Behandlung von Hornhauterkrankungen in Münster | Hornhaut-Sprechstunde am Universitätsklinikum Münster
Die Hornhaut (medizinisch: Kornea) ist die klare, durchsichtige „Fensterscheibe“ an der Vorderseite des Auges. Sie sorgt dafür, dass Licht ins Auge gelangt und scharfes Sehen möglich wird.
Die Hornhaut ist etwa 13 mm groß, farblos und besteht aus mehreren Schichten. Gemeinsam mit der Lederhaut bildet sie die äußere Hülle des Auges. Da sie keine eigenen Blutgefäße besitzt, wird sie über die Tränenflüssigkeit und das Augenwasser mit Nährstoffen versorgt.
Die Hornhaut spielt eine entscheidende Rolle für das Sehvermögen: Sie bricht das einfallende Licht und sorgt dafür, dass Bilder scharf auf der Netzhaut abgebildet werden. Ist die Hornhaut verändert oder getrübt, kann dies zu verschwommenem Sehen oder Sehverschlechterung führen.

Häufige Hornhauterkrankungen
Eine Hornhauttrübung kann die klare Sicht erheblich beeinträchtigen.
Mögliche Ursachen:
- Verletzungen, Verbrennungen oder Verätzungen
- Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze
Behandlung:
In vielen Fällen kann die Hornhaut mit speziellen Augentropfen oder Salben erfolgreich behandelt werden. Eine frühzeitige Therapie ist dabei besonders wichtig.
Beim Pterygium wächst Bindehautgewebe auf die Hornhaut – oft in Form eines kleinen „Flügels“.
Mögliche Auslöser:
- Intensive Sonneneinstrahlung (UV-Licht)
- Chronische Reizungen des Auges
- Frühere Verletzungen
Behandlung:
Die wirksamste Therapie ist die operative Entfernung des Gewebes.
Nach dem Eingriff wird das Auge geschützt, bis die Heilung abgeschlossen ist.
Der Keratokonus ist eine meist angeborene Erkrankung, bei der sich die Hornhaut nach vorne auswölbt und dünner wird.
Typische Anzeichen:
- Zunehmend unscharfes Sehen
- Häufige Änderungen der Brillenstärke
- Beginn oft im Jugendalter
Behandlungsmöglichkeiten:
- Anfangs: Brille oder spezielle Kontaktlinsen
- Bei Fortschreiten: Korneales Crosslinking – ein modernes Verfahren, das die Hornhaut stabilisieren und ein Fortschreiten der Erkrankung stoppen kann
Hornhauttransplantation (Keratoplastik)
Mit einer Hornhauttransplantation (Keratoplastik) ersetzen der Augenärzt*innen eine erkrankte Hornhaut durch eine gesunde Spenderhornhaut. In Deutschland werden ca. 6.000 Hornhauttransplantationen jährlich durchgeführt. Damit ist sie die häufigste Transplantationsart.
Welche Erkrankungen können eine Keratoplastik notwendig machen?
- Trübungen, Hornhautnarben
- eine unregelmäßige Wölbung (z. B. Keratokonus)
- Infektionen der Hornhaut, Geschwüre
- angeborene Funktionsstörungen der Hornhaut
- eine krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit in der Hornhaut (Hornhautödem, bullöse Keratopathie)
- offene Augenverletzungen (Notfalleingriff)
Keratoplastik-Verfahren
Eine genaue Diagnose mittels Spaltlampe und Hornhauttopographie entscheidet über das operative Vorgehen. Nicht immer muss die ganze Hornhaut ausgetauscht werden, sondern nur ein Teil.
Penetrierende Keratoplastik
Penetrierende Keratoplastik (‚Excimerlaser-PKP‘), bei der alle Schichten der erkrankten Hornhaut gewebeschonend und berührungsfrei mittels Excimer-Laser entfernt werden und ein komplettes Hornhautscheibchen eines geeigneten Spenders eingefügt wird.
- Vorteile: keine Interface-assoziierten visuellen Probleme
- Nachteile: Astigmatismus, neuropathische Kerathopathie (verzögerte Wundheilung, persistierende epitheliale Defekte)
Vordere tiefe lamelläre Keratoplastik (DALK deep anterior lamellar keratoplasty)
Vordere tiefe lamelläre Keratoplastik (DALK deep anterior lamellar keratoplasty) bei der einzelne, krankhaft veränderte vordere Hornhautschichten schonend minimalinvasiv entfernt und gesunde Gewebeschichten eingebracht werden.
- Vorteile: Fäden können schneller entfernt werden als bei der PKP, da stabilere Wunde, weniger Steroide notwendig
- Nachteile: Oberflächenirregularitäten
Hintere lamelläre Keratoplastik
Hintere lamelläre Keratoplastik (DSAEK descemet stripping automated endothelial keratoplasty, oder DMEK descemet membrane endothelial keratoplasty)
- Vorteile: schnelle Visusrehabilitation, keine Naht-assoziierten Probleme, stabile korneale Oberfläche, weniger Hornhautverkrümmung
- Nachteile: stromaler Haze, subepitheliale Fibrose oder Irregularität; bei DMEK aufwendigere Nachkontrollen postoperativ, häufigeres Re-Bubbling (in ca. 20%)
Hornhautbank
Die Augenklinik am UKM unterhält eine eigene Hornhautbank, um im Fall einer Keratoplastik qualitativ geeignete Spender-Hornhäute für eine Transplantation zur Verfügung zu stellen. Hornhautbanken sind Einrichtungen, die nach behördlichen, medizinischen und ethischen Richtlinien von verstorbenen Personen gespendete Hornhäute gewinnen und für Transplantationszwecke aufbereiten.
Die Mitarbeitenden der Hornhautbank überprüfen, ob im Todesfall eine Einwilligung zur Hornhautspende vorliegt. Bei vorliegender Spendebereitschaft und akzeptablen Gewebeeigenschaften wird eine Hornhautentnahme seitens der Hornhautbank vorbereitet und anschließend von Augenärzt*innen ausgeführt. Den verstorbenen Hornhautspendern werden als Ersatz Prothesen angepasst, die im Aussehen den ursprünglichen, natürlichen Augen entsprechen. Anschließend werden die Hornhäute in der Hornhautbank präpariert, begutachtet und für die Transplantation freigegeben.
Spender*in werden
LIONS Hornhautbank Westfalen c/o
Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum
Münster
+49 251 83-56042
augenklinik(at)ukmuenster.de
Weitere Informationen der DGFG
gewebenetzwerk.de
