Labor für Vaskuläre Biologie
In unserer Klinik versorgen wir nicht nur erkrankte Menschen, sondern widmen uns ebenso der Erforschung vaskulärer Erkrankungen im Labor für Vaskuläre Biologie. Im Rahmen unserer interdisziplinären Ausrichtung kooperieren wir eng mit Abteilungen und Instituten unserer Universität sowie überregional mit verschiedenen gefäßchirurgischen Kliniken und sind Teil des Forschungsnetzwerks der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG).
Moderne Infrastruktur für exzellente Forschung
Unser Labor verfügt über eine technisch hochmoderne Ausstattung, die folgende Methoden umfasst:
- Molekularbiologische Verfahren zur Analyse vaskulärer Signalwege
- Histologische und chemisch-analytische Methoden
- Mikrofluidische Flusskammersysteme zur Untersuchung von Zellen unter (patho-)physiologischen Strömungsbedingungen
- Live-Cell Imaging und Fluoreszenzmikroskopie
Diese Ausstattung erlaubt uns eine tiefgreifende Analyse vaskulärer Strukturen und Funktionen – von zellulären Mechanismen bis hin zu komplexen Geweben. Und sie ermöglicht innovative Forschungsvorhaben.

Forschung mit Perspektive
Unser Ziel ist es, durch experimentelle Forschung ein tieferes Verständnis vaskulärer Prozesse zu gewinnen und langfristig zur Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer sowie präventiver Ansätze bei Gefäßerkrankungen beizutragen. Dabei setzen wir auf interdisziplinäre Zusammenarbeit, wissenschaftliche Exzellenz und eine intensive Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Klinisch-Experimentelle Forschung: Mikrobiota und Gefäßerkrankungen
Unser Labor widmet sich der klinisch-experimentellen Forschung im Spannungsfeld zwischen Mikrobiota, Stoffwechselprodukten (Metaboliten) und Gefäßerkrankungen. Ziel ist es, die funktionellen Zusammenhänge besser zu verstehen und neue, therapeutisch nutzbare Mechanismen zu identifizieren. Dabei untersuchen wir insbesondere, wie durch die Darmmikrobiota gebildete Metaboliten auf die Gefäßwand wirken und zur Entstehung, zum Fortschreiten oder der Milderung von Gefäßerkrankungen beitragen können.
Darüber hinaus untersuchen wir, inwiefern die Ernährung die Konzentration bestimmter mikrobieller Metaboliten beeinflusst und ob sich daraus präventive Ansätze zur Vorbeugung von Gefäßerkrankungen ableiten lassen. Ein zentraler Bestandteil unserer Forschung ist die enge Zusammenarbeit mit der Studienzentrale unserer Klinik. Hier binden wir Patient*innen aktiv in laufende Studien ein.
Unsere Forschung gliedert sich in folgende, thematische Schwerpunkte:
Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt auf der Frage, wie kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) wie Butyrat, die aus dem mikrobiellen Stoffwechsel im Darm entstehen, die Integrität des Aortenendothels beeinflussen. Besonders interessiert uns, inwiefern diese Metaboliten über spezifische Rezeptoren (z. B. FFAR2/3) und intrazelluläre Signalwege die Funktion von Adhäsionsproteinen wie VE-Cadherin steuern, das eine zentrale Rolle in der Barrierefunktion der Gefäßwand spielt.
![]() | ![]() |
Weitere Forschungsfragen betreffen die Möglichkeit, dass SCFAs zur Auflösung von Zell-Zell-Kontakten beitragen oder durch Entzündungssignale das sogenannte "Shedding" von VE-Cadherin begünstigen. Zudem wird untersucht, ob lösliche VE-Cadherin-Fragmente (sVEC) als potenzielle Biomarker für endotheliale Schädigung bei Aortenerkrankungen geeignet sind. Durch die Transkriptom- und Proteom-Analysen von Endothel- und Gefäßproben wollen wir krankheitsspezifische, molekulare Muster identifizieren und funktionelle Zusammenhänge verstehen.
Endothelzellen nehmen mechanische Reize wie den Blutfluss unter anderem über spezialisierte Proteine an Zellverbindungen wahr. Diese sogenannten Mechanosensoren interagieren u.a. mit dem Adhäsionsmolekül VE-Cadherin und setzen anti-inflammatorische Signalkaskaden in Gang. Sind diese gestört können Entzündungskaskaden ausgelöst werden, die zu einer (weiteren) Degeneration der Aorta führen.
Unsere Forschung untersucht, inwiefern Metabolite (u.a. SCFA) diese mechanosensitiven Signalwege beeinflussen. Im Fokus stehen dabei Fragen zur Phosphorylierung von VE-Cadherin unter Scherstress, zur Bindung von Mechanosensoren an Zell-Zellkontakten sowie zur Zellpolarisation und -ausrichtung entlang der Flussrichtung. Es wird erforscht, ob SCFAs die Fähigkeit von Endothelzellen zur Flusswahrnehmung und -anpassung beeinflussen können und ob dadurch ein Beitrag zur Unterdrückung oder Milderung von Entzündung und endothelialen Dysfunktion im Rahmen aortaler Erkrankungen entsteht. Hierzu kooperieren wir u.a. mit der Universitätsklinik für Gefäßchirurgie Innsbruck.
Ein zentraler Forschungsansatz liegt in der Analyse von Metaboliten im Blut von Patient*innen mit und ohne Aortenerkrankungen. Hier interessieren uns insbesondere solche Metaboliten, die aus der Aktivität der Darmmikrobiota hervorgehen, wie die SCFAs.
In enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Heiko Hayen (Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Münster) führen wir umfangreiche Analysen durch. Dabei interessiert uns, ob Veränderungen im SCFA-Profil mit pathologischen Prozessen an der Aorta in Verbindung stehen und wie diese Metaboliten die Expression ihrer Rezeptoren (z. B. FFAR2 und FFAR3) im Gefäßgewebe beeinflussen. Ziel ist es, die Rolle mikrobieller Metabolite als potenzielle Signalgeber und Modulatoren endothelialer Funktionen oder sogar als diagnostische Marker besser zu verstehen. Offene Fragen betreffen dabei vor allem die genaue Steuerung der Rezeptorexpression durch Metaboliten, ihre Wirkung auf endotheliale Barrierefunktionen und ihre Bedeutung für die Entstehung und den Verlauf aortaler Pathologien.
Prävention von Gefäßerkrankungen
Wir möchten nicht nur verstehen, wie Gefäßerkrankungen entstehen, sondern interessieren uns auch dafür, wie diese günstig beeinflusst, im Idealfall sogar vermieden werden können. Zusammen mit dem Lehrstuhl für Angewandte Ernährungswissenschaften an der FH Münster, geleitet von Prof. Tobias Fischer, adressieren wir die Frage, wie die Ernährung günstige und ungünstige Metabolite im Zusammenhang mit Gefäßerkrankungen beeinflusst. Hierzu erfassen wir die Ernährungsgewohnheiten unserer Patient*innen und vergleichen diese mit den Metaboliten im Blut.
Für Studierende

Sie möchten Teil spannender Forschungsprojekte werden und sich aktiv an der Entdeckung neuer medizinischer Erkenntnisse beteiligen? In unserem Labor bieten wir engagierten und motivierten Studierenden die Möglichkeit, ihre medizinische Doktorarbeit oder eine naturwissenschaftliche Abschlussarbeit (B.Sc./M.Sc.) in einem unterstützenden Umfeld durchzuführen.
Ob im Rahmen einer medizinischen Dissertation oder einer Modul-Abschlussarbeit – bei uns haben Sie die Gelegenheit, experimentelle Forschung hautnah zu erleben und wertvolle praktische Erfahrungen im Labor zu sammeln. Die Projekte reichen von grundlagenwissenschaftlichen bis hin zu translationalen Fragestellungen und decken ein breites Methodenspektrum ab.
Wir freuen uns über Ihre Initiativbewerbung mit einem kurzen Motivationsschreiben und Lebenslauf an Dr. Thorsten Eierhoff.
Aktuelle Themen für medizinische Promotionsprojekte finden Sie auch in der Doktorandenbörse der Medizinischen Fakultät der Universität Münster.
Das bieten wir
- Spannende Forschungsprojekte im Bereich vaskuläre Biologie
- Intensive Betreuung durch erfahrene Wissenschaftler*innen
- Strukturierte Einarbeitung
- Moderne Laborausstattung und ein motiviertes Team
- Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit an Publikationen
- Teilnahme an Kongressen und Hospitationen in unserer Klinik
- Unterstützung bei Anträgen für das Medizinerkolleg (MedK) und bei Bewerbungen um Stipendien der DGG
Anforderungen
Für experimentelle, medizinische Doktorarbeiten ist mindestens ein Freisemester in Vollzeit im Labor notwendig, gefolgt von etwa 2 bis 3 Monaten für die Datenauswertung und Zusammenfassung. Erste Laborerfahrungen oder methodische Grundkenntnisse, idealerweise im Rahmen des Studiengangs experimentelle Medizin, sind von Vorteil.
Weitere Informationen
Publikationen
Eine Auswahl aktueller Publikationen finden Sie bei der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Münster:

Biobank
Für unsere Forschungsprojekte sammeln wir in einer professionellen Biobank klinische Proben von Studienteilnehmer*innen. Dazu gehören Gewebeproben aus über 50 verschiedenen Gefäßregionen sowie Blut- und Stuhlproben. In Kooperation mit der Zentralen Biobank (ZBB) der Medizinischen Fakultät Münster werden diese Proben perspektivisch nicht nur unseren eigenen Projekten für Analysen zur Verfügung gestellt, sondern auch nationalen und internationalen Kooperationspartnern. Interessierte Institute und Kliniken können sich gerne bei uns melden.
Kontakt & mitmachen
Sie möchten mehr über unsere Forschung erfahren oder sich als Patient*in an einer Studie beteiligen? Unsere Studienzentrale informiert Sie gerne.
Unsere Forschungsprojekte werden gefördert durch:



Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie
Albert-Schweitzer-Campus 1
Gebäude W30 (Gefäßambulanz)
Anfahrt: Waldeyerstraße 30
48149 Münster
alexander.oberhuber(at)ukmuenster.de


