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UKM Darmzentrum

Aktuelles

Darmkrebs ist in Deutschland keine Seltenheit. Etwa 60.000 Menschen erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jährlich neu daran. Damit ist er derzeit bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Tumorerkrankung. Wenn er früh entdeckt wird, sind die Heilungschancen mit bis zu 90 Prozent jedoch sehr gut.

Mit leuchtendem Beispiel voran

Experten des UKM Darmzentrums nutzen innovative Fluoreszenz-Technik für mehr Sicherheit bei Darmkrebs-Operationen.

Die vollständige Entfernung des Tumors ist ein wesentlicher Aspekt für die erfolgreiche Therapie von Darmkrebs. Ein neues Verfahren, die sogenannte ICG (Indocyaningrün)-Messung, erleichtert den Chirurgen am UKM nun die Beurteilung, wie gut der verbliebene Darm durchblutet ist – eine wichtige Voraussetzung für einen guten Heilungsverlauf.

„ICG ist ein Fluoreszenzmittel mit sehr kurzer Halbwertszeit, mit dem wir die gut perfundierten Teile des Darms während eines minimalinvasiven Eingriffs zum Leuchten bringen können“, erklärt Prof. Dr. Emile Rijcken, Leiter des UKM Darmzentrums. Eingesetzt wird die ICG-Messung im interdisziplinären Darmzentrum z.B. bei der Entfernung von Kolon- oder Rektumkarzinomen.

Die dafür notwendige Technologie ist Bestandteil des neuen Laparoskopie-Turms, der seit Ende letzten Jahres im Klinikum bei Bauchspiegelungen im Einsatz ist. Darin ist eine Spezialkamera integriert, die die Darstellung der Durchblutung auf dem Monitor ermöglicht. „Kurz bevor die Darmenden wieder miteinander verbunden werden, bekommt der Patient eine Substanz in die Vene injiziert“, erklärt der Chirurg den Ablauf des Verfahrens. „Je nach verwendeter Technologie leuchtet diese dann grün oder blau, wenn sie mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt wird. Sie flutet aber nur im gut durchbluteten Gewebe an. Der Rest bleibt daher auf dem Monitor dunkel.“

Wenn die Durchblutung nicht ausreichend erscheint, kann der Operateur direkt reagieren und den Darm entsprechend weiter kürzen, um das Risiko von Heilungsstörungen so weit wie möglich zu reduzieren. Wobei immer gilt: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.

Bisher war die Beurteilung der Mikroperfusion des Gewebes lediglich mit bloßem Auge möglich. Die neue Technologie soll nun helfen, Durchblutungsstörungen leichter zu erkennen „Unser Ziel ist, die Patientensicherheit zu optimieren“, betont Rijcken. „Es geht dabei nicht nur darum, den Tumor erfolgreich zu entfernen, sondern auch durch Vermeidung von Komplikationen die Langzeitprognose und die Lebensqualität des Betroffenen weiter zu verbessern.“

Nerven schonen – besser leben

Durch „pelvines Neuromonitoring“ während der OP können Experten des UKM Darmzentrums das Risiko für Verletzungen am Nervengewebe verringern. Ziel: Bessere Funktion – mehr Lebensqualität

Bösartige Tumoren im Darm sind keine Seltenheit. In Deutschland erkranken jährlich etwa 60.000 Menschen neu. Während Darmkrebs – gerade wenn er früh entdeckt wird – heute zu 90 Prozent heilbar ist, kann es während der Darmoperation zu Komplikationen kommen, die zu Folgeerkrankungen oder Funktionsstörungen führen. Ein innovatives Verfahren, das sogenannte pelvine Neuromonitoring, ermöglicht jetzt mehr Sicherheit.

„Im kleinen Becken befinden sich komplexe Nervenstrukturen, die die Blasen-, Darmausgangs- und Geschlechtsfunktionen steuern. Weil diese sich auch bei minimal invasiven Operationen optisch schwer von anderem Gewebe unterscheiden lassen, besteht das Risiko, dass sie während des Eingriffs trotz korrekter OP-Technik verletzt werden“, erklärt Prof. Dr. Emile Rijcken, Leiter des UKM Darmzentrums. Infolge können Patienten, auch wenn der Tumor erfolgreich entfernt worden ist, unter Harn- und Stuhlinkontinenz
sowie Erektionsstörungen leiden. „Das bedeutet natürlich eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität – gerade bei jungen Männern“, macht Rijcken darauf aufmerksam, dass bei der Krebstherapie heute nicht mehr nur die radikale Bekämpfung der bösartigen Zellen im Focus steht, sondern auch funktionelle Aspekte wichtig sind.

Durch den Einsatz des neu entwickelten pelvinen Neuromonitorings bei Enddarmkrebs-OPs können die Nerven im Bereich des kleinen Beckens nun überwacht werden. Bekannt ist ein ähnliches Verfahren schon aus der Schilddrüsenchirurgie, wo es zum Schutz der Stimmbandnerven während der OP seit längerem eingesetzt wird. „Auch bei komplizierten Rektum-Operationen können wir nun mit Hilfe kleiner Nadelelektroden die entsprechenden Gewebestrukturen antippen und mit elektronischen Impulsen stimulieren. Wir sehen und hören sofort die Antwort“, so Rijcken. Denn kommt der Chirurg einem Nerv zu nah und es droht Verletzungsgefahr, kann er sich nicht nur optisch sondern auch akkustisch und funktionell vergewissern, ob die jeweilige Struktur intakt ist.

Das pelvine Neuromonitoring findet bereits bei einer Vielzahl unterschiedlicher Eingriffe wie z.B. der Entfernung des Rektumkarzinoms erfolgreich Anwendung. „Auch für andere Darmerkrankungen wie der Colitis ulcerosa oder Darmentleerungsstörungen sowie für andere Fachbereiche, wie etwa die Gynäkologie und die Urologie, könnte das Verfahren von großem Nutzen sein“, betont der Leiter des interdisziplinären Darmzentrums. Die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten des Neuromonitorings werden derzeit in Studien weiter untersucht. Denn nicht nur bei Darmkrebs-OPs ist das Ziel neben einer guten Langzeitprognose immer auch eine gute Lebensqualität.