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Klinik für Unfall-,
Hand- und
Wiederherstellungschirurgie

Wirbelsäulenchirurgie

Wirbelsäulenverletzungen treten oft im Rahmen von Hochrasanzverletzungen auf und können teils sehr schwere Dauerfolgen hinterlassen. Moderne Operationsverfahren tragen zu einer deutlichen Verbesserung bei. Solche Verletzungen erfordern ein differenziertes Vorgehen mit viel Erfahrung. Die Schwerpunkte unserer Klinik sind:

  • Versorgung akuter Verletzungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Alterstraumatologie
  • Versorgung osteoporotischer Frakturen
  • Minimalinvasive Versorgung von Wirbelsäulenverletzungen
  • Navigierte Operationsverfahren / Posttraumatische Korrekturoperationen

Im UKM stehen alle modernen diagnostische Verfahren zur Verfügung, die vor jeder Operation eine optimale Vorbereitung ermöglichen. Unsere Klinik baut auf eine enge Kooperation mit der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie, der Klinik für Neurochirurgie und anderen Abteilungen des Klinikums. Gemeinsam wird das gesamte Spektrum der Wirbelsäulenchirurgie abgedeckt.

Die Wirbelsäule gliedert sich auf in:

  • Halswirbelsäule ( 7 Wirbelkörper)
  • Brustwirbelsäule (12 Wirbelkörper)
  • Lendenwirbelsäule ( 5 Wirbelkörper)
  • Kreuzbein ( 5 verschmolzene Wirbelkörper)
  • Steißbein ( 5 rudimentäre Wirbelkörper)

Die Wirbelsäule besteht aus 32 Wirbelkörpern, die in einer doppelten S-Form miteinander verbunden sind.  Die Halswirbelsäule ist der beweglichste Abschnitt: Dem entsprechend sind ihre Bandscheiben einer großen Belastung ausgesetzt. Die Nervenwurzeln treten paarweise durch die Wurzelkanäle aus. Die Brustwirbelsäule ist hingegen Dank des Rippengitters eher unbeweglich. Bandscheibenvorfälle sind hier außerordentlich selten. Die Lendenwirbelsäule weist die kräftigsten Wirbelkörper und Bandscheiben auf. Die Einengung der entsprechenden Nervenwurzeln verursacht den bekannten Ischiasschmerz. Die Stützfunktion der Wirbelsäule wird im vorderen Abschnitt durch die in doppelter S-Form übereinander liegenden Wirbelkörper gewährleistet. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben. Im hinteren Anteil der Wirbelsäule gewährleistet die Reihe der sich gegeneinander abstützenden Gelenke die Stabilität. Die Gelenke selbst sind durch Bandapparat und Gelenkkapseln miteinander verbunden. Wirbelkörper, Bandscheiben und Bänder bilden einen Kanal (Wirbel- oder Spinalkanal), der zum Schutz des Rückenmarkes und der hiervonaustretenden Nervenwurzeln gedacht ist. Bandscheiben, Bandapparat und Muskelsystem ermöglichen die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Das Rückenmark überträgt Informationen des Gehirnes an Nervenwurzeln, die die Muskulatur versorgen und somit die Beweglicheit des Körpers steuern. Umgekehrt werden Informationen bezüglich Berührungs- und Temperatur-empfinden über Nervenwurzeln und Rückenmark an das Gehirn weitergeleitet. Das Rückenmark liegt im Wirbelkanal. Der Wirbelkörper schützt die empfindlichen Strukturen von vorne und die Wirbelbögen von hinten.

Die Wirbelsäule umschließt und schützt Rückenmark und Nervenwurzeln. Das Ausheilungsergebnis von Verletzungen wird ganz wesentlich, insbesondere im Hinblick auf die spätere Lebensqualität vom Grad der Mitbeteiligung dieser Strukturen beeinflusst. Traumatische Schädigungen der Wirbelsäule beinhalten eine Vielzahl von typischen und häufigen, aber auch seltenen und bisweilen einzigartigen Verletzungsmustern. Das Spektrum beinhaltet Verletzungen des knöchernen Wirbelkörpers, des Rückenmarks, der Bandscheiben und der zahlreichen Bandstrukturen. Die Wirbelsäule wurde in den letzten Jahrzehnten zunehmend für die operative Therapie erschlossen. Zuvor stand bei vielen Verletzungen die konservative, d.h. nicht operative Therapie im Vordergrund. Verbesserte Möglichkeiten in der Diagnostik (Schnittbilddiagnostik etc.) haben zu einem differenzierten Verständnis der einzelnen Verletzungen beigetragen. Moderne Implantate und neue Operationsmethoden führten zu einem enormen Wandel in der Therapie von Wirbelsäulenverletzungen. Die verschiedenen Regionen verlangen spezielle Behandlungsstrategien. Die Verletzungen der Wirbelsäule werden deshalb in Verletzungen der Halswirbelsäule, der Brustwirbelsäule und des thorakolumbalen Überganges und der Lendenwirbelsäule eingeteilt.

Die Brustwirbelsäule (1.-10. Brustwirbel) ist aufgrund ihrer anatomischen Lage als Teil des Brustkorbes durch den Rippenkäfig von vorne (ventral) und gegen Rotation stabilisiert. Dieser Abschnitt der Wirbelsäule bildet den kyphotischen, d.h. nach hinten gewölbten Abschnitt der Wirbelsäule. Die Einbettung in den Brustkorb (Gelenkverbindungen zu den Rippen) bewirkt eine entsprechende Steifigkeit aber auch einen gewissen Schutz dieser Abschnitte. Dennoch sind Verletzungen in diesem Bereich nicht selten (ca. 15 % aller Wirbelsäulenfrakturen). Sie sind oft die Folge von Hochrasanztraumata. Hierbei stehen Kompressionsfrakturen im Vordergrund. Die Entstehung von Rotations-Luxations-Frakturen ist dagegen selten. Der Spinalkanal auf dieser Höhe besitzt nur einen geringen Reserveraum, sodass schon Einengungen von 20 % zu Komplettlähmungen führen kann. Bis zu 2/3 der Patienten mit Verletzungen in diesem Bereich leiden unter einer zusätzlichen Verletzung des Rückenmarkes. Mittels moderner Diagnostik kann das Ausmaß der Verletzung erfasst und eine individuelle Therapie durchgeführt werden. Stabile Frakturen können aufgrund der Stabilisierung durch den Brustkorb einer konservativen Behandlung zugeführt werden. Bei instabilen Frakturen und Verletzung des Rückenmarkes ist eine frühzeitige oder sofortige Operation angezeigt. Hierbei stehen die Wiederherstellung der Achse, die Entlastung des Rückenmarks und die Wiedererlangung der Stabilität der Wirbelsäule im Vordergrund. Die Operation am Brustkorb und der Brustwirbelsäule stellt spezielle Anforderungen an Operateur, Anästhesie und Intensivmedizin. Neben den konventionellen offenen Operationsverfahren lassen sich viele Verletzungen durch die Verwendung von minimal invasiven und thorakoskopisch unterstützen Operationstechniken versorgen.Gerade in diesem Bereich erweist sich die Hilfe von Navigationssystemen als hilfreiche Ergänzung zu Erfahrung und Können des Operateurs.

Verletzungen der Halswirbelsäule werden im Volksmund häufig mit der Bezeichnung "gebrochenes Genick" in Verbindung gebracht und spiegeln damit die Dramatik eines solchen Unfalles wider. Kommt es zu einer Verletzung der knöchernen Strukturen der Halswirbelsäule, so ist dieses häufig mit einer Einengung des Rückenmarks mit Lähmungserscheinungen verbunden. Auch bei weniger offensichtlichen Verletzungen z. B. der Bandscheibe und der Bandstrukturen ist eine differenzierte Diagnostik noch am Unfalltag zur Vermeidung von Spätschäden wesentlich. Die heutige Halswirbelsäulenchirurgie verwendet moderne Implantate, die z. T. über wenig belastende Operationszugänge eingebracht werden können und eine sofortige Stabilisierung und Rehabilitation ermöglichen .Bei Einengung des Rückenmarkes steht eine sofortige Entlastung mit anschließender Stabilisierung im Vordergrund. Bei der Rehabilitation arbeiten wir eng mit mehreren spezialisierten Rehabilitationskliniken zusammen.

Ein Großteil der Verletzungen der Wirbelsäule betreffen den Übergang von der durch den Brustkorb geschützten und relativ steifen Brustwirbelsäule und der flexiblen Lendenwirbeläule. Hierbei scheint die Anatomie d.h. die Form der Wirbelsäule mit ihrer nach hinten gerichteten Krümmung (Kyphose) im Bereich der Brustwirbelsäule und der nach vorne gerichteten Krümmung (Lordose) im Bereich der Lendenwirbelsäule neben der unterschiedlichen Steifigkeit die Anfälligkeit für Verletzungen in diesem Bereich zu bedingen. Verschiedene Autoren geben den Anteil der Verletzungen in diesem Bereich mit bis zu 70-80 % aller Wirbelsäulenverletzungen an. Hierbei ist der erste Lendenwirbelkörper mit Abstand am häufigsten betroffen. Ursächlich sind oft Verkehrsunfälle, Sturz aus großer Höhe und Sportunfälle. Männer sind deutlich häufiger betroffen aus Frauen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Für die weitere Einteilung der Verletzung und maßgeblich für die Behandlung ist die Beteiligung des Rückenmarkes, die Form des Wirbelkörperbruches und die Verletzungen von Bändern und Bandscheiben. In der Regel erfolgt direkt am Unfalltag sofern eine Operation nötig ist eine Stabilisierung vom Rücken her (dorsal). Hierbei werden Spezialschrauben im Wirbelkörper verankert, die mittels eines Stangensystems miteinander verbunden werden. Bei Einengung des Rückenmarkkanals kann während dieser Operation eine Erweiterung des Rückenmarkskanals und somit eine Druckentlastung des Rückenmarkes erreicht werden. Die Wirbelsäule wird auf diese Weise stabilisiert und kann wieder aufgerichtet werden. Abhängig vom Ausmaß der Verletzung ist eine zweite Operation notwendig. Diese wird in aller Regel ca. eine Woche nach der initialen Stabilisierung durchgeführt. Dieser Eingriff erfolgt auf der Seite oder auf dem Rücken liegend und dient zur Stabilisierung der vorderen (ventralen) Wirbelsäule. Hierbei wird ein Knochenspan eingesetzt oder der defekte Wirbelkörper teilweise entfernt und ein Wirbelkörperersatz (Cage) eingebracht. Dieser zweite Schritt ist dann nötig, wenn aufgrund der Frakturform und dem Verletzungsmuster ein späteres Versagen der alleinigen primären Stabilisierung durch eine Dauerbelastung befürchtet werden muss.Die Behandlung der beschriebenen Verletzungen ist komplex, stark vom Verletzungsausmaß abhängig und oft mit anderen Verletzungen i.R. eines Polytraumas vergesellschaftet. Das genaue Vorgehen muss im Einzelfall immer wieder neu geplant und mit dem Verletzten besprochen werden.

Die Osteoporose ist eine der bedeutendsten Erkrankungen der Haltungs- und Bewegungsapparates. Die schwerwiegendste Folge der Osteoporose ist die Fraktur. Die Wirbelsäule ist aufgrund ihrer statischen Belastungen und dem abnehmenden muskulären Schutz im Alter beim Vorliegen einer Osteoporose besonders frakturgefährdet.

Vertebroplastie und Kyphoplastie

Diese Brüche gehen in den meisten Fällen mit erheblichen Schmerzen und einer zunehmenden Buckelbildung einher. In den letzten Jahren wurden neue Methoden zum Aufrichten und stabilisieren entwickelt. Mit der so genannten Vertebroplastie wird durch einen kleinen Zugang am Rücken Knochenzement in den Wirbelkörper eingebracht und dieser somit stabilisiert. Eine Aufrichtung des betroffenen Wirbels kann nur in beschränktem Ausmaß erfolgen. Bei der so genannten Kyphoplastie kann man durch einen ähnlichen Zugang wie oben dargestellt, den Wirbelkörper aufrichten, um die oft entstandene Keilbildung aufzuheben. Anschließend wird der aufgerichtete Wirbelkörper mit Knochenzement aufgefüllt und langfristig stabilisiert. Ziel dieser Methoden ist einerseits, die Stabilität der Wirbelsäule wiederherzustellen und Anschlußfrakturen zu vermeiden. Andererseits kann in den meisten Fällen eine deutliche Reduktion der Schmerzen bis hin zur Schmerzfreiheit am ersten Tag nach der Operation erreicht werden. Unser Wirbelsäulenteam berät die Betroffenen über die sinnvollste Methode. Spätestens zu diesem Zeitpunkt (viel besser jedoch schon zuvor) sollte der Osteoporosekranke eine optimale Therapie erfahren! Dies bedeutet neben der Frakturversorgung und Rehabilitation auch die Abklärung und die Behandlung der vermutlich bestehenden Osteoporose.

Trotz modernster Verfahren oder auch bei der konservativen Therapie von Wirbelsäulenverletzungen kann es zu Veränderungen der Form von Wirbelkörpern und der gesamten Wirbelsäule kommen. Diese können die Statik und das Gefüge des "Gesamtsystems Wirbelsäule" nachhaltig stören und zu weiteren Formveränderungen, Funktionsstörungen, Nervenausfällen, Verschleiß oder/und Schmerzen führen. Ist die Wirbelsäule mit solch einer Veränderung "verheilt", muss abhängig von individuellen Beschwerdebild über eine operative Korrektur der Fehlstellung nachgedacht werden. Diese Verfahren sind oft aufwendig und riskant. Es bedarf hier einer sehr gründlichen gemeinsamen Abwägung der Vor- und Nachteile eines entsprechenden Eingriffes.

Auch in der Wirbelsäulenchirurgie besteht die Bestrebung, Operationen mit möglichst kleinen Zugängen durchführen zu können. Diese minimal invasiven Techniken sind oft nur mit entsprechenden speziellen Geräten oder unter Verwendung von speziellen Implantaten möglich. Sie werden unter Röntgenkontrolle, mittels Operationskamera oder Navigationsgerät durchgeführt. Hierbei muss trotz des "kleineren Schnittes" eine ebenso so gute Versorgung wie bei den herkömmlichen Verfahren gewährleistet sein. Da nicht alle Verletzungen mit diesen neuen Verfahren versorgt werden können, muss eine individuelle Abklärung der optimalen Operationstechnik und Versorgungsstrategie erfolgen.

Die Nutzung der Navigation in der Wirbelsäulenchirurgie bietet vor allem dann entscheidende Vorteile, wenn wichtige Strukturen nicht oder nur ungenügend im herkömmlichen intraoperativen Röntgenbild beurteilt werden können. Hierbei kann man sich die Informationen aus der vor der Operation gewonnenen Bildgebung (z. B. Computertomographie) oder auch aufwendiger Darstellungsverfahren (3D-Bildgebung) während der Operation zu Nutze machen und die Operation sicherer und effektiver machen. Diese modernen Verfahren sind gerade in anatomisch komplexen Regionen des Körpers eine große Hilfe, ersetzen jedoch in keinster Weise die Erfahrung und die Kompetenz des Operateurs.

Dass Patienten im Krankenhaus unter Schmerzen leiden, dürfte heute eigentlich nicht mehr vorkommen. Die Realität sieht aber in vielen Kliniken leider noch ganz anders aus. Das bundesweite Projekt Schmerzfreies Krankenhaus hat sich zur Aufgabe gemacht, diesen Zustand an deutschen Kliniken zu ändern. Unsere Klinik ist fest in das Projekt "Schmerzfreies Krankenhaus" eingebunden und beteiligt sich aktiv mit der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin an der Weiterentwicklung der postoperativen Schmerztherapie. Gleichzeitig verfügen wir über einen Akut-Schmerzdienst, welcher durch die Kollegen der Klinik  für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin unterhalten wird. Dieser ist für unsere Patienten rund um die Uhr verfügbar. Neben dem Akut-Schmerzdienst ist in der Chirurgischen Klinik auch eine Tagesklinik für chronische Schmerzen untergebracht. Dies ermöglicht es, in enger Kooperation mit unseren Spezialsprechstunden unseren Patienten ein modernes und interdisziplinäres Therapiekonzept anzubieten.

Im Rahmen eines modernen Qualitätsmanagements beteiligen sich die leitenden Ärzte der Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie am "Qualitätszirkel Wirbelsäule". Dieser Kreis von namhaften Münsteraner Experten, die sich mit Verletzungen und Erkrankungen der Wirbelsäule beschäftigen, ist ein von der Ärztekammer zertifizierter und geschlossener Qualitätszirkel. Im Rahmen von Fallpräsentationen werden besondere Fälle der Wirbelsäulenchirurgie aus den Bereichen der Orthopädie, Unfallchirurgie und Neurochirurgie interdisziplinär diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Hiermit nehmen die beteiligten Kliniken aus dem Münsterland eine Vorreiterrolle ein. Ähnliche Veranstaltungen über Klinik- und Fachgebietsgrenzen hinaus sind in Deutschland nach wie vor eine Seltenheit. Die Veranstaltung findet vierteljährlich statt.

Durch den Einsatz von intraoperativer Navigation und 3D-Bildgebung können Operationen um ein Vielfaches präziser, schonender und mit erheblich geringerer Strahlenbelastung sowie kürzeren Operationszeiten durchgeführt werden als mit herkömmlicher 2D-Technik. 

In unserer Klinik verwenden wir ein Navigationssystem, das nicht nur eine Navigationseinheit, sondern auch einen mobilen 3D-Röntgenbildverstärker einschließt. Hierbei handelt es sich um das aktuell modernste und innovativste Verfahren. Mit dieser Technik ist es möglich, intraoperativ 3D-Bildgebung zu erzeugen, die an das Navigationssystem übertragen wird. Der Operateur oder die Operateurin kann dann am LCD-Bildschirm die dreidimensionale Ausrichtung der Instrumente im betreffenden Knochenabschnitt planen und überprüfen. Knochenstrukturen und Frakturverlauf werden plastisch abgebildet. Die Platzierung von Schrauben und Platten kann so höchstpräzise erfolgen. Die Navigation bietet deutliche Vorteile: Die korrekte Lage von Schrauben, insbesondere in anatomisch sehr komplexen Regionen wie der Hals- und Brustwirbelsäule sowie im Beckenbereich kann so gewährleistet werden. Folgeeingriffe zur Korrektur von nicht ausreichender Frakturreposition oder von Implantatfehllagen werden so vermieden. Postoperative Computertomographie-Untersuchungen entfallen. Die Strahlenbelastung für die Patient*innen wird erheblich reduziert. Die navigierte Operation bietet ihnen ein hohes Maß an zusätzlicher Sicherheit und unterstützt den verantwortlichen Operateur bzw. die Operateurin. 

Gelenkfrakturen verlangen die anatomische Rekonstruktion der gelenktragenden Anteile. In vielen Fällen haben die Operierenden eine ausreichende Sicht auf das zerstörte Gelenk, sodass sie alle Fragmente wieder richtig einpassen und mit Schrauben und Platten fixieren kann. Unterstützend kommt hier ein Bildverstärker zum Einsatz, der mithilfe von Röntgenstrahlen den Operierenden zweidimensionale Bilder des jeweiligen Körperabschnitts liefert. Gelenke mit sehr komplexen oder stark gekrümmten Oberflächen sind dadurch im Detail nicht ausreichend beurteilbar. Operierende haben mitunter keine Möglichkeit, alle Gelenkanteile direkt einzusehen. Der Bildverstärker liefert zwar wichtige Zusatzinformationen, lässt aber eine detaillierte Beurteilung bestimmter Gelenkabschnitte nicht zu. Desweiteren ist die Einschätzung der Implantatlage zum Gelenk problematisch. Zu vermeiden ist, dass Schrauben oder Drähte Gelenkkontakt haben und ganz oder teilweise im Gelenk zu liegen kommen. 

Das in unserer Klinik im Einsatz befindliche 3D-System ermöglicht es, einen beliebigen Skelettabschnitt des Patienten bzw. der Patientin während der Operation zu untersuchen. Es handelt sich um einen isozentrisch arbeitenden Bildverstärker, der zwei- und dreidimensionale Bilder erzeugen kann. Die dreidimensionalen Bilder (sogenannte „Multiplanare Rekonstruktionen“ kurz „MPRs“) haben CT-Qualität. Sie lassen sich direkt im OP am LCD-Bildschirm betrachten, nachbearbeiten (Helligkeit/Kontrast) und in allen Ebenen im Raum drehen. Der erhaltene Bildausschnitt entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von 12 x 12 x 12 cm. Diesen Bildwürfel kann die operierende Person in allen erdenklichen Ebenen „in Scheiben schneiden“ und diese Scheiben am Monitor betrachten. Somit gelingt eine hervorragende Analyse des zu operierenden Skelettabschnitts. Eventuell nicht erkannte Gelenkstufen, Frakturspalten oder fehlplatziertes Osteosynthesematerial lassen sich mit einer Genauigkeit von 1 mm sicher identifizieren. 

In unserer Klinik kommt die intraoperative 3D Bildgebung bei folgenden Brüchen regelhaft zum Einsatz: 

  • Frakturen der Halswirbelsäule (z.B. Dens axis Fraktur)
  • Frakturen der oberen Brustwirbelsäule
  • Hüftpfannenfrakturen (Acetabulumfrakturen)
  • Frakturen des Beckenrings
  • Schienbeinkopf-Mehrfragmentfrakturen
  • Pilon tibiale Frakturen (körperferner Unterschenkel mit Gelenkbeteiligung)
  • Frakturen der Sprungbeinrolle (Talusfrakturen)
  • Frakturen des Fersenbeins (Calcaneusfrakturen)
  • Komplexe Mittelfuß- & Fußwurzelfrakturen
  • Komplizierte Handgelenksfrakturen

In Studien konnten wir den Nachweis des erfolgreichen Einsatzes der Navigation und 3D-Bildgebung liefern.

Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

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