Schilddrüsenkrebs: Häufige Fragen

Wie gefährlich ist Schilddrüsenkrebs?

Unter den verschiedenen Krebsarten ist das sog. differenzierte Schilddrüsenzellkarzinom eines der gutartigsten. Unter der Behandlung mit Radioiod in Verbindung mit engmaschigen ambulanten Kontrolluntersuchungen sind Lebenserwartung und Lebensqualität der Patienten gegenüber der Normalbevölkerung kaum eingeschränkt. Die folgende Darstellung beschränkt sich auf das differenzierte Schilddrüsenzellkarzinom; für die Behandlung des medullären und des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms gelten andere Gesichtspunkte.

Wie erfolgt die Behandlung des Schilddrüsenkarzinoms?

Zumeist in den Schritten Schilddrüsenoperation, Radioiodbehandlung, Nachsorge.

Was ist Gegenstand der Schilddrüsenoperation?

Am Anfang steht in aller Regel die operative Entfernung der Schilddrüse unter Zurücklassung eines möglichst kleinen Restes an Schilddrüsengewebe. Je nach Grad der Erkrankung werden in derselben oder in getrennter Operation auch Lymphknoten des Halses operativ entfernt.

Wie funktioniert die Radioiodbehandlung?

Der Patient schluckt auf der Therapiestation ein oder zwei Kapseln mit radioaktivem Iod. Das Iod gelangt durch den Magen-Darm-Trakt ins Blut und wird dann von dem Schilddrüsengewebe aufgenommen. Schilddrüsengewebe hat als einziges Gewebe im Körper die Eigenschaft, Iod dauerhaft zu speichern. Dabei kann das Schilddrüsengewebe nicht zwischen dem normalen nicht-radioaktivem Iod-127 und dem radioaktiven Iod-131 unterscheiden. Das überschüssige, nicht gespeicherte radioaktive Iod wird bereits in den ersten Stunden nach Einnahme der Iodkapsel über die Niere mit dem Urin ausgeschieden. Das radioaktive Iod zerfällt in den folgenden Tagen am Ort der Speicherung, wodurch es zu einer sehr intensiven Bestrahlung des Gewebes in unmittelbarer Nähe, kaum jedoch des übrigen Körpers, kommt. Die Bestrahlung löst eine Entzündung aus, im Gefolge derer der Körper das Gewebe über die nächsten ein bis drei Monate abbaut und durch Narbengewebe ersetzt. Ein Teil der vom Iod-131 entsandten Strahlung läßt sich mit einer Gamma-Kamera aufzeichnen, wobei alle Körperregionen, die Iod speichern, durch eine Schwärzung des Films erscheinen. Die Gabe von Iod-131 dient somit nicht nur der Therapie, sondern auch der Diagnostik.

Was sind die Ziele der Radioiodbehandlung?

Ziel der ersten Radioiodbehandlungen nach der Operation ist die vollständige Entfernung des bei der Operation verbliebenen Schilddrüsenrestgewebes. Die anfangs in kürzeren, später in längerem Zeitabständen durchgeführten Kontroll–untersuchungen mit Radioiod dienen dazu, eventuelle Absiedlungen des Karzinoms in einem so frühen Stadium nachzuweisen, in dem sie sich ohne zusätzliche Operation oder Bestrahlung von außen allein durch die hochdosierte Gabe von Radioiod behandeln lassen.

Weshalb wird das gesamte Schilddrüsengewebe mit Radioiod entfernt?

Dies hat unter anderem die folgenden Gründe: Es werden dann ganz sicher alle Tumorzellen in der Restschilddrüse entfernt. Nur Schilddrüsengewebe hat die Fähigkeit, Thyreoglobulin (TG) zu bilden. Bereits geringste Mengen können im Blut nachgewiesen werden, lange bevor eine Geschwulst bereits tastbar oder auf einem Röntgenbild sichbar ist. Ohne die Radioiodbehandlung des Schilddrüsenrestes könnte der TG-Anstieg erst sehr viel später bemerkt werden. Nur wenn die Schilddrüse als der stärkste Iodspeicher im Körper bereits ausgeschaltet ist, ist es möglich, Tochergeschwülste des Schilddrüsenkarzinoms mit ausreichenden Herddosen zu behandeln, ohne daß die Strahlenexposition des restlichen Körpers ein kritisches Maß erreicht.

Worum geht es bei den ambulanten Kontrollen?

Zusätzlich zu den stationären Untersuchungen führen wir regelmäßige ambulante Kontrollen durch: in der Regel 8 Wochen nach jedem stationären Aufenthalt und ansonsten alle 6 bis 12 Monate. Die Untersuchung umfaßt neben einer klinischen Untersuchung eine Blutabnahme mit Kontrolle der Schilddrüsenhormonwerte und des TG (s. o.) und eine Ultraschalluntersuchung des Halses.

Worauf müssen Sie selbst bei der Nachsorge achten?

  1. Da Sie infolge der Behandlung keine Schilddrüse mehr haben, muß das Schilddrüsenhormon „L-Thyroxin“ lebenslang regelmäßig in Form von Hormontabletten dem Körper zugeführt werden. Sie sollten das Schilddrüsenhormon  jeden Tag auf nüchternen Magen mindestens eine halbe  Stunde vor dem Frühstück einnehmen. Wichtig für Sie und Ihren Hausarzt ist zu wissen, daß das Hormon höher als bei anderen Schilddrüsenerkrankungen dosiert werden muß. Dies wird oft falsch gemacht. Die Hirnanhangsdrüse bildet ein Steuerhormon, das sog. TSH, das die Schilddrüse im Falle eines zu niedrigen Schilddrüsenhormonspiegels veranlaßt, (a) Schilddrüsenhormon auszuschütten und (b) zu wachsen. Auch Tumorzellen wachsen  verstärkt in Reaktion auf TSH. Daher sollte so viel Schilddrüsenhormon gegeben werden, daß die Hirnanhangsdrüse einen ausreichenden Spiegel an Schilddrüsenhormon mißt und die Ausschüttung von TSH einstellt. Ziel der Behandlung ist ein supprimiertes TSH von weniger als 0,2 µU/ml. Dieser Wert liegt unterhalb des Referenzbereichs für Patienten ohne Schilddrüsenerkrankungen.
  2. Wichtig ist: Röntgenuntersuchungen (Computer-Tomogramm, Niere, Galle) sollten keinesfalls mit iodhaltigem Kontrastmittel durchgeführt werden, es sei denn, es ist medizinisch absolut notwendig. Wenn möglich sollte statt dessen auf Kontrastmittelgabe verzichtet werden oder auf ein Magnetresonanztomogramm mit Gadolinium-haltigem Kontrastmittel ausgewichen werden. Gegebenenfalls können wir den Termin einer Radioiodbehandlung vorziehen, damit ohne Nachteile für Ihre Gesundheit z. B. eine Kontrastmitteldarstellung ihrer Herzkranzgefäße durchgeführt werden kann.
  3. Sollten Sie oder die Sie behandelnden Ärzte Fragen bezüglich der Behandlung haben, so nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

Selbsthilfegruppe Patienten mit Schilddrüsenkrebs:

Die Selbsthilfegruppe trifft sich ab April im Gesundheitshaus Münster (Raum 305), Gasselstiege 13. Die Treffen finden an jedem 2. Dienstag im  Januar, April, Juli und Oktober von 18.00 h bis 20.00 h statt. Ansprechpartnerin: Frau Irmgard Verlage Tel. 05454 / 906792 Fax: 05454 / 906791 e-mail: i.verlage(at)­gmx(dot)­de