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Kinder- und
Neugeborenenchirurgie

Brustkorbdeformitäten

Verformungen des Brustkorbs können angeboren oder erworben sein. In unserer Spezialsprechstunden behandeln wir in der Regel die angeborenen Formen, die sich entweder schon früh in der Säuglings- bzw, Kleinkinderzeit zeigen, oder erst im Laufe des Pubertätswachstumsschubs erkennbar werden.

Auftreten

Meist handelt es sich hierbei um eine sog. Trichterbrust, bei der das Brustbein in unterschiedlichem Ausmaß nach innen gedrückt wird. Ein „Herauswachsen“ des Brustbeines, eine Kielbrust, kommt ungleich seltener vor. Jungs sind häufiger betroffen, als Mädchen, und es ist eine familiäre Häufung beschrieben, so dass nicht selten Vater und Sohn oder zwei Brüder eine solche Thoraxdeformität aufweisen.

Der Grund für das Entstehen einer Thoraxdeformität ist weiterhin nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird eine Wachstumsstörung der Rippenknorpel, die die knöchernen Rippen mit dem Brustbein verbinden (Bild). Elektronenmikroskopisch zeigen sich eine gestörte Anordnung der Knorpelgrundsubstanz, sowie Entzündungsreaktionen im Knorpel. Das führt zu einem unkontrollierten Wachstum der Knorpelabschnitte, die dann das Brustbein entweder nach innen oder außen drücken. Bekannt ist weiter eine Assoziation mit bestimmten Erkrankungen des Bindegwebes, z.B. dem Marfan-Syndrom.

Die Sprechstunde für Thoraxdeformitäten

Im Rahmen der Erstvorstellung erfolgen eine Eingangsvermessung, sowie die Durchführung eines EKGs sowie einer Lungenfunktion. Zusammen mit der klinischen Untersuchung lässt sich so ein Bild davon machen, inwieweit gesundheitliche Schäden durch die Thoraxdeformität zu erwarten sind. Ob diese überhaupt auftreten, ist nur individuell im Einzelfall zu entscheiden. Auch die Forschung ist hier zweigeteilt: So gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen reduzierter Leistungsfähigkeit, eingeschränkter Lungenfunktion sowie Herzproblemen und einer Thoraxdeformität beschreiben, während andere Studien hier keinen signifikanten Unterschied sehen.

Oft zu beobachten sind Haltungsstörungen bei Kiel- oder Trichterbrust. Die Schultern hängen nach vorne, auffällig sind ein Hohlkreuz sowie ein Rundrücken und recht lasche Bauchdecken. Auch eine Skoliose der Wirbelsäule ist mitunter begleitend, so dass ein Hauptaugenmerk bei der körperlichen Untersuchung auf der Erkennung dieser Sekundärpathologien liegt.
Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt ist der Leidensdruck eines Kindes oder Jugendlichen mit einer Trichter- oder Kielbrust, der oftmals zu einer zunehmenden sozialen Isolation führt. Es werden konsequent Situationen gemieden, in denen man sich mit freiem Oberkörper in der Öffentlichkeit zeigen müsste (z.B. im Schwimmbad) und auch die gesamte Körpersprache drückt die gestörte Selbstwahrnehmung aus, was wiederum die organische Fehlhaltung fördert.

Therapeutische Möglichkeiten

Grundsätzlich zu trennen ist die spezifische, primäre Therapie der Thoraxdeformität und die Therapie der Begleitveränderungen. Bei fehlendem Leidensdruck erfolgt mitunter nur die Beratung und Eingliederung in die Sprechstunde, die Wiedervorstellungen im jährlichen Rhythmus vorsieht. Dann werden die Vermessungen wiederholt und es lässt sich, neben dem subjektiven Eindruck des Patienten, auch objektiven über die Zeit vergleichen, wie sich die Thoraxdeformität entwickelt. In der Zwischenzeit wird des sportliche Trainigsprogramm optimiert und evtl. noch spezielle Übungen zur Verbesserung der Haltung, die wir zusammen mit dem Institut für Sportmedizin erarbeitet haben, hinzugenommen. Durch Optimierung des Trainings und Hinzunahme spezieller Übungen lässt sich das Ausmaß der Thoraxdeformität allerdings nicht verändern.

Saugglocke

Einen ersten primären Therapieansatz einer Trichterbrust stellt die Saugglocke dar, die, vor allem bei Jungen und männlichen Jugendlichen, eingesetzt werden kann, um den Trichter abzuschwächen, im Idealfall sogar ganz zu beseitigen. Dabei wird eine Vakuumglocke über dem Trichterareal positioniert und über eine Handpumpe ein Unterdruck im Inneren aufgebaut. Hierdurch wird die gesamte vordere Brustwand angehoben. Da so ein ganz erheblicher Sog zunächst auf das Weichgewebe der Brustwand (Haut, Unterhautfett, Muskulatur) aufgebaut wird, beschränken wir die Anwendungszeit auf max. 90 Minuten pro Einzelsitzung und auch diese 90 Minuten werden erst nach langsamer, wochenweiser Steigerung erreicht.

Regelmäßige Kontrollen

Regelmäßige Kontrollen zeigen den Erfolg der Behandlung, der individuell sehr verschieden ist: Es gibt Formen, bei den bereits im Rahmen der ersten Demonstration abgeschätzt werden kann, dass die Saugglocke wahrscheinlich keinen Effekt haben wird, genauso, wie es Formen gibt, bei denen die Saugglocke zu einem vollständigen Verschwinden des Defektes geführt hat.

Beim Mädchen führt die Entwicklung der Brust dazu, dass die Saugglocke nicht mehr sinnvoll angewendet werden kann. Zwar gibt es spezielle Formen für Frauen, allerdings zeigt der Praxiseinsatz, dass diese deutlich weniger effektiv sind, als die Version für männliche Patienten. So beschränkt sich der Einsatz der Saugglocke beim Mädchen auf das Alter zwischen 7/8 und 11/12, wobei die Tragedauer von drei Jahren berücksichtigt werden muss.

Auch für die Kielbrust gibt es Orthesen, die mechanisch versuchen, das vorgewachsene Brustbein wieder zurückzudrücken. Auch wenn erste Ergebnisse recht viel versprechend sind, hat sich diese Form der Therapie bislang nicht durchgesetzt und wird in Deutschland lediglich vereinzelt angeboten.

Operation

Bereits seit einigen Jahren ist die Operationsmethode nach Donald Nuss das Standardverfahren zur operativen Korrektur einer Trichterbrust. Auch asymmetrische Formen lassen auf diese weise korrigieren, zumindest aber deutlich abmildern.

Die Indikation zu Operation wird unter Berücksichtigung aller Faktoren gestellt: Erhobene Befunde, (psychischer) Leidensdruck und erhobene Messwerte. Hier wird oftmals der sog. Haller-Index genommen, der sich anhand einer CT-Schnittbildgebung bestimmen lässt und das Verhältnis aus Längs- und Querdurchmesser des Brustkorbs beschreibt (Bild). Ein Index größer als 3,2 unterstützt die Indikation zur Operation.

Bei der Operation wird ein entsprechend geformter Metallbügel unter dem Brustbein durchgeführt, der die Einsenkung dann nach außen drückt und den Trichter so beseitigt. Hierzu werden kleine Schnitte seitlich am Brustkorb gesetzt, über die der Weg des Bügels zunächst unter der Haut, aber noch oberhalb der Rippen bis zum seitlichen Beginn des Trichters präpariert wird. An dieser Stelle verläuft der Bügel dann zwischen zwei Rippen hindurch ins Brustkorbinnere, wo er unterhalb des Brustbeins vorbei zur Gegenseite vorgeschoben wird und hier wieder zwischen zwei Rippen ausgeleitet wird. Vor allem der Weg des Bügels innerhalb des Brustkorbs wird thorakoskopisch kontrolliert, um die Sicherheit während der Operation zu erhöhen. Nach drei Jahren kann der Bügel dann wieder entfernt werden.

Ravitch-Operation

Die Operation der Kielbrust, bei der das Brustbein nach außen vorwächst, wird als Modifikation der sog.  Ravitch-Op durchgeführt. Hierbei ist der operative Zugang zum Brustkorb deutlich größer, als beim Nuss-Verfahren für die Trichterbrust. Über einen ca. 15 - 20 cm langen Schnitt, der quer (Mädchen) oder längs (Jungen) an der Brustwandvorderseite verläuft, erfolgt die direkte Darstellung des knöchernen Brustkorbs. Die Rippenknorpel werden jeweils seitlich des Brustbeins gekürzt, das Brustbein und die seitlichen Rippen zusätzlich mobilisiert, so dass die gesamte vordere Brustwand neu modelliert werden kann.

Stabilisierung durch Metallplatten

Die Stabilisierung erfolgt dann durch das Einbringen von 3 bis 4 schmalen Metallplatten sowie Drahtnähten. Der Vorteil gegenüber der Nuss-Op ist, das praktische jede Brustkorbverformung auf diese Weise operativ ausgeglichen werden kann, während die Nuss-Op nur bei Trichterbrüsten gut funktioniert (zwar wurde bereits versucht, die Kielbrust analog zur Trichterbrust zu operieren, die Ergebnisse sind allerdings noch sehr inhomogen). Nachteil ist sicherlich das wesentlich größere OP-Gebiet, die längere OP Dauer sowie die längere Dauer der Rekonvaleszenphase. Das Metall nach der konventionellen Kielbrustoperation wird nach einem Jahr entfernt.

Klinik für Kinder- und Neugeborenenchirurgie

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