becker von der Verkehrswacht Münster, der diesen Sommer gemeinsam mit Klaudia Ahlers besonders Fahrer eines E-Bikes oder Pedelecs für das Tragen eines Helms sensibilisieren möchte. „Immer mehr Radler nutzen wie Frau Ahlers den schnellen Elektroantrieb, Stürze haben dann aber noch dramatischere Folgen", so Becker. Vorbild ist für ihn die Schweiz. „Dort konnte innerhalb von zehn Jahren die Helmquote von 15 auf 50 Prozent gesteigert werden.“ Ein Ziel, das auch Prof. Dr. Michael Raschke begrüßen würde: „Wir sehen leider regelmäßig verunfallte Patienten, die anders als Frau Ahlers keinen Helm getragen haben, deren Verletzungen verhindert oder zumindest deutlich geringer hätten ausfallen können.“ 

Klaudia Ahlers ist mittlerweile schon wieder auf ihr Fahrrad gestiegen; im Rahmen der Reha gehört auch das Radfahren zur Therapie. „Eine Dreiviertelstunde schaffe ich schon und ich hoffe, dass ich noch weitere Fortschritte mache“, freut sich die Münsteranerin über jeden Therapieerfolg – auch wenn die Rückkehr in den Alltag derzeit noch in weiter Ferne liegt.

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