Schulterverletzungen
Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers – und zugleich besonders anfällig für Verletzungen. Wir behandeln das gesamte Spektrum akuter Schulterverletzungen und chronischer Verletzungsfolgen nach modernsten medizinischen Standards – von der konservativen Therapie bis hin zu komplexen rekonstruktiven Eingriffen. Dabei steht die Wiederherstellung der Funktion, Schmerzfreiheit und schnelle Rückkehr in Alltag, Beruf und Sport im Fokus der Behandlung.
Schwerpunkte
Die Versorgung von Patient*innen mit akuten Schulterverletzungen erfolgt in unserer unfallchirurgischen Poliklinik. Die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie hat die Zulassung zu allen Stufen des Durchgangsarztverfahrens.
[Verlinkung Notfall]
Ein Bruch des Oberarmkopfes (Humeruskopffraktur) ist eine schwere Verletzung, die sich auf das tägliche Leben der Patient*innen auswirkt. Fehlstellungen und Schmerzen können die Funktion des betroffenen Armes nahezu vollständig aufheben. Je nach Bruchverlauf gelingt es, den Bruch ohne Operation zur Ausheilung zu bringen.
Liegt ein nicht verschobener Bruch mit wenigen Bruchstücken vor, kann eine kurzzeitige Ruhigstellung im sogenannten Gilchrist-Verband zur Ausheilung führen.
Bei verschobenen Brüchen mit mehreren Bruchstücken ist häufig eine Operation angezeigt. In den meisten Fällen wird versucht, den Oberarmkopf zu erhalten und die Bruchstücke wieder zusammenzufügen. Dies kann mit Hilfe von Platten, Schrauben oder Nägeln geschehen. Mit diesen Verfahren gelingt es, die Bruchstücke wieder in guter Position zum Ausheilen zu bringen. Ist eine Wiederherstellung nicht möglich kann eine Schulterprothese [Verlinkung Schwerpunkt Schulterprothese] verwendet werden, um die Gelenkfunktion wiederherzustellen. Nach der Operation ist der Arm schnell wieder einsatzfähig, da die Platte eine alltägliche Belastung zulässt und somit eine lange Ruhigstellung bis zur Ausheilung meist nicht notwendig ist.
[Nachbehandlungsschema konservative Therapie proximale Humerusfrakturen]
[Nachbehandlungsschema ORIF PHILOS/DiPhos]
[Nachbehandlungsschema Tub majus]
[Nachbehandlungsschema Inverse Schulterprothese]
Schlüsselbeinbrüche (Claviculafraktur) sind eine häufige Verletzung. Meistens treten sie in der Schaftmitte des Knochens auf (ca. 80%). Unverschobene Brüche können ohne Operation (konservativ) behandelt werden, d.h. die betroffene Schulter wird in einem Verband zur Schmerzreduktion ruhiggestellt.
Sind die Brüche verschoben oder tritt durch den Bruch eine Verkürzung ein, ist eine operative Therapie angezeigt. Der Bruch wird wieder regelrecht eingerichtet und mittels einer Platte oder in selteneren Fällen auch eines Drahtes stabilisiert. In der Regel ist unmittelbar nach der Operation eine Beübung der betroffenen Schulter möglich, eine Ruhigstellung ist nicht erforderlich.
[Nachbehandlungsschema ORIF Clavicula]
[Nachbehandlungsschema konservative Therapie Claviculafraktur]
Schulterblattbrüche (Skapulafrakturen) sind insgesamt seltene Verletzungen und treten typischerweise nach schweren Unfällen, wie zum Beispiel durch Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe, auf.
In vielen Fällen kann ein Schulterblattbruch ohne Operation behandelt werden. Voraussetzung ist, dass keine wesentliche Verschiebung (Dislokation) der Bruchfragmente vorliegt. Die betroffene Schulter wird kurzfristig ruhiggestellt, anschließend beginnt eine frühfunktionelle Mobilisation unter physiotherapeutischer Anleitung.
Bei verschobenen oder instabilen Brüchen, insbesondere im Bereich des Schultergelenkpfanne (Glenoid), kann eine operative Stabilisierung notwendig sein. Ziel ist die regelrechte Wiederherstellung der Gelenkfläche und Schulterfunktion. Zur Fixierung werden in der Regel spezielle Plattensysteme verwendet. Unsere Klinik besitzt für die optimale Versorgung der seltene Schulterblattbrüche einen großen Erfahrungsschatz. So kann die optimale Therapie unserer Patient*innen sichergestellt werden.
Liegt ein ausgeprägter Verschleiß des Schultergelenkes vor oder haben Sie sich einen komplizierten Bruch des Oberarmkopfes zugezogen, der nicht sicher rekonstruiert werden kann, kann der Einbau einer Schulterprothese notwendig sein. Die modernen Prothesensysteme erlauben es, ein für Sie passendes Implantat einzubauen, das an die anatomischen Gegebenheiten Ihrer Schulter angepasst ist. Liegt ein Verschleiß vor, der sowohl die Gelenkpfanne als auch den Oberarmkopf betrifft, wird eine sogenannte anatomische Schulterprothese eingebaut. Hier werden Gelenkpfanne und Gelenkkopf durch spezielle Werkstoffe ersetzt.
Liegt zusätzlich zum Gelenkverschleiß noch ein Schaden der Rotatorenmanschette vor oder ist ein Bruch des Oberarmkopfes fehlverheilt, wird eine inverse Prothese implantiert. Hier werden der Aufbau von Kopf und Pfanne vertauscht. Diese Änderung der Gelenkpartner ermöglicht es dem Schulterkappenmuskel (M. deltoideus), die Schulter zu bewegen und damit die Funktion anderer nicht mehr funktioneller Muskeln zum Teil zu übernehmen.
Liegt ein nicht rekonstruierbarer Bruch des Oberarmkopfes vor und die Gelenkpfanne ist noch intakt, kann eine Fraktuhemirprothese eingebaut werden. Hier wird ausschließlich der Oberarmkopf ersetzt.
Auch besteht die Möglichkeit, in unserer Klinik bei komplexen Verletzungsfolgen mit starkem Knochenverbrauch die Implantation einer patienten-spezifisch angefertigten Spezialprothese zu evaluieren, zu planen, anzufertigen und zu implantieren.
Nach allen Prothesen-Operationen wird der Arm für einige Zeit in einem Schulterkissen gelagert. Die krankengymnastische Beübung beginnt jedoch bereits am ersten Tag nach der Operation in Zuge des stationären Aufenthalts.
[Nachbehandlungsschema Inverse Schulterprothese]
[Nachbehandlungsschema Fraktur Schulterprothese]
[Nachbehandlungsschema Anatomische Schulterprothese]
Das Schultergelenk ist das Gelenk mit den größten Bewegungsausmaßen und resultierend, das instabilste des menschlichen Körpers. Es kommt häufig vor, dass das Schultergelenk bei einem Unfall auskugelt (luxiert). Seltener tritt eine Schulterluxation bei angeborenen Veränderungen des Schultergelenks auf. Eine akute ausgerenkte Schulter muss zunächst in der Notaufnahme wieder eingerenkt werden.
Beim Ausrenken können zudem Verletzungen der knöchernen oder knorpeligen Gelenkspfanne, der Bandstrukturen, der Sehnen und Muskulatur sowie des Oberarmkopfes entstehen. Dieses begünstigt eine chronische Instabilität und kann zu einem frühzeitigem Gelenkverschleiß. Schulterluxationen können zu einer starken Beeinträchtigung der Schulter- und damit auch der Funktion des betroffenen Armes führen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie wiederholt auftreten.
Bei wiederkehrenden Verrenkungen der Schulter, ist oft eine operative Therapie zu Wiederherstellung der Stabilität des Schultergelenkes erforderlich. Hier wird häufig in Schlüssellochtechnik (Arthroskopie) die bindegewebige Gelenklippe refixiert (Bankart-Operation). Ist dieses nicht ausreichend, kann ein Verfahren eingesetzt werden bei dem mit körpereigenem Knochen die Gelenkfläche der Pfanne vergrößert und so das Schultergelenk stabilisiert werden. (Latarjet-Operation).
[Nachbehandlungsschema Bankart]
[Nachbehandlungsschema Latarjet]
Ebenso wie das Schlüsselbein ist auch das Schultereckgelenk anfällig für Verletzungen. Sportler sind besonders häufig durch einen direkten Anprall oder einen Sturz auf den Ellenbogen betroffen. Abhängig vom Ausmaß der Instabilität kann die Therapie auch hier konservativ oder operativ erfolgen.
Leichtgradige Instabilitäten werden in einem Schlingenverband ruhiggestellt und frühfunktionell nachbehandelt.
Bei hochgradigen Fehlstellungen kommt es zu einer Zerreißung aller stabilisierenden Bänder, sodass die operative Therapie notwendig wird. In unserer Klinik wurde hierfür die MINAR-Technik (minimal-invasive Acromioclaviculargelenks-Rekonstruktion) entwickelt. Mit Hilfe eines Flaschenzug-Systems wird das Schlüsselbein gegenüber dem Schulterblatt wieder in seine ursprüngliche Position gebracht und fixiert. Die Bandstümpfe nähern sich als Resultat wieder an, können ausheilen und ihre stabilisierende Funktion wieder übernehmen. Im Anschluss an die Operation muss der betroffene Arm für 6 Wochen in einer Orthese ruhiggestellt werden.
[Nachbehandlungsschema MINAR]
Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Menschen. Die Muskeln für diese Bewegungen setzen am Schulterblatt an und stabilisieren mit einem komplexen bindegewebigen Mantel aus Sehnen und Bändern die Schulter (Rotatorenmanschette). Bei Bewegung gleitet die Sehnen in einem engen knöchernen Kanal zwischen Oberarmkopf und Schulterdach (subacromialer Raum). Dieser kann im Alter, durch Überkopfarbeit aber auch anlagebedingt verengt sein. Durch Unfälle oder Verschleiß kann es zur Reizung oder zu Rissen der Sehnen kommen (Rotatorenmanschettenruptur).
Je nach Ausmaß des Risses ist eine Behandlung mit oder ohne Operation erforderlich.
Bei der Operation wird zunächst eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) mit Hilfe einer Kamera durchgeführt, um das Ausmaß der Sehnenschädigung zu beurteilen. Die gerissene Sehne wird nach Möglichkeit wieder an dem Knochen mit Hilfe sog. Fadenankern befestigt.
Nach der Operation wird der Arm in einer Schulterorthese für insgesamt 6 Wochen ruhiggestellt. Während dieser Zeit sollte eine physiotherapeutische passive Beübung (3-4 mal pro Woche) erfolgen. Ab der 4. Woche kann die betroffene Schulter dann langsam aktiv-assistiv bei der Physiotherapie beübt werden. Nach 6 Wochen sollte dann eine klinische Verlaufskontrolle in unserer ambulanten Schultersprechstunde erfolgen. Ab der 6 Woche sollte der gesamte Bewegungsumfang der Schulter aktiv und passiv trainiert und der betroffene Arm in den Alltag einbezogen werden. Wichtig ist, dass die operierte Schulter für 3 Monate nicht aktiv mit Gewicht belastet werden sollte. Abhängig vom Ausmaß der Verletzung und vom Alter und der Aktivität der Patient*innen kann die Nachbehandlung variieren.
[Nachbehandlungsschema ISP/SPP]
[Nachbehandlungsschema Subscap]
Revisionseingriffe an der Schulter sind komplexe operative Maßnahmen, die erforderlich werden, wenn eine vorherige Behandlung zum Beispiel nach Frakturversorgung, Sehnenrekonstruktion oder Schulterprothese nicht den gewünschten Heilungsverlauf zeigt oder Komplikationen aufgetreten sind.
Typische Gründe sind Implantatversagen, anhaltende Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Infektionen. In der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie verfügen wir über umfassende Erfahrung in der Durchführung solcher anspruchsvollen Reoperationen.
Mit der Zulassung zum Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ist unsere Klinik berechtigt, auch komplexe Verletzungen, Verletzungsfolgen und Komplikationen nach Arbeitsunfällen umfassend zu behandeln.
Bitte bringen Sie zum Vorstellungstermin alle relevanten Unterlagen (Vorbefunde, Entlassbriefe, Operationsberichte und Bildgebungen) mit.
Unsere Experten für Schulterverletzungen

Prof. Dr. med. J. Christoph Katthagen
Leitender Oberarzt

Dr. med. Mats J. Karlsfeld, MHBA
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Albert-Schweitzer-Campus 1
Gebäude W1
48149 Münster
