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UKM
Hirntumorzentrum

Was sind Hirntumoren?

Zu den primären Tumoren des Gehirns und Rückenmarks gehören alle gut- und bösartigen Geschwülste, die im zentralen Nervensystem entstehen. Sie bilden sich im Gehirngewebe bzw. in der Rückenmarksubstanz selbst oder gehen von den sie schützend umgebenden Hirnhäuten aus.  Haben Tumoren ihren Ursprung in den im Schädelinnern gelegenen Hirnnerven oder den in der Wirbelsäule liegenden Nervenwurzeln des Rückenmarks, gehören sie bereits zu den Geschwülsten des peripheren Nervensystems. Die Diagnose eines Hirntumors bedeutet einen starken Einschnitt im Leben. Allerdings ist nicht jeder Hirntumor gleich und die Prognose hängt stark von der Art des Tumors, seinem Wachstumsverhalten (WHO-Gradierung), der Therapie und dem Therapieansprechen ab.

Besonderheiten von Hirntumoren

Gibt es auslösende Faktoren für Hirntumoren?

Nur bei wenigen Krebserkrankungen sind auslösende Faktoren bekannt, die zu ihrer Entstehung beitragen können: Lungenkrebs betrifft überwiegend Raucher und für den Kehlkopfkrebs sind Tabakrauch und hochprozentige alkoholische Getränke mitverantwortlich. Für Hirntumoren lassen sich bisher noch keine eindeutigen Ursachen benennen. Weder eine familiäre Veranlagung noch die Lebensführung oder seelische Belastungen stehen mit der Entstehung von Hirntumoren in eindeutigem Zusammenhang. Somit sind auch präventive Maßnahmen zur Verhinderung eines Hirntumors nicht möglich.

Wie unterscheiden sich gutartige von bösartigen Hirntumoren?

Grundsätzlich sind gutartige („benigne“) von bösartigen („malignen“) Hirntumoren zu unterscheiden. Gutartige Tumoren sind dadurch gekennzeichnet, dass sie meist langsam wachsen und das umgebende Gewebe vor allem durch zunehmenden Druck schädigen. Bösartige Tumoren zeichnen sich durch ein schnelles Wachstum mit der Fähigkeit zum Eindringen in gesundes Gewebe („infiltrierendes Wachstum“) aus.

Die Art des Tumors bestimmt wesentlich den Verlauf der Krankheit. Gutartige Hirntumoren sind in der Regel kurativ zu behandeln und haben häufig eine gute Prognose. Bösartige Hirntumoren haben eine schlechtere Prognose. Mit den neuen Therapien lassen sich aber viele der bösartigen Hirntumoren so behandeln, dass der Tumor nicht weiterwächst oder sich sogar zurückbildet. Manche bösartigen Hirntumoren können geheilt werden, bei anderen kann der Krankheitsverlauf um mehrere Jahre verzögert werden.

Warum sind Hirntumoren anders als andere Tumoren?

Eine Besonderheit des zentralen Nervensystems (ZNS) ist seine gut geschützte Lage innerhalb des Schädels bzw. des Rückenmarkkanals. Beides stellt eine sehr stabile Hülle dar, die einem wachsenden Tumor nur bedingt Raum lässt. Jedes Wachstum innerhalb des Schädels oder des Rückenmarks führt daher zu Druck auf die Nervenstrukturen und damit zu Ausfallerscheinungen im Nervensystem („Hirndruck“). Dabei spielt es keine Rolle, ob der Druck durch einen gutartigen oder bösartigen Hirntumor verursacht wird. Die klinischen Symptome, die sich zeigen, können sich deshalb sehr ähneln.  Eine weitere Besonderheit von hirneigenen Tumoren liegt darin, dass sie so gut wie nie zu Absiedlungen („Metastasen“) in andere Organe führen. Im Gegensatz dazu gibt es aber zahlreiche Tumorarten, deren Metastasen im Gehirn wachsen, wie z.B. beim Brustkrebs oder Lungenkrebs.

Symptome

Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit

Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit sind als Krankheitszeichen unspezifisch und können allgemein bei schweren Erkrankungen auftreten. Bei Patienten mit einem Hirntumor können diese Symptome aber auch Ausdruck einer Schädigung des Frontalhirns sein.

Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen

Auch wenn eines der häufigsten Frühsymptome bei Gehirntumoren Kopfschmerzen sind, so ist umgekehrt in den seltensten Fällen als Ursache für Kopfschmerzen ein Hirntumor zu finden. Kopfschmerzen bei Hirntumoren treten typischerweise nachts oder in den frühen Morgenstunden  auf und bessern sich im Laufe des Tages. Sie können in relativ kurzer Zeit an Stärke zunehmen und sind nicht selten mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Für die meisten Patienten sind diese Beschwerden neu und anders als die bisher erlebten Kopfschmerzen. Neu auftretende, ungewohnte oder ungewohnt starke Kopfschmerzen, die nicht nach einiger Zeit von selbst verschwinden, sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden. 

Sehstörungen

Sehstörungen können Anzeichen für einen erhöhten Hirndruck sein oder durch die Lokalisation des Tumors selbst ausgelöst werden. Als Symptome treten Flimmern vor den Augen, Gesichtsfeldausfälle oder die Wahrnehmung von Doppelbildern auf. Gleichzeitig können Schwindel, Gleichgewichtsstörungen sowie Übelkeit und Erbrechen vorkommen.

Epileptische Anfälle

Bei einigen Patienten treten als erste Symptome eines Tumors epileptische Anfälle auf. Der Anfall kann aus völligem Wohlbefinden heraus  auftreten. Manchmal geht eine so genannte „Aura“ voraus, bei der der Betroffene ungewohnte, besondere Wahrnehmungen hat. Es kann auch zu Empfindungsstörungen oder Zuckungen einer Extremität oder Körperseite kommen („fokale Anfälle“). Kurze Episoden geistiger Abwesenheit können auftreten, in denen die Patienten immer wieder die gleichen Bewegungen durchführen („komplex-fokale Anfälle“). Breitet sich die Krampftätigkeit im Gehirn aus, so kann es zu Stürzen und Bewusstlosigkeit sowie unwillkürlichen Zuckungen von Armen oder Beinen kommen („generalisierter epileptischer Anfall“).

Lähmungserscheinungen und Empfindungsstörungen

Störungen der Bewegungsfähigkeit oder der Empfindungsfähigkeit allein sind bei Hirntumoren, insbesondere im Frühstadium, eher selten, können aber vorkommen und je nach Lokalisation eine Extremität oder eine Körperseite betreffen.  Bei Tumoren im Bereich des Rückenmarks kann es zu einer Querschnittssymptomatik kommen, bei der in Abhängigkeit von der Höhe des Prozesses eine Atemstörung, eine Lähmung aller Extremitäten oder eine Lähmung der Beine ggf. mit Blasen- und Mastdarmstörungen auftreten können.

Psychische Veränderungen

Psychische Veränderungen und Wesensveränderungen können direkte Folge des Tumorleidens sein. Diese fallen eher Freunden und Angehörigen auf als dem betroffenen Patienten selbst.

Schmerzen

Schmerzen sind, abgesehen von Kopfschmerzen, keine typischen Symptome eines Hirntumors. Treten sie jedoch auf, sollten Sie möglichst früh wirksam behandelt werden.

Tumorarten

Welche hirneigenen Tumore kommen häufiger vor?

Meningeome entwickeln sich aus dem Gewebe, das das Hirngewebe umgibt, der so genannten Hirnhaut bzw. den Meningen. Diese Tumore kommen überwiegend bei Menschen im mittleren oder höheren Lebensalter vor. Aufgrund des normalerweise sehr langsamen und verdrängenden Wachstums von Meningeomen können diese sehr groß werden, bevor sie diagnostiziert werden. Symptome treten erst dann auf, wenn Druck auf angrenzende Strukturen des Gehirns ausgeübt wird. Die Mehrzahl der Meningeome wird als gutartig klassifiziert. Bösartig wachsende  Meningeome kommen nur in seltenen Ausnahmefällen vor, jedoch ist im Verlauf der Entwicklung eine Entartung, also ein Übergang vom gutartigen zum bösartigen Charakter, beobachtet worden. Ein Meningeom, das  zunächst nicht behandlungsbedürftig ist, sollte daher in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Behandlungsdürftige Meningeome werden in Abhängigkeit von der Ausdehnung und Lokalisation der Tumoren einer Operation oder Strahlentherapie zugeführt.   Neurinome entstehen aus Zellen, die die Nervenscheiden im peripheren Nervensystem bilden, den so genannten Schwann’schen Zellen. Sie betreffen am häufigsten den Gehör- und Gleichgewichtsnerv und werden dann als Akustikusneurinome bezeichnet. Neurinome sind ganz überwiegend gutartig und können operativ oder radiotherapeutisch behandelt werden. 

Hypophysenadenome entstehen  im Bereich der Hirnanhangdrüse, der Hypophyse. Wegen ihrer räumlichen Nähe zum Sehnerv bzw. der Sehnervenkreuzung treten als erste Symptome häufig Sehstörungen auf. Manche Hypophysenadenome  produzieren die gleichen Hormone wie die Hirnanhangsdrüse selbst. In diesen Fällen kann es sein, dass die Erkrankung vor allem durch hormonelle Störungen, wie Menstruationsstörungen oder Wachstumsstörungen, gekennzeichnet ist. Hypophysenadenome sind überwiegend gutartig, und die entstandenen Symptome lassen sich mit einer operativen Entfernung des Tumors häufig endgültig beseitigen. Gliome sind die häufigsten hirneigenen Tumore; sie entstammen den Stützzellen des Hirngewebes, den so genannten „Gliazellen“. Von diesen Zelltypen leiten sich verschiedenartige Tumoren ab, z.B. Astrozytome, Oligodendrogliome oder Mischformen aus  beiden Zellarten. Die Gliome werden nach international gültigen Kriterien, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt wurden und die das unterschiedliche Wachstumsverhalten  bzw. die  Aggressivität  beschreiben,  in  verschiedene Grade  eingeteilt.  Die Graduierung reicht von WHO I (gutartiges Verhalten mit relativ langsamem Wachstum) bis WHO  IV (bösartiges Verhalten mit sehr aggressivem Zellwachstum). Als bösartigste Form wird das Glioblastom („Glioblastoma multiforme“) angesehen, ein Tumor, der durch ein besonders rasches und aggressiv infiltrierendes Wachstum gekennzeichnet ist. Die Behandlung der Gliome richtet sich nach der WHO-Gradierung. Neben der Operation kommen die Strahlentherapie und/ oder Chemotherapie zur Anwendung.

Medulloblastome sind Tumore, die fast ausschließlich im Kindes- und Jugendalter auftreten. Es sind Tumoren des Kleinhirns, die sich insbesondere durch Koordinationsstörungen und eine Stand- und Gangunsicherheit bemerkbar machen. Aufgrund ihrer Lage kann es zu einer Nervenwasserabflussstörung kommen, die eine akute Hirndrucksteigerung mit entsprechender klinischer Symptomatik zur Folge haben kann. Obwohl es sich beim Medulloblastom um einen sehr bösartigen Tumor handelt, sind die Therapiemöglichkeiten inzwischen so weit vorangeschritten, dass jedes zweite der betroffenen Kinder mit einer Kombination von Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie geheilt wird.

Welche nicht hirneigenen Tumore gibt es?

Hirnmetastasen sind Absiedelungen von Tumoren, die zuerst in anderen Organen auftreten (z.B. Brust, Lunge, Haut, Niere). Manchmal ist die Hirnmetastase der erste Manifestationsort eines solchen Tumors.  Es können einzelne oder mehrfache Absiedelungen im Gehirn auftauchen. Das biologische Verhalten dieser Hirnmetastasen ähnelt weitgehend dem des Primärtumors. Die Therapie richtet sich einerseits nach den Behandlungsgrundsätzen des Primärtumors, andererseits kommen lokale Therapieverfahren der Hirnmetastasen, insbesondere eine Strahlentherapie und/ oder Operation zur Anwendung.  Lymphome stammen nicht von Geweben des Hirns, sondern vom lymphatischen System, dem Abwehrsystem des Körpers, ab. Diese Tumore können im Gehirn ebenso wie in allen anderen Körperregionen entstehen. ZNS-Lymphome werden in erster Linie mit einer aggressiven Chemotherapie behandelt.

Untersuchungen

Für die Diagnosestellung eines Hirntumors ist eine Reihe von Untersuchungen erforderlich. 

Krankengeschichte und körperliche Untersuchung:

Zu Beginn steht eine ausführliche Befragung zur Krankheitsgeschichte. Dabei sind Angaben zu Beschwerden, zum Auftreten bisheriger Tumorerkrankungen beim Betroffenen und in dessen Familie, sowie zu anderen vorliegenden Begleiterkrankungen wichtig.  Es schließt sich eine allgemeine körperliche Untersuchung und eine klinisch-neurologische Untersuchung an. Diese gibt erste Hinweise auf den Ort und das Ausmaß der Schädigung im zentralen Nervensystem. Sie ist auch zur Beurteilung späterer Folgen von Tumorprogression und Therapie von großer Bedeutung.

Apparative Diagnostik:

Bei klinischem Verdacht auf einen Hirntumor wird eine Computer- oder Kernspintomographie (MRT-Untersuchung) ohne und mit Kontrastmittelgabe durchgeführt. Die MRT ist bei Beachtung ihrer Kontraindikationen die Methode der Wahl, da sie das Hirngewebe und die Lokalisation des Tumors sehr genau und in verschiedenen Schnittführungen darstellen kann. Sie wird in der Regel mit einem standardisierten Protokoll mit ergänzenden spezifischen MRT-Sequenzen (z.B. Perfusions- und Diffusionssequenzen) durchgeführt. Zusätzlich dienen die Aufnahmen zur differentialdiagnostischen Einordnung (Tumor vs. Entzündung, Abszess, Lymphom, Metastase), Einschätzung der Malignität oder aber auch im Verlauf der Erkrankung zur Einschätzung des Therapieansprechens bzw. Therapieversagens. Die Computertomographie ist in der Notfalldiagnostik schneller verfügbar und in der Regel ausreichend; zudem ist sie deutlich besser zum Nachweis von Verkalkungen geeignet.  Neben der MRT werden sehr häufig nuklearmedizinische Untersuchungen, die so genannte Positronenemissionstomographie („PET“) mit kurzlebigen radioaktivmarkierten Aminosäuren z.B. 11C-Methionin („MET-PET“) oder 18-Fluorethyltyrosin („FET-PET") durchgeführt. Mit Hilfe der Aminosäure-PET können stoffwechselaktive Tumoranteile, zystische Areale oder Nekrosen von gesundem Hirngewebe differenziert werden. Die Spezifität der MET- und FET-PET ist für die Markierung der Tumorkonturen und die Differenzierung Rezidivtumor vs. Strahlennekrose im Vergleich zur MRT höher. Außerdem wird das Aminosäure-PET genutzt, um frühzeitig eine weitere Malignisierung des Tumors (Übergang von einem niedriggradigen langsam wachsenden Gliom zu einem hochgradigen Gliom mit hoher Proliferationsaktivität) festzustellen.  Die Informationen aus den MRT- und PET-Untersuchungen werden auch für die weitere Therapieplanung genutzt. Dazu zählen die Definition des präoperativen Tumorvolumens, die Planung stereotaktischer Biopsien und die Zielvolumenberechnung bei der Strahlentherapie.  In ausgewählten Fällen z.B. bei Meningeomen wird auch eine konventionelle Angiographie (DSA) zur Darstellung der Gefäßversorgung des Tumors durchgeführt. Dabei wird über einen Katheter ein Röntgenkontrastmittel  in die hirnversorgenden Gefäße injiziert. Über den gleichen Zugang können auch Tumorgefäße  dauerhaft mittels Tumorembolisation verschlossen werden. 

EEG:

Das EEG dient als Indikator der Krampfbereitschaft und ist bei symptomatischen Anfällen für die weitere Therapieplanung hilfreich.

Lumbalpunktion:

Bei Verdacht auf eine Aussaat von Tumorzellen in das Nervenwasser (Liquor) wird eine sog. Lumbalpunktion vorgenommen. Die Probenentnahme erfolgt unterhalb des Rückenmarks, so dass  das Rückenmark nicht verletzt werden kann. Dabei wird im unteren Bereich der Wirbelsäule eine feine Nadel zwischen zwei Wirbeln durch die harte  Rückenmarkhaut hindurch in den  Liquorraum eingeführt und eine Probe entnommen. Mit einer Untersuchung des Liquors kann man erkennen, ob sich Tumorzellen gelöst und im Rückenmarkskanal verteilt haben. Eine solche „meningeale Aussaat“ lässt für manche Tumoren Rückschlüsse auf das Stadium zu und hat entsprechende Konsequenzen für die Planung der Therapie.

Hirnbiopsie:

Die apparativen Untersuchungen allein lassen noch keine Artdiagnose des Tumors zu. Hierzu ist die Entnahme von Tumorgewebe (Biopsie) erforderlich, das anschließend in der Neuropathologie feingeweblich (histologisch) oder auch molekularbiologisch untersucht und beurteilt wird. Diese Untersuchung wird meist im Rahmen der Operation durchgeführt. Die Biopsie ist aber bei diffus wachsenden oder schwer zugänglichen Prozessen manchmal auch zur weiteren Behandlung schon vor oder statt der Tumorresektion notwendig. Dann wird mit einer sehr feinen Nadel eine Probe aus dem verdächtigen Areal entnommen. Die Biopsie wird entweder nach Eröffnung der Schädeldecke („offene Biopsie“) oder über ein kleines Bohrloch nach Fixierung des Kopfes in einem so genannten Stereotaxie-Rahmen („stereotaktische Biopsie“) durchgeführt. Letztere kann auch in örtlicher Betäubung („Lokalanästhesie“) vorgenommen werden.

Neben der histologischen Diagnostik spielen in der modernen Neuroonkologie molekulare Marker eine immer wichtigere Rolle. Diese können zur Prognoseabschätzung, aber auch zur Abschätzung des Ansprechens einer Chemo- oder Strahlentherapie herangezogen werden. In klinischen Studien werden diese Marker zunehmend dafür verwendet, Patienten in bestimmte Behandlungsgruppen zu unterteilen. Bei der molekularen Klassifikation der Gliome werden aktuell drei Marker herangezogen: der gleichzeitige Verlust genetischen Materials auf dem kurzen Arm des Chromosoms 1 und des langen Arms des Chromosoms 19 („1p/19q-Kodeletion“), der Aktivierungszustand eines Genabschnitts, der für die Bildung eines bestimmtes Reparaturenzyms, der so genannten Methyl-Guanin-Methyl-Transferase („MGMT“) zuständig ist, sowie eine spezifische Veränderung im Gen der so genannten Isozitrat-Dehydrogenase („IDH1-Mutation“).

Behandlungsmöglichkeiten

Welche Behandlungsmöglichkeiten kommen in Frage?

Die Therapie wird von der Art und der Ausdehnung des Tumors bestimmt. Während bei gutartigen Tumoren oft schon die alleinige Operation für die Heilung ausreicht, ist für die Behandlung bösartiger Tumoren häufig eine multimodale Therapie, d.h. die kombinierte Anwendung verschiedener Therapieverfahren, erforderlich, um ein weiteres Wachstum oder ein erneutes Auftreten des Tumors, ein so genanntes „Tumorrezidiv“, zu vermeiden.  Die Therapieplanung  richtet sich in der Regel nach den Leitlinien und Empfehlungen der ärztlichen Fachgesellschaften, beruht aber gelegentlich auch auf Einzelfallentscheidungen. Grundsätzlich werden das individuelle Therapiekonzept und die Reihenfolge der einzelnen Behandlungsschritte in der interdisziplinären neuroonkologischen Tumorkonferenz festgelegt. Zum Therapieerfolg tragen sicher auch die ausführliche Aufklärung über die Behandlung, Prognose, zu erwartende Nebenwirkungen und Risiken bei. Dabei ist es wichtig, einen festen Ansprechpartner zu haben, der die Therapie im Einzelfall koordiniert.

Wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte oder ein hohes Rezidivrisiko besteht, wird in der Regel im Anschluss an die Operation eine Nachbehandlung durchgeführt. In den meisten Fällen wird es sich dabei um eine Bestrahlung handeln. Einige Tumore sprechen auch gut auf eine Chemotherapie an, die allein oder in Kombination mit einer Bestrahlung durchgeführt wird.

Nachsorge

Die Nachsorge ist ein essentieller Bestandteil der Therapie und des Therapieerfolges.  Ziel ist es, den Patienten in regelmäßig Abständen klinisch zu untersuchen und eine Verlaufs-Bildgebung (z.B. MRT, PET) durchzuführen. Die Abstände der Nachkontrollen richten sich nach der aktuellen Therapie und der Bösartigkeit des Tumors. Diese sind zwingend notwendig, um auf etwaige Veränderungen frühzeitig reagieren zu können und alternative Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen. Das weitere Vorgehen wird wiederum in der interdisziplinären neuroonkologischen Konferenz abgestimmt. 

Zur besseren Übersicht erhält jeder Patient einen Patientenordner, in dem wichtige Unterlagen abgelegt werden sollten, damit sie im Notfall schnell zur Hand sind. Dieser dient auch dazu, den Verlauf der Erkrankung und der Therapie zu dokumentieren. Außerdem werden. Therapiepässe ausgegeben, in denen z.B. die Beschwerden oder Nebenwirkungen einer Therapie oder die Ergebnisse einzelner Untersuchungen (z.B. der regelmäßige Blutbildkontrollen) eingetragen werden können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine gute Interaktion mit dem Hausarzt und niedergelassenen Onkologen, die frühzeitig mit in das Therapiekonzept einbezogen werden sollten.

Psychosoziale/ psychoonkologische Betreuung

Psychosoziale Belastungen und Störungen, die sich nicht nur auf den Patienten beschränken sondern auch nahe Angehörige mit einbeziehen können, sind bei Hirntumorpatienten häufig. Meistens äußern sie sich in Form von Ängsten, gedrückter Stimmung, Stimmungsschwankungen oder sozialem Rückzug. Da die psychoonkologische Unterstützung von Patienten und ihren Angehörigen für uns ein unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung von Hirntumorpatienten ist, scheuen sie sich nicht, auch von sich aus solche Probleme anzusprechen. Bei Feststellung einer  behandlungsbedürftigen psychischen Miterkrankung ist eine qualifizierte und angemessene psychotherapeutische bzw. psychoonkologische und ggf. medikamentöse Mitbehandlung indiziert, die in der Regel durch speziell ausgebildete Ärzte oder Psychologen durchgeführt wird.

Rehabilitation

Während und vor allem nach Abschluss der tumorspezifischen Therapie eines Tumors des Zentralnervensystems ist die Indikation zu einer Rehabilitation zu prüfen. Art und Ausmaß der Rehabilitationsmaßnahmen hängen nicht nur vom neurologischen Zustand, sondern auch von Alter und Lebenssituation des Patienten und dem zu erwartenden biologischen Verhalten des Tumors ab. Je nach Rehabilitationsbedürftigkeit kommt eine stationäre, teilstationäre oder ambulante Rehabilitation im Anschluss an die Primärbehandlung in Frage. Dabei stehen zunächst Rehabilitationsmaßnahmen im Vordergrund, die auf die Verbesserung der neurologischen und neuropsychologischen Defizite abzielen. Die besondere Situation des Patienten als Hirn"- und „Tumor"-Kranker muss im Mittelpunkt der Rehabilitationsbemühungen stehen. Diese Maßnahmen werden über den Sozialdienst eingeleitet, der auch bei der Organisation von häuslichen Hilfsmitteln, wie z.B. Pflegebett o.ä. unterstützt.

Palliative Maßnahmen

In fortgeschrittenen Stadien der Tumorerkrankung sind spezifische Maßnahmen gegen die Tumorerkrankung nicht mehr angezeigt. Vielmehr ist eine kompetente palliativmedizinische Betreuung erforderlich, die ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität sicherstellt. Grundlegend ist dabei, auftretende Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Krampfanfälle zu lindern. Hierbei kommen Schmerzmitteln, Kortikosteroiden, Antiemetika und Antikonvulsiva ggf. auch eine Flüssigkeitssubstitution zum Einsatz. Vor allem in der Endphase der Erkrankung, insbesondere bei zunehmendem Hirndruck, ist die Gabe von Opiaten indiziert, die regelmäßig und in ausreichender Dosierung gegeben werden sollten. Bei Unruhezuständen kann auch der Einsatz von Beruhigungsmitteln („Sedativa“) notwendig werden. Die Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen hat in dieser Situation Vorrang vor den möglichen Nebenwirkungen dieser Medikamente. Gleichwertig neben den Maßnahmen der Symptomkontrolle steht die intensive psychosoziale Unterstützung sowohl der Patienten als auch der pflegenden Angehörigen. Dazu gehören die Organisation der häuslichen Versorgung, die Hilfsmittelversorgung, das Einbinden palliativmedizinisch spezialisierter Ärzte, Pflegedienste und Hospizhelfer oder ggf. die Einweisung auf eine Palliativstation oder in ein stationäres Hospiz.

Aktuelle Studien & Links

Aktuelle Studien

In den letzten Jahren haben große klinische Studien zu einer wesentlichen Verbesserung der Behandlung von Hirntumoren beigetragen.
Um auch künftig weitere Therapiefortschritte zu erzielen, ist die Überprüfung neuer vielsprechender Medikamente in klinischen Studien erforderlich.

Gerne sprechen wir mit Ihnen über neue Therapieentwicklungen und die Möglichkeiten, an klinischen Studien in unserem Zentrum teilzunehmen. Eine Übersicht der aktuellen Studien Sie hier.