Was ist Darmkrebs?
Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in den westlichen Ländern.
Zur Entstehung von Darmkrebs tragen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, aber auch erbliche Faktoren bei. Eine familiäre Vorbelastung weist auf ein erhöhtes Risiko hin. Durch Vorbeugung lässt sich ein Teil der Darmkrebsfälle verhindern. Vorsorgeprogramme und Früherkennung, vor allem von Vor- und Frühformen des Darmkrebs sind in der Lage, bei dieser Krebserkrankung weitgehende Heilungschancen zu erreichen.
Wodurch entsteht Darmkrebs?
Darmkrebs ist ein bösartiger Tumor, der aus den Schleimhautzellen (der inneren Auskleidung) des Dickdarms entsteht. In Abhängigkeit von der Lokalisation werden der Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) und der Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) unterschieden. In einigen Fällen ist die Zuordnung nicht ganz eindeutig zu treffen, dann spricht man von Krebs im Übergangsbereich (kolorektaler Übergang). Die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs sind vielfältig. Dabei spielen erbliche Faktoren, Ernährungsgewohnheiten, Umwelteinflüsse, aber auch psychosoziale Einflüsse eine Rolle. Bei einem geringen Prozentsatz (insgesamt ca. 7-8% aller Fälle) sind genetische Veränderungen bekannt, die als wesentliche Auslöser für die bösartigen Veränderungen verantwortlich sind. Darüber hinaus liegen bei ca. 20% der Betroffenen familiäre Häufungen vor ohne bisher bekannte genetische Veränderungen. Als begünstigende Faktoren sind darüber hinaus chronisch entzündliche Darmerkrankungen anzusehen, die mit einem deutlich erhöhten Risiko für Darmkrebs verbunden sind. Die meisten Formen des Darmkrebses bilden sich aus gutartigen Vorläuferstufen. Dabei entstehen aus initial gutartigen Veränderungen (Polypen) komplexe gutartige Adenome (Geschwulste), die sich in verschiedenen Entwicklungsstufen zum bösartigen Darmkrebs und im weiteren Verlauf zu Tochtertumoren (Metastasen) entwickeln können.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Die Häufigkeit der Entstehung wurde anhand langjähriger wissenschaftlicher Analysen ermittelt. Dabei sind eine Reihe von Risikofaktoren identifiziert worden, die mit einer deutlichen Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Darmkrebs einhergehen.
Darmpolypen als Vorstufen des Darmkrebs
Polypen der Darmschleimhaut (sog. Adenome) gelten als Vorstufen eines Darmkrebses. Diese Polypen besitzen unterschiedliche Entwicklungsstufen mit unterschiedlicher Aggressivität, die vom Pathologen eingeschätzt werden können. Obwohl nicht alle Polypen zu Darmkrebs führen, ist beim Vorliegen von Polypen das Risiko seiner Entstehung stark erhöht. Darmkrebs ohne diese Vorstufen ist sehr selten. Daher kann durch die Entfernung aller Polypen im Darm im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen das Risiko für Darmkrebs massiv verringert werden.
Mit dem Alter nimmt Darmkrebs zu
Die Häufigkeit von Darmkrebs nimmt sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit zunehmendem Alter zu. Beim sogenannten spontanen Darmkrebs (d.h. nicht durch erbliche Belastung bedingt) tritt Darmkrebs in der Regel nach dem 50. Lebensjahr auf. Daher gelten die Vorsorgebemühungen ab diesem Alter.
Darmkrebs und Ernährung
Das Erkrankungsrisiko für Darmkrebs wird im Wesentlichen ernährungsbedingt beeinflusst. Risikofaktoren sind ein hoher Konsum besonders tierischen Fetts, ein zu geringer Konsum von frischem Obst und Gemüse sowie bestimmter Vitamine und Spurenelemente. Darüber hinaus gelten Bewegungsmangel, das Rauchen und Alkoholkonsum zu den Faktoren, die das Darmkrebsrisiko erhöhen.
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Eine Risikogruppe für Darmkrebs bilden Patienten, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn leiden.
Bei der Frage nach erblichen Faktoren müssen derzeit zwei verschiedene Aspekte berücksichtigt werden: Bei familiär gehäuftem Auftreten von Darmkrebs werden genetische Faktoren vermutet. Diese konnten bisher jedoch (noch) nicht nachgewiesen werden. Diese Gruppe umfasst 20 bis 25 Prozent aller Darmkrebserkrankungen. In diesen Familien besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Für Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) von Patienten mit Darmkrebs ist das Risiko zwei- bis dreifach erhöht. Eine weitere Risikosteigerung besteht, wenn bei dem erkrankten Familienmitglied der Krebs vor dem 60. Lebensjahr aufgetreten ist. Von den Familienangehörigen sollten die Vorsorgeprogramme daher mit besonderer Sorgfalt wahrgenommen werden. Daneben gibt es erbliche Formen von Darmkrebs. Dies sind Darmkrebsformen, bei denen die ursächlichen Genveränderungen bekannt und nachweisbar sind. Bei etwa 5 bis 8 Prozent aller Darmkrebsfälle handelt es sich um einen erblichen Darmkrebs. Dazu gehören z.B. die nicht polypöse erbliche Darmkrebsform (HNPCC oder Lynch-Syndrom) und die Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP). Weitere erbliche Formen sind bekannt, treten jedoch sehr selten auf. Für diese Familien wird eine humangenetische Beratung empfohlen. Weitere Informationen finden Sie im Verbundprojekt „Familiärer Darmkrebs“ der Deutschen Krebshilfe.
Vorsorge
Im Unterschied zu vielen anderen Krebserkrankungen gibt es bei Darmkrebs die einmalige Chance, die Krankheit durch Vorsorgemaßnahmen weitgehend zu verhindern oder sie in einem so frühen Stadium zu entdecken, dass sie geheilt werden kann. Ein früh entdeckter Darmkrebs, der nicht in die tieferen Darmwandschichten eingewachsen ist und sich noch nicht auf andere Organe ausgebreitet hat, ist heute zu 90 bis 100 Prozent heilbar.
Vorsorgeuntersuchungen
Ab dem 50. Lebensjahr sollten alle Personen zur Darmkrebsvorsorge gehen. Dabei stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl. Die Fachgesellschaft empfiehlt eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie), die bei unauffälligem Befund alle zehn Jahre wiederholt werden soll. Durch die direkte Möglichkeit zur Inspektion des gesamten Darms, der Entnahme von Gewebeproben und unmittelbaren Möglichkeit zur Entfernung von Krebsvorstufen (Polypen) führt diese Untersuchungstechnik mit Abstand zu den besten Vorsorgeergebissen. Für Patienten, die keine Darmspiegelung wollen, empfiehlt sich ein jährlicher Test auf Blut im Stuhl (Hämoccult®-Test). Alternativ kann auch eine Spiegelung des Enddarms (Sigmoidoskopie) alle fünf Jahre durchgeführt werden, bei der circa 30-40% der Darmtumoren entdeckt werden können. Technisch möglich (aber sehr aufwendig) sind inzwischen bildgebende Verfahren (virtuelle Koloskopie), bei denen aus nichtinvasiven Schnittbildverfahren (Computertomographie oder Magnetresonanztomographie) Bilder aus dem Darm berechnet werden. Die Aussagekraft dieser Verfahren ist derzeit noch nicht so hoch wie bei der Koloskopie.
Ernährung
In den letzten Jahren haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass das Entstehen von Darmkrebs auch durch westliche Ernährungs- und Lebensgewohnheiten begünstigt wird. Daher können ein gesunder Lebensstil und eine gesunde Ernährung helfen, Darmkrebs zu verhindern.
FAP
Bei der familiären Polyposis ist aufgrund des eindeutigen Bildes bei der Darmspiegelung mit zahlreichen Polypen der Darmschleimhaut sicher feststellbar, welche Angehörigen einer FAP-Familie betroffen sind. Da bei dieser Form des erblichen Darmkrebses praktisch immer im Laufe des Lebens mit der Entwicklung eines Darmkrebs zu rechnen ist, wird in der Regel den Betroffenen eine operative Entfernung des Dickdarms empfohlen. Der geeignete Zeitpunkt für diese Operation muss in Zusammenarbeit mit Humangenetikern und Chirurgen festgelegt werden. Darüber hinaus sind regelmäßige Untersuchungen der Augen sowie des oberen Magen-Darm-Trakts notwendig, da auch hier pathologische Veränderungen auftreten können.
HNPCC
Wenn aufgrund des Familienstammbaums und der bei einem Patienten mit Darmkrebs gefundenen Untersuchungsergebnisse (so genannter Indexpatient) der Verdacht besteht, dass eine erbliche Darmkrebsform vorliegt, werden nach humangenetischer Beratung molekulare Untersuchungen veranlasst. Durch diese Untersuchungen kann meistens festgestellt werden, welcher Gendefekt vorliegt. Für HNPCC-Patienten und deren Familien gibt es ein besonderes Krebsvorsorge- und Früherkennungsprogramm. Dieses muss lebenslang durchgeführt werden, um dem erhöhten Krebsrisiko in HNPCC-Familien wirkungsvoll zu begegnen. Dies gilt auch dann, wenn bereits einmal Darmkrebs entdeckt und mittels Operation entfernt wurde.
Früherkennung von Darmkrebs
Symptome
Die Symptome bei Darmkrebs sind oft wenig ausgeprägt und uncharakteristisch. Darmtumoren wachsen langsam. Sie können beginnend mit der ersten Krebszelle bis zum Auftreten von Symptomen bereits ein Jahrzehnt unbemerkt gewachsen sein.
Folgende Warnzeichen sollten Sie dazu veranlassen, den Darm untersuchen zu lassen:
- Anhaltende Veränderungen der Art und Häufigkeit der Stuhlentleerung, die nicht mit einer Änderung der äußeren Lebensumstände erklärbar sind, sind das häufigste Symptom bei Darmkrebs. Dies gilt vor allem, wenn diese allmählich bei Personen ab 40 auftreten. Einige Erkrankte leiden an Verstopfung oder Durchfall, wobei die Beschwerden entweder lang anhaltend oder wechselhaft auftreten.
- Sichtbare Blutspuren im Stuhl sind ein Warnzeichen. Unsichtbare Blutbeimengungen lassen sich mit einem einfachen Test (Hämoccult®-Test) nachweisen.
- Im Verlauf der Erkrankung können Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Blutarmut (Anämie) dazukommen. Vor allem große Tumoren, die das Darmvolumen stark einengen, können Schmerzen verursachen.
Mit Hilfe regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen kann die Erkrankung rechtzeitig aufgespürt werden, dann sind die Heilungschancen sehr gut. Eine wichtige Aufgabe der Darmkrebsvorsorge ist es auch, die Vorstufen von Darmkrebs, so genannte Darmpolypen, zu entdecken.
Polypen
Darmpolypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut. In diesen Polypen kommt es häufig zu einer Ansammlung von Zellveränderungen und genetischen Störungen, die als Vorstufen von Darmkrebs anzusehen sind. Wenn im Rahmen von Darmspiegelungen derartige Polypen gefunden werden, sollten diese nach Möglichkeit endoskopisch entfernt werden. Für die Entfernung stehen verschiedene Techniken zur Verfügung. Kleine Polypenknospen können mit einer Biopsiezange entfernt werden. Größere Polypen werden entweder mit einer elektrischen Drahtschlinge abgetragen. Bei sehr großen und flächig aufsitzenden Polypen ist manchmal eine endoskopische Entfernung größerer Schleimhautabschnitte (Mukosaresektion) notwendig.
Klinische Kriterien für HNPCC
Es gilt ein HNPCC als sehr wahrscheinlich, wenn bei der Analyse des Familienstammbaumes mindestens zwei der folgenden Kriterien zutreffen:
- mindestens drei Angehörige der Familie haben oder hatten Krebs an folgenden Organen: Dickdarm oder Mastdarm, Gebärmutter, Dünndarm, Nierenbecken oder Harnleiter
- einer davon ist Verwandter ersten Grades der beiden anderen
- mindestens zwei aufeinander folgende Generationen sind oder waren von einer solchen Krebserkrankung betroffen
- mindestens einer der Erkrankten ist oder war bei Diagnosestellung jünger als 50 Jahre
- eine Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP) ist ausgeschlossen
Da das klinische Bild einer Familiären Polyposis eindeutig ist, richtet sich die Aufmerksamkeit bei diesen Patienten auf das Vorsorgeprogramm.
Seltene Formen von erblichem Darmkrebs erfordern spezielle Betreuungsprogramme der Betroffenen, die im Rahmen einer humangenetischen Beratung besprochen werden müssen.
Ziele der Diagnostik
Der Verdacht auf das Vorliegen eines Darmkrebses wird vor allem gestellt, wenn veränderte Stuhlgangsgewohnheiten, ungewollte Gewichtsabnahme oder Blut im Stuhl auftreten. Die nachfolgende Diagnostik wird teilweise vom Hausarzt und teilweise von spezialisierten Einrichtungen vorgenommen. Dabei geht es um folgende Fragen:
- Untersuchung von Gewebeproben aus verdächtigen Bereichen (so genannte histologische Sicherung) mit Feststellung der Art des Krebses und seines Wachstumsmusters (Grading)
- Untersuchung des Ausbreitungsverhaltens des Tumors (Nachbarorgane, Lymphknotenbefall, Tochtergeschwülste in anderen Organen)
- Verträglichkeit und technische Durchführbarkeit von möglichen Therapien
Um diese Fragen zu beantworten, sind unterschiedliche Techniken erforderlich.
Krankheitsgeschichte
Zunächst wird eine Befragung und körperliche Untersuchung vorgenommen. Dabei sind Angaben zu Beschwerden, zum Auftreten bisheriger Tumorerkrankungen beim Betroffenen und in dessen Familie, sowie zu anderen vorliegenden Begleiterkrankungen wichtig. Zur körperlichen Untersuchung gehört immer eine Austastung des Mastdarms.
Apparative Diagnostik
- Darmspiegelung (Koloskopie) des gesamten Dickdarms mit Gewebeprobe (Biopsie). Wenn diese nicht komplett durchführbar ist, nochmalige Spiegelung innerhalb von sechs Monaten nach Operation
- eventuell virtuelle Koloskopie mit Computertomographie
- zusätzlich bei Mastdarmkrebs: Mastdarmspiegelung (Rektoskopie) mit Gewebeprobe (Biopsie) und Ultraschall der Darmwand (Endosonographie), ggf. Messung der Schließmuskelfunktion (Manometrie)
- Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes, insbesondere der Leber
- Hochauflösende Computertomographie (Spiral-CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Bauch- und Beckenraumes
- Röntgenaufnahme oder Computertomographie des Brustkorbs (Röntgen-Thorax, CT-Thorax)
- Laborwert des Tumormarkers CEA im Blut
