Pankreaskrebs | Ihre Behandlung am Universitätsklinikum Münster
Pankreaskrebs erfordert eine präzise Diagnostik und die enge Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen. Am Pankreaszentrum des UKM bieten wir das gesamte Spektrum moderner Diagnostik und Therapie – von der ersten Beurteilung über vorbereitende Behandlungen und komplexe Operationen bis zur onkologischen Weiterbehandlung.
Für jede Patientin und jeden Patienten entwickeln wir ein individuelles Behandlungskonzept auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei arbeiten Spezialist*innen aus Chirurgie, Gastroenterologie, Onkologie, Radiologie, Strahlentherapie, Nuklearmedizin, Pathologie und weiteren Fachbereichen eng zusammen.
Ihre Behandlung am UKM
Die Behandlung von Pankreaskrebs wird am UKM fachübergreifend geplant. Alle Untersuchungsergebnisse werden in unserer spezialisierten Leber- und Pankreas-Tumorkonferenz besprochen. Dort entwickeln Expert*innen der beteiligten Fachbereiche gemeinsam eine individuell abgestimmte und leitliniengerechte Behandlungsempfehlung.
Unser Pankreaszentrum steht für strukturierte Behandlungsabläufe, regelmäßige Qualitätskontrollen und eine Versorgung nach aktuellen medizinischen Standards. Als Universitätsklinikum beteiligen wir uns zudem an klinischen Studien und arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Pankreaskrebs?
Die Bauchspeicheldrüse – medizinisch Pankreas genannt – liegt im oberen Bauchraum hinter dem Magen. Sie produziert Verdauungsenzyme und Hormone wie Insulin, die für die Regulation des Blutzuckers wichtig sind.
Pankreaskrebs entsteht, wenn sich Zellen der Bauchspeicheldrüse unkontrolliert vermehren. Am häufigsten entwickelt sich die Erkrankung aus den Zellen der Ausführungsgänge. Lage, Größe und Ausbreitung des Tumors sind entscheidend für die weitere Behandlung.
Tumoren im Kopf der Bauchspeicheldrüse können andere Beschwerden verursachen und erfordern andere Operationsverfahren als Tumoren im Körper oder Schwanz des Organs.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen von Pankreaskrebs sind noch nicht vollständig geklärt. Verschiedene Faktoren können das Erkrankungsrisiko erhöhen.
Zu den bekannten Risikofaktoren gehören:
- Rauchen
- starkes Übergewicht
- Diabetes mellitus
- chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse
- familiäre oder erbliche Vorbelastung
- höheres Lebensalter
Das Vorliegen eines oder mehrerer Risikofaktoren bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich Pankreaskrebs entwickelt. Umgekehrt kann die Erkrankung auch bei Menschen ohne bekannte Risikofaktoren auftreten.
Wie wird Pankreaskrebs diagnostiziert?
Für eine sichere Diagnose und eine genaue Beurteilung der Tumorausbreitung kombinieren wir verschiedene Untersuchungsverfahren.
Dazu gehören:
- Kontrastmittel-Computertomographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT)
- endoskopischer Ultraschall, auch Endosonographie genannt
- Gewebeentnahme bei entsprechender medizinischer Fragestellung
- Laboruntersuchungen einschließlich Tumormarkern
- PET-CT und weitere Spezialdiagnostik bei Bedarf
Die Untersuchungen zeigen unter anderem, wo der Tumor liegt, wie weit er sich ausgebreitet hat und ob benachbarte Gefäße oder andere Organe betroffen sind. Diese Informationen sind entscheidend für die Beurteilung, ob eine Operation direkt möglich ist oder zunächst eine Vorbehandlung erfolgen sollte.
Gemeinsame Beurteilung in der Tumorkonferenz
Alle Befunde werden in unserer spezialisierten Leber- und Pankreas-Tumorkonferenz vorgestellt. Expert*innen aus Chirurgie, Gastroenterologie, Onkologie, Radiologie und Strahlentherapie beraten gemeinsam über das geeignete Vorgehen.
Auf dieser Grundlage erhalten Sie eine fachübergreifend abgestimmte Behandlungsempfehlung. Dabei prüfen wir auch, ob eine Teilnahme an einer klinischen Studie infrage kommt.
Wie wird Pankreaskrebs behandelt?
Die Behandlung hängt von der Lage und Ausbreitung des Tumors sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten ab. Häufig werden mehrere Therapieverfahren aufeinander abgestimmt.
Die operative Entfernung des Tumors bietet die einzige Möglichkeit einer potenziell heilenden Behandlung. Nicht bei allen Patient*innen ist eine Operation unmittelbar nach der Diagnose möglich. In bestimmten Fällen kann eine vorgeschaltete Therapie die Voraussetzungen für einen späteren Eingriff verbessern.
Bei lokal fortgeschrittenen oder grenzwertig operablen Tumoren kann zunächst eine neoadjuvante Therapie durchgeführt werden. Dabei erhalten Patient*innen vor der geplanten Operation in der Regel eine medikamentöse Tumortherapie.
Ziele dieser Vorbehandlung sind:
- den Tumor zu verkleinern
- möglicherweise bereits vorhandene, mikroskopisch kleine Tumorabsiedlungen frühzeitig zu behandeln
- das Ansprechen der Erkrankung auf die Therapie zu beurteilen
- die Voraussetzungen für eine vollständige Tumorentfernung zu verbessern
Nach Abschluss der Vorbehandlung wird die Ausbreitung des Tumors erneut mit bildgebenden Verfahren überprüft. Anschließend beraten die Expert*innen der Tumorkonferenz, ob eine Operation durchgeführt werden kann.
Unsere chirurgischen Spezialist*innen begleiten Sie bereits während der Vorbehandlung, sodass die einzelnen Therapieschritte eng aufeinander abgestimmt werden können.
Operative Behandlung
Welches Operationsverfahren zum Einsatz kommt, richtet sich vor allem nach der Lage des Tumors.
Bei Tumoren im Kopf der Bauchspeicheldrüse wird in der Regel eine partielle Duodenopankreatektomie durchgeführt, die auch als Whipple-Operation bezeichnet wird. Dabei werden der betroffene Teil der Bauchspeicheldrüse, der Zwölffingerdarm und weitere unmittelbar angrenzende Strukturen entfernt. Anschließend werden die Verdauungswege wiederhergestellt.
Liegt der Tumor im Körper oder Schwanz der Bauchspeicheldrüse, kann eine Pankreaslinksresektion erforderlich sein. Dabei wird der links gelegene Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt.
In ausgewählten Fällen muss die gesamte Bauchspeicheldrüse entfernt werden. Nach einer solchen Operation sind eine dauerhafte Insulinbehandlung und die Einnahme von Verdauungsenzymen erforderlich. Unser spezialisiertes Team bereitet die Patient*innen umfassend darauf vor und begleitet sie auch nach dem Eingriff.
Bei allen Operationsverfahren werden die regionalen Lymphknoten nach onkologischen Standards mit entfernt und anschließend feingeweblich untersucht.
Am UKM verfügen wir über besondere Expertise in der roboterassistierten Chirurgie. Mit dem Da Vinci Xi®-System können auch komplexe Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse in geeigneten Fällen minimalinvasiv durchgeführt werden.
Die hochauflösende dreidimensionale Darstellung des Operationsgebietes und die präzise steuerbaren Instrumente ermöglichen eine besonders genaue Präparation und Rekonstruktion an Bauchspeicheldrüse, Gallengängen und angrenzenden Strukturen.
Mögliche Vorteile sind:
- kleinere Hautschnitte
- geringerer Blutverlust
- weniger Schmerzen nach der Operation
- frühere Mobilisation
- schnellere Erholung
Ob eine roboterassistierte Operation möglich ist, entscheiden unsere Spezialist*innen anhand des individuellen Befundes.
Behandlung nach der Operation
Nach der Operation wird das entfernte Gewebe sorgfältig untersucht. Die Ergebnisse geben unter anderem Aufschluss über die genaue Tumorart, die Ausbreitung der Erkrankung und den Status der entfernten Lymphknoten.
Auf dieser Grundlage bespricht die Tumorkonferenz die weitere Behandlung. Häufig schließt sich eine medikamentöse Tumortherapie an. Die einzelnen Behandlungsschritte werden eng zwischen Chirurgie und Onkologie abgestimmt.

ERAS® (Enhanced Recovery after Surgery): schneller und sicherer genesen
Bei Operationen an der Bauchspeicheldrüse setzen wir das ERAS®-Konzept ein. Die Abkürzung steht für „Enhanced Recovery After Surgery“ und bezeichnet ein wissenschaftlich fundiertes Behandlungskonzept zur Unterstützung der Genesung nach einer Operation.
Dazu gehören:
- eine gezielte Vorbereitung auf den Eingriff
- moderne Narkose- und Schmerzverfahren
- ein frühzeitiger Ernährungsaufbau
- eine schnelle Mobilisation
- intensive physiotherapeutische Begleitung
Ziel ist es, mögliche Komplikationen zu reduzieren und die körperliche Erholung bestmöglich zu fördern.
Behandlung bei nicht operabler Erkrankung
Ist eine vollständige Entfernung des Tumors nicht möglich, entwickeln wir gemeinsam mit den beteiligten Fachbereichen ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept.
Zum Einsatz kommen können:
- Chemotherapie
- zielgerichtete Medikamente bei geeigneten Tumormerkmalen
- Strahlentherapie
- interventionelle Verfahren
- Schmerztherapie
- palliativmedizinische Unterstützung
Ziel ist es, die Erkrankung bestmöglich zu kontrollieren, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.
Ernährung und Diabetes
Erkrankungen und Operationen der Bauchspeicheldrüse können die Verdauung und den Zuckerstoffwechsel beeinflussen. Deshalb sind eine spezialisierte Ernährungsberatung und Diabetesschulung feste Bestandteile unseres Behandlungskonzeptes.
Unsere Expert*innen beraten Sie unter anderem zu:
- einer bedarfsgerechten Ernährung
- der Einnahme von Verdauungsenzymen
- dem Umgang mit Gewichtsverlust und Appetitmangel
- der Kontrolle des Blutzuckers
- einer möglicherweise erforderlichen Insulintherapie
Die Beratung wird individuell auf Ihre Erkrankung, die durchgeführte Operation und Ihre persönliche Lebenssituation abgestimmt.
Psychoonkologische Begleitung und Selbsthilfe
Die Diagnose Pankreaskrebs kann für Betroffene und Angehörige eine große Belastung darstellen. Unsere Psychotherapeut*innen stehen unseren Patient*innen deshalb als fester Teil des Behandlungsteams zur Seite.
Die psychoonkologische Begleitung kann dabei helfen, mit Ängsten, Unsicherheiten und den Veränderungen durch die Erkrankung umzugehen. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit Selbsthilfegruppen zusammen, die Betroffenen und Angehörigen Austausch und zusätzliche Unterstützung bieten.
Forschung und klinische Studien
Als Universitätsklinikum sind wir an nationalen und internationalen klinischen Studien beteiligt. Dadurch tragen wir dazu bei, Diagnostik und Therapie von Pankreaskrebs kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Für geeignete Patient*innen kann eine Studienteilnahme Zugang zu innovativen Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Ob eine Studie infrage kommt, wird individuell geprüft und ausführlich mit Ihnen besprochen.
Videoreihe | Pankreaskrebs: Unsere Expert*innen im Gespräch
Ansprechpersonen Pankreaskrebs

Prof. Dr. med. Andreas Andreou
Chirurgie der Leber, des Pankreas und der Gallenwege (HPB)
ERAS® Team-Leader

PD Dr. med. Mehmet Haluk Morgül
Geschäftsführender Oberarzt
Chirurgie der Leber, des Pankreas und der Gallenwege (HPB), Transplantationschirurgie
Bereichsleitung Leber- und Pankreaschirurgie (HPB)
