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Klinik für Unfall-,
Hand- und
Wiederherstellungschirurgie

Kniegelenkersatz

Das Kniegelenk

Um zu verstehen, was bei der Operation geschieht, ist es wichtig, dass Sie zunächst den Aufbau und die Funktionsweise Ihres Knies kennen. Das Knie ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers. Zum problemlosen Gehen ist ein komplexes Zusammenspiel der einzelnen Teile des Kniegelenks nötig, das die Verbindung zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein bildet. Diese beiden Knochen sind durch Knorpelgewebe voneinander getrennt, das als Puffer dient und eine reibungsfreie Bewegung ermöglicht. Vor diesen Knochen liegt die runde Kniescheibe, die sich in einer Gleitrinne auf- und abbewegt und als Schutzschild wirkt. Die Stabilität des Knies und seine wichtigsten Bewegungen "das Beugen und Strecken" hängen vom Halteapparat, den Muskeln und Bändern, ab. Beim gesunden Knie wirken diese Elemente genau zusammen und steuern so die Gelenkbewegung. Das Kniegelenk wird beim Gehen, Sitzen, Vornüberbeugen und Treppensteigen gebeugt, gestreckt und gedreht. An den Knochenenden hat die Natur ein "automatisches Schmiersystem" in Form von gesundem, weißem Knorpelgewebe vorgesehen. Auf dieser glatten, schlüpfrigen Oberfläche gleitet das Kniegelenk wie eine perfekt geölte Maschine, ohne dass seine präzise, rhythmische Bewegung durch raue Stellen gestört wird.

Die Operation

Bei der Knieendoprothetik werden die beschädigten Teile des Knies entfernt und durch künstliche Teile, so genannte Prothesen, ersetzt. Bei der Operation wird ein speziell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmtes Implantat auf den verbleibenden Knochen aufgesetzt.Bei manchen Patienten wird zum Fixieren der Prothese ein Acrylzement, so genanntes Polymethylmethacrylat (PMMA), verwendet. Dieser Zement findet in der Zahnheilkunde bereits seit 45 Jahren Einsatz. Er weist eine hohe Festigkeit auf, wird vom Körper gut vertragen und härtet innerhalb von 15 Minuten nach dem Mischen aus.Vor dem Aushärten wird der Zement unter Druck eingespritzt und dann das Implantat eingepasst. Hierdurch entsteht eine sehr feste Verbindung, sodass die meisten Patienten das operierte Bein schon wenige Tage nach der Operation wieder belasten können.Um der Verbindung von Knochen und Prothese zusätzliche Festigkeit zu verleihen, werden oft Schrauben oder Zapfen eingesetzt.Nach der OperationNach der Operation werden Sie zunächst in den Aufwachraum verlegt und dann, sobald sich Blutdruck, Puls und Atmung stabilisiert haben, wieder auf Ihr Zimmer gebracht.In den ersten 24 Stunden nach der Operation kontrolliert das Pflegepersonal regelmäßig Ihren Blutdruck und Puls sowie den Verband am Bein. Bitte sagen Sie der Schwester Bescheid, wenn Sie Schmerzen, Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln im Bein oder Fuß oder in der Ferse spüren. In den ersten 1-2 Tagen nach der Operation werden Sie intravenös mit Flüssigkeit versorgt. Wenn Sie wieder Flüssigkeit durch den Mund aufnehmen können, wird die Ernährung allmählich normalisiert. Falls Ihr Arzt zur Vorbeugung gegen Infektionen ein Antibiotikum verordnet hat, wird dieses eventuell intravenös verabreicht. Eventuell werden eine oder zwei Drainagen (Saugschläuche aus Plastik) gelegt, um überschüssige Flüssigkeit aus dem Wundbereich abzuleiten. Die Schläuche werden normalerweise nach 24 bis 48 Stunden entfernt, wenn die produzierte Flüssigkeitsmenge weniger wird.Eine befeuchtete Sauerstoffmaske kann dazu verwendet werden, Reizungen des Rachens zu mildern und Sekretablagerungen in der Lunge zu lösen. Die Maske darf für kurze Zeit abgenommen werden. Ein Trapezgriff am Bettgalgen erleichtert Ihnen das Aufsitzen und Bewegen im Bett. Zu Ihrer Sicherheit können die Seitengitter des Betts hochgestellt werden. Ein gewisses Maß an Schmerzen und Missempfindungen nach der Operation ist unvermeidlich; zur Linderung von Schmerzen und Schwellungen stehen Schmerzmittel und Eisbeutel zur Verfügung.

Aktivitäten im Krankenhaus

Der Chirurg sagt Ihnen, wann Sie aufstehen, im Stuhl sitzen und mit der Physiotherapie beginnen können. Das Pflegepersonal hilft Ihnen beim Aufstehen; außerdem können Sie zur einfacheren Bewegung den Trapezgriff am Bettgalgen benutzen. Ein Rollstuhl erleichtert Ihnen gegebenenfalls das Benutzen von Bad und Toilette. Zeitliche AspekteDie meisten Patienten verbringen etwa 2-3 Wochen im Krankenhaus. Die Operation selbst dauert ungefähr zwei Stunden. Nach der Operation müssen Sie noch ca. 6 Wochen lang beidseitig Gehhilfen benutzen, während sich der Muskelapparat regeneriert.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Operation sind für Patient und Arzt allgemein eindrucksvoll und befriedigend. Die meisten Patienten sind nach der Operation schmerzfrei; sie können das Knie wieder um 90° bis 100° beugen und uneingeschränkt ihren täglichen Aktivitäten nachgehen. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es sich bei dem neuen Kniegelenk um eine Prothese handelt und dass daher gelegentlich Missempfindungen in der Knieregion und Taubheitsgefühle in der Hautpartie um die Operationsnarbe auftreten können.

Physiotherapie

Nach der Operation überweist Sie Ihr Arzt zur Rehabilitationsbehandlung, wo ausgebildete Fachkräfte ein physiotherapeutisches Geh- und Übungsprogramm für Sie zusammenstellen. Tragen Sie bei den Gehübungen mit den Gehstützen oder dem Gehwagen möglichst einen kurzen Bademantel und flache Schuhe. Unter Umständen ist es auch ratsam, vor der Physiotherapie Schmerzmittel einzunehmen, damit Ihnen die Übungen und das Gehen leichter fallen. Zunächst machen Sie zur Vorbereitung auf die Gehstützen oder den Gehwagen unter Anleitung des Physiotherapeuten Übungen am Parallelbarren. Am Barren können Sie das Gehen üben, während ein Teil des Körpergewichts auf Ihren Armen statt auf dem operierten Bein ruht. Sobald Ihnen das Gehen leichter fällt, erlaubt der Physiotherapeut Ihnen eventuell, in Begleitung im Krankenhaus umherzugehen. Er gibt Ihnen in diesem Fall eine entsprechende Karte mit, auf der dies angefordert wird. Vor der Entlassung zeigt Ihnen der Physiotherapeut, was Sie beim Treppensteigen und beim Aufstehen und Setzen im Bett, auf Stühlen und im Auto beachten sollten. Der Physiotherapeut stellt ein Übungsprogramm für Sie zusammen, durch das die Beweglichkeit und Kraft des Knies allmählich gesteigert wird. Durch die Bewegungsübungen wird das Knie problemlos von der gestreckten Lage bis in die 90°-Position gebeugt. Sie können zu Hause auch Sandsäcke verwenden, um das Kniegelenk zu kräftigen. Schriftliche Anweisungen für die Übungen zu Hause erhalten Sie vor der Entlassung.
Bei alledem ist Ihre Mitarbeit äußerst wichtig. Das Ziel ist, dass Sie vor der Entlassung aus dem Krankenhaus möglichst selbstständig werden und tägliche Verrichtungen selbst ausführen können.

Haltbarkeit des Kunstgelenkes

Die Haltbarkeit des Kunstgelenks hängt von vielen Faktoren ab: vom Gewicht des Patienten, von seiner Aktivität, davon, ob Erkrankungen in anderen Gelenken der unteren Gliedmaßen vorliegen usw. Das Kunstgelenk kann zehn bis zwölf Jahre oder noch länger halten. Neue Operationstechniken ermöglichen es, die Prothese zu entfernen und durch ein neues Implantat zu ersetzen, idealerweise sollte sie jedoch möglichst ein Leben lang halten, ohne dass eine Revisionsoperation erforderlich ist.

Ernährung

Das künstliche Kniegelenk trägt Ihr Körpergewicht wie Ihr eigenes Knie, wichtig ist jedoch, dass Sie das neue Gelenk nicht unnötig überlasten. Ihr Arzt rät Ihnen daher möglicherweise zu einer Gewichtsreduktionsdiät. Ein Diätetiker gibt Ihnen und Ihrer Familie Tipps hierzu und kann allgemeine Ernährungsfragen beantworten.

Betreuung zu Hause

Vom Pflegepersonal, das Ihnen und Ihrer Familie bei der Planung der häuslichen Betreuung hilft, erhalten Sie auch Auskünfte über zusätzliche Hilfseinrichtungen und andere Informationen.

Einschränkungen

Die Anweisungen, die Sie bei der Entlassung erhalten, richten sich nach den erzielten Fortschritten und sind individuell unterschiedlich. Vom Chirurg, Pflegepersonal und Physiotherapeuten erfahren Sie, was Sie zu Hause tun und lassen sollten. Befolgen Sie diese Anweisungen bis zu Ihrem nächsten Nachuntersuchungstermin.

Regeln & Vorsichtsmaßnahmen

  • Beugen Sie das Knie nur so weit, wie Ihr Arzt Ihnen dies erlaubt hat.
  • Vermeiden Sie Bewegungen, die das Knie verdrehen oder Schmerzen hervorrufen, z. B. Knien, Springen oder anstrengende körperliche Aktivitäten. Beim Geschlechtsverkehr sollte Ihr Partner/Ihre Partnerin eventuelle Beuge- und Drehbewegungen übernehmen.
  • Belasten Sie das operierte Bein nur so stark, wie der Arzt oder Physiotherapeut Ihnen dies erlaubt hat.
  • Laufen Sie möglichst viel, entsprechend den Anweisungen des Arztes.

Bitte verständigen Sie den Arzt, wenn Ihnen an der Operationswunde die folgenden Symptome auffallen:

  • Ausfluss und/oder unangenehmer Geruch an der Operationsstelle
  • Fieber/erhöhte Temperatur über 38°C, die zwei Tage anhalten
  • Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen. Es ist wichtig, dass Sie Ihr neues Gelenk vor Infektionen schützen.

Bevor Sie sich einem der folgenden Eingriffe unterziehen, müssen Sie Antibiotika einnehmen, um eine mögliche Infektion des Gelenks zu vermeiden:

  • Blasenspiegelung (Zystoskopie), Dickdarmspiegelung (Kolonoskopie), Mastdarmspiegelung (Proktoskopie)
  • Zahnbehandlungen einschließlich Zahnsteinentfernung
  • Operationen aller Art
  • Legung von Blasenkathetern

Bei Infektionen jeder Art verständigen Sie bitte Ihren Arzt.

Schmerzen

Vor der Entlassung aus dem Krankenhaus verschreibt Ihnen der Arzt ein Schmerzmittel. Näheres über die Anwendung erfahren Sie vom Pflegepersonal. Ein gewisses Maß an Schmerzen ist normal, wenn diese jedoch stärker werden, wenden Sie sich bitte an den Arzt.

Hinweis für Flugreisen

Prothesen können bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen Alarm auslösen. Von Ihrem Arzt erhalten Sie für solche Fälle einen speziellen Prothesenträgerausweis.

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