Grüner Star/Glaukom | Ihre Behandlung am Universitätsklinikum Münster
Das Glaukom, im Volksmund auch als „Grüner Star“ bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung des Sehnervs und zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für eine bleibende Sehverschlechterung bis hin zur Erblindung.
Da die Erkrankung lange Zeit ohne Beschwerden verläuft, ist die frühzeitige Diagnose entscheidend, um das Sehvermögen dauerhaft zu erhalten.
Ein Glaukom ist durch eine fortschreitende Schädigung des Sehnervs (Nervus opticus) gekennzeichnet. Dabei kommt es zu einem kontinuierlichen Verlust von Nervenfasern.
Diese Veränderungen zeigen sich am Sehnervenkopf als zunehmende Aushöhlung (Papillenexkavation).
Im weiteren Verlauf entstehen:
- Gesichtsfeldausfälle
- Einschränkungen des peripheren Sehens
- im Spätstadium ein sogenannter „Tunnelblick“
Formen des Glaukoms
Man unterscheidet verschiedene Glaukomformen. Die wichtigsten sind:
Offenwinkelglaukom
- häufigste Form
- Kammerwinkel ist offen
- schleichender Verlauf
Engwinkelglaukom
- verengter oder blockierter Kammerwinkel
- kann zu einem akuten Glaukomanfall führen (Notfall)
Normaldruckglaukom
- Schädigung des Sehnervs trotz normalem Augeninnendruck
Wie entsteht ein Glaukom?
Ein zentraler Faktor ist der Augeninnendruck (Intraokulardruck). Dieser entsteht durch das Gleichgewicht zwischen:
- Produktion des Kammerwassers im Ziliarkörper
- Abfluss über das Trabekelwerk und den Schlemm-Kanal
Der normale Augeninnendruck liegt zwischen 10 und 21 mmHg.
Ein erhöhter Augeninnendruck kann:
- den Sehnerv mechanisch schädigen
- die Durchblutung beeinträchtigen
Neben dem Augeninnendruck spielt auch die Durchblutung des Sehnervs eine entscheidende Rolle.
Ein Glaukom kann daher:
- trotz normalem Druck entstehen
- oder bei erhöhtem Druck ausbleiben
Risikofaktoren für ein Glaukom
Das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken, steigt mit verschiedenen Faktoren:
Allgemeine Risikofaktoren
- erhöhter Augeninnendruck
- zunehmendes Lebensalter
- familiäre Vorbelastung
Das Risiko eines 80-Jährigen ist bis zu achtmal höher als das eines 40-Jährigen.
Weitere Risikofaktoren
- Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit
- Bluthochdruck oder niedriger Blutdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Diabetes mellitus
- erhöhte Blutfettwerte
- Nikotinkonsum
- Durchblutungsstörungen oder Migräne
Symptome – warum das Glaukom oft spät erkannt wird
Das Glaukom ist eine chronische und meist schmerzlose Erkrankung.
Typisch ist:
- lange Zeit keine Beschwerden
- unbemerkte Gesichtsfeldausfälle
- erst spät Einschränkungen im Alltag
Erst im fortgeschrittenen Stadium bemerken Patient*innen:
- Orientierungsprobleme
- eingeschränktes peripheres Sehen
- Tunnelblick
Diagnostik
Zur sicheren Diagnosestellung und Verlaufskontrolle stehen moderne Untersuchungsverfahren zur Verfügung:
Augeninnendruckmessung
- Applanationstonometrie (Goldstandard)
- ggf. Tagesdruckprofil
- Berücksichtigung der Hornhautdicke (Pachymetrie)
Untersuchung des Sehnervs
- Beurteilung der Papillenform
- Fotodokumentation zur Verlaufskontrolle
Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)
- Erfassung funktioneller Einschränkungen
- wichtig für Alltag und Verkehrstauglichkeit
Kammerwinkeluntersuchung (Gonioskopie)
- Einteilung der Glaukomform
- Abschätzung des Risikos eines Winkelblocks
Bildgebende Verfahren
- Heidelberg Retina Tomograph (HRT)
- Nervenfaserschichtanalyse (GdX)
Diese ermöglichen eine Früherkennung bereits vor Auftreten von Gesichtsfelddefekten.
Ergänzende Diagnostik
- Herz-Kreislauf-Untersuchungen
- Abklärung von Durchblutungsstörungen
Behandlung des Glaukoms
Medikamentöse Therapie
In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung zunächst mit Augentropfen.
Wirkung:
- Senkung des Augeninnendrucks
- Verbesserung der Durchblutung
Lasertherapie
Moderne Laserverfahren können den Abfluss des Kammerwassers verbessern:
- Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT)
schonend, wiederholbar, ambulant - Argonlasertrabekuloplastik
Erweiterung des Abflusses - YAG-Iridotomie
insbesondere beim Engwinkelglaukom
Operative Behandlung
Wenn Medikamente und Laser nicht ausreichen:
- Trabekulektomie (Filteroperation)
- Trabekulotomie
- Zyklophotokoagulation
- Iridektomie
Ziel ist die Schaffung eines verbesserten Kammerwasserabflusses.
Mögliche Nebenwirkungen
Schwerwiegende Komplikationen sind bei der Operation des Glaukoms selten, jedoch ist kein Eingriff frei von Risiken. Trotz größter Sorgfalt können folgende typische Komplikationen auftreten: Reizzustände, Entzündungen, Blutungen und Druckschwankungen. Sie machen gelegentlich ein erneutes operatives Eingreifen erforderlich und können bisweilen eine dauerhafte Sehschwäche, selten auch einen völligen Verlust der Sehkraft zur Folge haben.
