Translationale klinische Forschung
Die Klinik für Psychische Gesundheit verfügt über langjährige Erfahrung in der Behandlung und Erforschung schwer behandelbarer psychischer Erkrankungen. In unserem Studienzentrum führen wir klinische Studien zur Entwicklung und Bewertung neuer Behandlungsansätze durch. Dabei setzen wir auf vielfältige Ansätze, zu denen neuro-modulatorische, pharmakologische, psychologische sowie nicht-pharmakologische Maßnahmen wie körperliche Bewegung und Ernährungsumstellung gehören. Unser Fokus liegt auf Patient*innen mit komplexen, häufig therapieresistenten affektiven Störungen und Störungen des Psychose-Spektrums.
Das Studienzentrum hat sich zum Ziel gesetzt, personalisierte und stratifizierte Behandlungsansätze zu identifizieren, die in größeren klinischen Studien weiterentwickelt werden können. Große, überregionale klinische Studiennetzwerke bieten uns die Möglichkeit, für Forschungs- und Validierungszwecke größere Patientenkohorten zu rekrutieren. Dadurch können wir innovative Behandlungskonzepte schneller in die klinische Versorgung integrieren und so die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten kontinuierlich optimieren.
Studienteilnehmer*innen gesucht
Für unsere laufenden Studien sind wir stets auf der Suche nach passenden Teilnehmer*innen.
Sind Sie an einer Studienteilnahme interessiert? Dann nutzen Sie die Gelegenheit, unsere Forschung zu unterstützen! Zusammen können wir:
- zu einer verbesserten, innovativen Behandlung von psychischen Erkrankungen beitragen.
- der Stärkung der psychischen Gesundheit beitragen.
Unsere Studien im Überblick
In dieser Studie wird untersucht, ob eine früh-intensivierte medikamentöse Behandlung einen höheren Behandlungserfolg hervorruft als die aktuelle Standardbehandlung. Im Fokus stehen Patient*innen mit bestimmten psychiatrischen Erkrankungen, bei denen in der aktuellen Krankheitsphase bereits ein Medikament noch nicht den gewünschten Effekt erzielt hat. Zu diesen Krankheitsbildern gehören
- Krankheitsphase der Schizophrenie (INTENSIFY-SZ),
- Depression bei bipolarer Erkrankungen (INTENSIFY-BD)
- und Depression bei unipolarer Erkrankung (INTENSIFY-MDD).
Die Studie RESTORE-LIFE untersucht eine neuartige Therapieform bei therapieresistenter Depression (TRD). Der Vagusnerv-Stimulator wurde ursprünglich als Begleittherapie für Epilepsie-Patienten entwickelt und wird seit 2001 auch bei Patienten mit Depressionen implantiert.
Bei der prospektiven, multizentrischen und globalen Beobachtungsstudie wird die VNS-Therapie (Vagus-Nerv-Stimulation) als Zusatzbehandlung beurteilt. Dabei wird die kurz-, mittel- und langfristige Wirksamkeit und Effizienz der Behandlung bei Patient*innen mit einer schwer behandelbaren Depression untersucht. Über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren werden in regelmäßigen Abständen Visiten durchgeführt, um die Krankheitssymptome zu erfassen und eine optimale Einstellung des Geräts vorzunehmen.
Zusätzlich ist es möglich, weitere Untersuchungen durchzuführen. Dabei werden Biomaterialien gesammelt und neuropsychologische Untersuchungen durchgeführt. Mithilfe dieser ergänzenden Untersuchungen soll ein möglicher Zusammenhang zwischen Depressionen und dem Immunsystem ermittelt werden. Bei der Magnetenzephalographie (MEG) wird die Hirnaktivität während eines kurzen Tests gemessen. Die Untersuchung findet im Sitzen und völlig geräuschlos statt.
In unseren klinischen Beobachtungsstudien für Proband*innen mit neuromodulatorischen Behandlungen fokussieren wir uns auf Patient*innen mit Psychose, schizoaffektiven oder affektiven Erkrankungen, die von Therapieresistenz bedroht sind. Das wissenschaftliche Forschungsvorhaben untersucht klinische und neurobiologische Aspekte der Therapieresistenz und der Behandlungsverläufe. Begleitend zur Regelbehandlung werden an verschiedenen Terminen Interviews durchgeführt, Fragebögen ausgegeben und neuropsychologische Tests durchgeführt. Zudem werden Blutentnahmen durchgeführt und Biomaterialien entnommen. Ziel der Erhebung ist es, ein besseres Verständnis für die Erkrankung, ihre Behandlung und die Therapieresistenz zu entwickeln, um die Behandlung psychischer Erkrankungen in Zukunft zu verbessern.
Präzisionspsychiatrie
Die personalisierte Psychiatrieforschung zielt darauf ab, für jede*n Patient*innen die individuell bestmögliche Behandlung zu bestimmen. Dazu nutzen wir innovative Technologien aus verschiedenen Fachbereichen. Durch die Kombination dieser Ansätze entwickeln wir maßgeschneiderte Therapiekonzepte, die genau auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen abgestimmt sind.
Dieser Forschungsansatz verbindet die Bereiche Genomik, Epigenomik, Transkriptomik, Systembiologie, Bioinformatik und Vorhersagemodellierung. Ergänzt wird dies durch innovative klinische Studiendaten sowie digitalisierte Daten zu den phänotypischen Merkmalen psychischer Erkrankungen und dem Therapieansprechen. Diese vielfältigen Ansätze sind entscheidend, um individuelle und personalisierte Behandlungsstrategien in der psychischen Gesundheit zu entwickeln und umzusetzen.
Das aktuelle EU-geförderte Projekt „Psych-STRATA“ unter der Leitung des Klinikdirektors Herrn Prof. Dr. Bernhard Baune vereint Forscher*innen in Münster und in zwölf weiteren Ländern, um die frühe Erkennung und intensivierte Behandlung von Patient*innen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Depression, Bipolarer Erkrankung und Schizophrenie zu untersuchen.
Das gemeinsame Ziel besteht darin, Betroffene mit einer identifizierten „Veranlagung“ für einen schweren Krankheitsverlauf angemessen zu behandeln. Im Rahmen von Psych-STRATA wird in der Intensify-Studie untersucht, ob eine frühzeitige intensivierte medikamentöse Behandlung zu einem besseren Behandlungsergebnis führt als die aktuelle Standardbehandlung. Gesucht werden Patient*innen, die derzeit unter einer unipolaren oder bipolaren Depression oder einer schizophrenen Erkrankung leiden und bei denen in der aktuellen Krankheitsepisode ein erster medikamentöser Behandlungsversuch noch nicht die gewünschte Besserung gebracht hat.
Der Studienverlauf sieht vor, die Betroffenen über einen Zeitraum von sechs Wochen bei einer medikamentösen Umstellung durch ein multidisziplinäres Team zu begleiten. Dabei wird ein Teil der Proband*innen gemäß der Leitlinie behandelt, während der andere Teil vorgezogen eine intensivierte Behandlung erhält.
Die MOOD-Studie erforscht den Zusammenhang zwischen dem Immunsystem, körperlicher Aktivität und depressiven Erkrankungen. Frühere Studien haben ergeben, dass Depressionen mit einer vorzeitigen „Immunalterung“ einhergehen können und Ausdauertraining dieser Entwicklung entgegenwirken kann. Das Ziel der MOOD-Studie besteht darin, die Zusammenhänge zwischen Veränderungen im Immunsystem und der Behandlung von Depressionen genauer zu verstehen sowie die therapeutische Nutzung von Bewegung zu erforschen.
Die Studie ist eine Interventionsstudie mit drei Gruppen:
- Patient*innen, die ein achtwöchiges Ausdauertraining auf dem Ergometer absolvieren,
- Patient*innen ohne zusätzliches Training und
- eine Kontrollgruppe gesunder Proband*innen.
Alle Teilnehmenden durchlaufen zu Beginn und am Ende der Studienteilnahme mehrere Untersuchungen mit klinischen Interviews und Fragebögen, Blutabnahmen sowie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests. Darüber hinaus wird eine Aktivitätsmessung des Gehirns (EEG) und eine Fitnessmessung (Spiroergometrie) durchgeführt. Die medizinische Behandlung der Patient*innen bleibt dabei unverändert.
Die Studie wird als multizentrisches Forschungsprojekt in den Niederlanden, Belgien und Deutschland durchgeführt und von der Europäischen Union gefördert. Langfristig sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden, die dabei helfen, Depressionen besser und individueller zu behandeln.
Die https://www.prompt-depression.org/PROMPT-Studie untersucht, wie sich Depressionen individuell entwickeln und wie Behandlungen besser auf einzelne Patient*innen abgestimmt werden können. Ein besonderer Fokus liegt auf sogenannten therapieresistenten Depressionen, also Krankheitsverläufen, bei denen Medikamente nicht ausreichend wirken. Mithilfe klinischer, biologischer und genetischer Daten soll ein Modell entwickelt werden, das dabei hilft, therapieresistente Verläufe früh zu identifizieren und die Behandlung gezielt darauf abzustimmen, um eine schnellere Besserung der Symptome zu erreichen.
In die Studie werden sowohl Patient*innen mit einer aktuellen depressiven Episode als auch gesunde Kontrollpersonen eingeschlossen. Alle Teilnehmenden durchlaufen zunächst eine Basisuntersuchung mit klinischen Interviews, Fragebögen, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests sowie einer Blutentnahme. Danach folgen vier weitere Untersuchungstermine über einen Zeitraum von zwölf Wochen. Die medizinische Behandlung der Patient*innen bleibt dabei unverändert.
PROMPT ist ein internationales Forschungsprojekt mit Partner*innen in Deutschland, Polen und Italien, das von der EU sowie dem Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird. Langfristig soll die Studie zu präziseren, individuell angepassten Therapien bei Depressionen führen.
Neuromodulation und Neurofeedback – Innovative Therapie für schwere psychische Erkrankungen
Wie lassen sich schwere psychische Erkrankungen gezielt über das Gehirn beeinflussen? Unsere Forschungsgruppen untersuchen innovative neuromodulatorische Verfahren und Neurofeedback-Ansätze, um biologische Veränderungen im Gehirn besser zu verstehen und Therapien wirksamer sowie individueller zu gestalten. Unser Ziel ist es, neue Behandlungsmöglichkeiten für Patient*innen zu eröffnen, bei denen herkömmliche Therapien nicht ausreichend helfen.
Die Arbeitsgruppe Neuromodulation befasst sich mit der klinischen und neurobiologischen Erforschung neuromodulatorischer Behandlungsmöglichkeiten für schwer behandelbare psychiatrische Erkrankungen. Dabei untersuchen wir sowohl Veränderungen im Gehirn als auch die Wirksamkeit verschiedener Therapien. Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung im Umgang mit schweren psychischen Erkrankungen, insbesondere mit Depressionen, die auf herkömmliche Behandlungen nicht ansprechen.
Unser Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen biologischen Veränderungen, dem Krankheitsverlauf und dem Behandlungserfolg besser zu verstehen. Dazu arbeiten wir eng mit der Forschung zusammen, um neue Therapieansätze zu entwickeln und die Behandlung individuell abzustimmen. Um die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten stetig zu verbessern, integrieren wir die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse direkt in die Behandlung.
Zu unseren Schwerpunkten gehören moderne Methoden wie Hirnstimulationstechniken (z. B. EKT, rTMS und VNS) sowie medikamentöse Ansätze wie (S)-Ketamin.
Unsere Klinik bietet sowohl stationäre als auch ambulante Diagnostik und Behandlung an. Wir beraten Sie gerne, ob Sie für eine Teilnahme an einer klinischen Studie geeignet sind.
Dr.med. Erhan Kavakbasi
+49 251 83-56601
+49 251 83-56612
sekre.baune(at)ukmuenster.de
Der Fokus unserer Forschung liegt auf Neurofeedback, bildgebenden Biomarkern für neuromodulatorische Interventionen bei psychischen Störungen sowie der datengestützten Vorhersage des Behandlungserfolgs.
PD. Dr.med. Pegah Sarkheil
+49 251 83-56601
+49 251 83-56612
sekre.baune(at)ukmuenster.de
Klinik für Psychische Gesundheit
Albert-Schweitzer-Campus 1
Gebäude A9
48149 Münster
