Diagnostik
Im Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie werden jährlich ca. 30.000 bioptisch oder operativ gewonnene Gewebeproben bzw. zytologische Präparate aus dem Universitätsklinikum Münster sowie von externen Einsendenden untersucht. Im Einsatz sind mikroskopische, histochemische, immunhistochemische und molekularbiologische Methoden. Die Ergebnisse werden regelmäßig in fachspezifschen klinisch-pathologischen Konferenzen mit den klinischen Kolleg*innen diskutiert. Außerdem werden – nach Zustimmung der Angehörigen – klinische Obduktionen durchgeführt und pathologisch-anatomische Zusammenhangsgutachten erstellt.
Elektronenmikroskopie
Die Elektronenmikroskopie ist ein Verfahren, das dazu dient, Strukturen sehr viel stärker vergrößert und in höherer Auflösung darzustellen als dies mit einem Lichtmikroskop möglich ist. Während mit einem regulären Mikroskop in der Regel eine Vergrößerung von 400-fach möglich ist, kann mittels Elektronenmikroskopie eine 1.000.000-fache Vergrößerung erreicht werden, so dass hier Aussagen zur Ultrastruktur möglich sind. Ermöglicht wird dies durch Elektronen, die auf das Gewebe projiziert werden. Ein Teil der Elektronen wird absorbiert, ein anderer Teil reflektiert und über einen Detektionsschirm aufgenommen. Auf diese Weise entstehen sehr detaillierte Aufnahmen in Schwarz-Weiß-Optik.
Ein klassisches Einsatzgebiet der Elektronenmikroskopie ist die Nephropathologie, bei der Nierenbiopsien von Patient*innen untersucht werden. Neben der Lichtmikroskopie findet im Rahmen der sogenannten Triple-Diagnostik standardmäßig auch eine elektronenmikroskopische Begutachtung der Nierenkörperchen statt. Patholog*innen analysieren hierbei die verschiedenen Zellen und Strukturen in der Niere, um anschließend eine fundierte Diagnose zu stellen. In der Krankenversorgung werden neben der Niere je nach Fragestellung auch Proben aus der Leber oder aus dem Herz ultrastrukturell untersucht, ein weiterer Einsatzbereich stellt die Forschung dar.
Histologie (mit Knochenlabor)
Die histologische Untersuchung von Gewebeproben lebender Patient*innen ist eine der zentralen Aufgaben der Pathologie.
Die mit Formalin fixierten Gewebeproben werden entwässert, um diese in Paraffin zu überführen. Anschließend werden dünne Paraffinschnitte auf Objektträgern angefertigt, gefärbt und durch einen Pathologen oder eine Pathologin mikroskopisch auf krankhafte Veränderungen untersucht.
Eine Besonderheit stellt die Aufarbeitung von knöchernem Einsendegut dar, welches einer speziellen Vorbehandlung inklusive ggf. zeitaufwändigerer Entkalkung bedarf, die im spezialisierten Knochenlabor erfolgt.
Zur Diagnosestellung stellt die Anfertigung von Hämatoxylin-Eosin-Färbungen die Basisdiagnostik dar, die bei Bedarf durch weitere histochemische Färbemethoden (Schleimfärbungen, Versilberungen etc.) ergänzt werden kann.
Molekularpathologie
Molekularpathologische Untersuchungen gewinnen in der Diagnostik von Krebserkrankungen immer mehr an Bedeutung. Sie dienen einerseits der Evaluation definierter molekularer Veränderungen, die zur Sicherung einer Diagnose wesentlich sind. Andererseits werden molekulare Veränderungen untersucht, die als Grundlage für eine individuelle, personalisierte Krebstherapie relevant sind.
Diese genetischen Biomarker, die z.B. für die Einschätzung eines Therapieansprechens auf eine zielgerichtete Therapie oder die Prognose von wesentlicher Bedeutung sein können, werden in enger Kooperation mit den Kolleg*innen der klinischen Disziplinen bewertet, unter anderem im Rahmen des multidisziplinären Molekularen Tumorboards .
Das Leistungsspektrum der Molekularpathologie wird fortlaufend nach dem Stand der Technik und aktuellen klinischen Anforderungen weiterentwickelt. Es umfasst unter anderem die Sequenzierung der ganzen kodierenden Sequenz des Genoms (WES – whole exome sequencing), die Erstellung kompakterer genomischer Tumorprofile (CGP – comprehensive genoimic profiling, d.h. die Analyse von mehr als 600 Genen inklusive komplexer genetischer Marker wie Tumormutationslast oder homologe Rekombinationsdefizienz), Mutationsanalysen an Liquid Biopsy Proben, RNA-Sequenzierungen zur Detektion von Genfusionen und Fluoreszenz-In vitro-Hybridisierungen (FISH). Eine vollständige Liste der aktuellen Leistungen finden Sie auf dem Anforderungsschein.
Die Qualitätssicherung in der Molekularpathologie erfolgt durch Teilnahme an Ringversuchen der Qualitätssicherungsinitiative Pathologie (QuIP) der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und des External Quality Assessment (EQA) der Europäischen Gesellschaft für Pathologie.
Hinweis für Einsendende: Der Versand von nativen Knochenmarkproben für molekulare Analysen kann von Montag bis Donnerstag erfolgen, ein Eintreffen der Probe ist unbedingt erforderlich bis Freitag, 12.00 Uhr.
Klinische Obduktionen
Auch wenn die Zahl der klinischen Obstruktionen in den letzten Jahrzehnten deutlich rückläufig ist, stellt die Obduktion weiterhin ein wichtiges Mittel der Qualitätskontrolle in der Medizin dar.
Ziel der klinischen Obduktion ist die Feststellung der bei verstorbenen Patient*innen vorliegenden Grundleiden und der zum Tode führenden Komplikationen.
Die klinische Obduktion wird nach einem standardisierten Verfahren von speziell ausgebildeten Präparator*innen und Ärzt*innen in Weiterbildung unter der Supervision durch Fachärzt*innen für Pathologie durchgeführt. Die ersten Ergebnisse werden unmittelbar nach der klinischen Obduktion den behandelnden Ärzt*innen vorgestellt und mit der Klinik abgeglichen. An die makroskopische Beurteilung der Organe schließt sich im Verlauf eine histologische Untersuchung von Gewebeproben an. Bei besonderen Fragestellungen werden zusätzlich immunhistochemische, elektronenmikroskopische und molekulare Analysen durchgeführt. Nach Abschluss der nachfolgenden Untersuchungen erfolgt eine synoptische Zusammenfassung in einem abschließenden diagnostischen Befund.
Im Rahmen der Autopsie können auch versicherungsrechtliche Fragestellungen wie z. B. das Vorliegen einer Berufserkrankung (z. B. Asbestose, Silikose) geklärt werden. Solche Obduktionen werden meist im Auftrag der Berufsgenossenschaften bzw. Unfallversicherungen durchgeführt.
Neben verstorbenen Patient*innen aus dem UKM werden auf Antrag der Angehörigen auch Privatsektionen von Verstorbenen durchgeführt.
Schnellschnittdiagnostik
Während einer laufenden Operation wird das durch die operierenden Ärzt*innen entnommene Gewebe in die Pathologie geschickt mit dem Ziel, eine schnelle und bessere Einschätzung der intraoperativen Situation zu erhalten.
Das nativ übersandte Patientengewebe wird mittels Gefriertechnik aufgearbeitet. Hierzu werden dünne Gefrierschnitte auf Objektträgern angefertigt, um diese anschließend mit der Hämatoxylin-Eosin Schnellfärbetechnik anzufärben. Im Anschluss wird der Gewebeschnitt mikroskopisch durch einen Pathologen oder eine Pathologin beurteilt und das Befundergebnis telefonisch an den Operateur bzw. die Operateurin durchgegeben. Von Probeneingang bis zur Befundübermittlung vergehen in der Regel rund 20 Minuten.
Zytologische Diagnostik
Die zytologische Diagnostik ist integraler Bestandteil der Pathologie. Bei zytologischen Untersuchungen werden einzelne Zellen oder Zellverbände gewonnen und entweder dünn ausgestrichen oder auf einen Objektträger zentrifugiert, bevor sie gefärbt und mikroskopisch analysiert werden.
Zytologische Untersuchungen finden an verschiedenstem Material aus vielen Körperregionen statt, oftmals wird auch Ergussflüssigkeit, Sektret oder Urin analysiert. Die zytologische Untersuchung kann die Histologie nicht ersetzen, sie kann jedoch in kurzer Zeit wertvolle Informationen liefern. Im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung werden Abstriche aus dem Gebärmutterhals angefertigt; hier wird zudem Leitlinien-gerecht eine HPV-Diagnostik durchgeführt.
Unter anderem folgende Proben werden bei uns in der Routine bearbeitet:
- Zervix-, Vaginal-, Vulva und Analabstriche
- Körperhöhlenergüsse aus Pleurahöhle, Bauchhöhle (Aszites), Perikardhöhle
- Urin und Spülflüssigkeit aus Harnblase und Nierenbecken
- Material aus den Atemwegen: Bürstenausstriche, transbronchiale Nadelaspirationen (TBNA), bronchoalveoläre Lavage (BAL)
- Feinnadelpunktate aus Schilddrüse, Speicheldrüsen, Lymphknoten, Leber, Mamma, Pankreas
- Sekrete (z.B. aus der Mamma), Zystenflüssigkeiten und Gelenkergüsse
Immunhistochemie
Die Immunhistochemie stellt einen elementaren Baustein in der Diagnostik entzündlicher und tumoröser Erkrankungen dar und nimmt daher eine zentrale Position in der Diagnostik der Pathologie für die Patientenversorgung ein.
In unserem immunhistochemischen Labor werden im Jahr über 90.000 immunhistochemische Färbungen an Gewebeschnitten mittels vollautomatisierter Färbeautomaten durchgeführt. Dafür stehen fast 250 verschiedene Antikörper zur Detektion unterschiedlicher Tumoreigenschaften zur Verfügung, die aus der Differentialdiagnostik insbesondere tumoröser Erkrankungen nicht mehr wegzudenken sind. Darunter befindet sich auch ein breites Spektrum an Antikörpern zur spezialisierten Diagnostik von Weichteil- und Knochensarkomen, die an unserem Institut referenzpathologisch begutachtet werden.
Referenzpathologie
Des Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie bietet seit vielen Jahren referenzpathologische Begutachtungen für andere Pathologien an. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei der Beurteilung von Weichgewebs- und Knochentumoren. Das 1998 in Bonn gegründete und im Verlauf nach Köln und schließlich nach Münster transferierte GIST- und Sarkomregister ist seit 2013 in Münster aktiv und schließt Referenztätigkeiten für die Ewing-Sarkom-Studien, das COSS-Register sowie EORTC-, SSG- und AIO-Studien ein. Vor diesem Hintergrund erhalten wir jährlich über 3.000 Fälle aus ganz Deutschland für eine Zweitmeinung. Die Referenzpathologie für den Bereich Weichgewebs- und Knochentumoren wird seit 2016 vom gemeinnützigen Verein „Förderung Krebsforschung NRW e.V.“ gefördert. Durch diese Unterstützung für das Pathologienetzwerk Sarkome (PATHSARK) konnte die Diagnosequalität in NRW und darüber hinaus wesentlich verbessert werden.
Weitere besondere diagnostische Expertise im Haus besteht in diesen Bereichen:
- Hepatopathologie
- Mammapathologie
- Molekularpathologie
- Nephropathologie
- Speicheldrüsentumoren
- Uropathologie
Um eine referenzpathologische Untersuchung anzufordern, senden Sie bitte ein Anschreiben an folgende Adresse:
Prof. Dr. Wolfgang Hartmann
Prof. Dr. Eva Wardelmann
Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1, D17
48149 Münster
Diesem Anschreiben fügen Sie bitte Ihre Fragestellung, Paraffinmaterial, ggf. Schnittpräparate, Informationen zum Kostenträger bzw. einen Überweisungsschein und ggf. die radiologische Bildgebung (auf Datenträger oder per QR-Code) bei. Gerne übermitteln wir Ihnen unseren Befund auch per Fax, wenn Sie uns die Korrektheit der Faxnummer bestätigen.
Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie
Univ.-Prof. Dr. med. Eva Wardelmann, Direktorin
Univ.-Prof. Dr. med. Wolfgang Hartmann, Direktor
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude D17
Anfahrtsadresse: Domagkstraße 17
48149 Münster
