Behandlungstechniken
Die moderne Strahlentherapie bietet eine Vielzahl innovativer Techniken, um Tumore gezielt und schonend zu behandeln. Jeder Therapieplan wird dabei individuell auf die Bedürfnisse der Patient*innen und die jeweilige Erkrankung abgestimmt. Unsere Techniken verbinden höchste Präzision mit modernster Technologie, um optimale Behandlungsergebnisse bei möglichst geringen Nebenwirkungen zu erzielen.
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Behandlungsschwerpunkte nach Tumorerkrankungen
Eine Übersicht unserer Behandlungsschwerpunkte nach Tumorentitäten finden Sie hier.
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Adaptive Strahlentherapie
Die adaptive Strahlentherapie ist eine hochmoderne Weiterentwicklung der klassischen Bestrahlung. In der UKM-Strahlentherapie kommt hierfür seit 2024 der innovative ETHOS-Linearbeschleuniger zum Einsatz – eines der wenigen Systeme dieser Art in Deutschland. Durch die Kombination aus hochauflösender Bildgebung und künstlicher Intelligenz kann die Bestrahlung tagesaktuell an die individuelle Anatomie angepasst werden. So wird der Tumor noch präziser behandelt, während umliegendes gesundes Gewebe bestmöglich geschont wird.
Wie funktioniert die adaptive Strahlentherapie?
Vor jeder Behandlung wird mithilfe moderner CT-Bildgebung (Cone-Beam-CT) die aktuelle Lage von Tumor und Organen erfasst. Auf dieser Basis erstellt das System innerhalb weniger Minuten einen neuen, individuell angepassten Bestrahlungsplan.
Künstliche Intelligenz unterstützt dabei die automatische Erkennung von Tumor und Risikoorganen und ermöglicht eine besonders exakte Dosisverteilung. Alle Anpassungen werden durch erfahrene Radioonkolog*innen überprüft.
Wann wird die adaptive Strahlentherapie eingesetzt?
Die adaptive Strahlentherapie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn sich die Lage von Organen oder die Größe des Tumors während der Behandlung verändern kann. Sie eignet sich sowohl als alleinige Therapie als auch in Kombination mit Operation oder Chemotherapie.
Besonders häufig wird sie eingesetzt bei:
- Prostatakarzinomen (aufgrund von Lageveränderungen durch Blase und Darm)
- Blasentumoren (durch stark schwankendes Blasenvolumen)
Je nach individueller Situation kann auch im Verlauf einer Behandlung von einer konventionellen auf eine adaptive Planung umgestellt werden.
Wie läuft die Behandlung ab?
Vor Beginn der Therapie erfolgt eine individuelle Planung und Beratung. Während der Behandlung wird vor jeder Sitzung eine aktuelle Bildgebung durchgeführt und der Bestrahlungsplan bei Bedarf angepasst. Eine Sitzung dauert in der Regel etwas länger als bei der konventionellen Strahlentherapie (ca. 15–30 Minuten). Unser erfahrenes Team prüft jede Anpassung sorgfältig, um eine sichere und hochpräzise Behandlung zu gewährleisten. Ziel ist es, die Wirksamkeit der Therapie zu optimieren und gleichzeitig mögliche Nebenwirkungen weiter zu reduzieren.

Brachytherapie
Die Brachytherapie (auch „Kurzdistanzbestrahlung“) ist eine spezielle Form der Strahlentherapie, bei der die Strahlenquelle direkt im Tumor oder in unmittelbarer Nähe platziert wird.
Dadurch kann eine hohe Strahlendosis gezielt in das Tumorgewebe eingebracht werden, während das umliegende gesunde Gewebe bestmöglich geschont wird. Diese präzise Form der Bestrahlung ermöglicht eine effektive Behandlung bei gleichzeitig guter Verträglichkeit.
Wie funktioniert die Brachytherapie?
In unserer Klinik kommt das sogenannte Afterloading-Verfahren (HDR = High Dose Rate) zum Einsatz. Dabei wird eine kleine radioaktive Strahlenquelle (Iridium-192) über ein computergesteuertes System präzise in den Körper eingebracht. Dies erfolgt mithilfe spezieller Applikatoren oder Katheter, die zuvor im Zielgebiet positioniert werden.
Die Behandlung wird individuell geplant und basiert auf moderner Bildgebung, beispielsweise einer Computertomographie (CT). So kann die Strahlendosis exakt an die jeweilige Situation angepasst werden. Die eigentliche Bestrahlung dauert nur wenige Minuten. Die Strahlenquelle verbleibt dabei nicht dauerhaft im Körper, sondern wird nach der Behandlung automatisch wieder entfernt.
Wann wird die Brachytherapie eingesetzt?
Die Brachytherapie wird bei verschiedenen Tumorerkrankungen eingesetzt, insbesondere wenn eine sehr gezielte lokale Behandlung sinnvoll ist. Zu den häufigsten Anwendungsgebieten zählen:
Gynäkologische Tumoren:
Bei Krebserkrankungen der Gebärmutter oder des Gebärmutterhalses kann die Brachytherapie intravaginal oder intrazervikal durchgeführt werden. Häufig wird sie mit einer externen Strahlentherapie kombiniert. Je nach Verfahren ist die Behandlung ambulant oder mit einem kurzen stationären Aufenthalt möglich.
Speiseröhrenkarzinome (Ösophaguskarzinome):
In ausgewählten Fällen – insbesondere bei Wiederauftreten der Erkrankung nach vorheriger externer Bestrahlung – kann die Brachytherapie zur lokalen Tumorkontrolle oder zur Linderung von Beschwerden wie Schluckstörungen eingesetzt werden.
Wie läuft die Behandlung ab?
Vor Beginn der Therapie erfolgt eine individuelle Beratung und Planung. Dabei wird geprüft, ob die Brachytherapie für Ihre Erkrankung geeignet ist. Die Durchführung selbst ist in der Regel kurz und gut verträglich. Je nach Anwendungsgebiet kann die Behandlung ambulant oder stationär erfolgen. Unser erfahrenes Team begleitet Sie während des gesamten Behandlungsprozesses und steht Ihnen jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Teletherapie
Die Teletherapie ist eine zentrale Form der Strahlentherapie. Sie wird vor allem zur Behandlung von Tumorerkrankungen, aber auch bei gutartigen Erkrankungen eingesetzt. Im Gegensatz zur Brachytherapie erfolgt die Bestrahlung von außen mithilfe eines Linearbeschleunigers. Hochenergetische Strahlen werden gezielt auf die erkrankte Region gerichtet, um Tumorzellen zu zerstören oder ihr Wachstum zu hemmen – bei gleichzeitiger Schonung des gesunden Gewebes.
Wie läuft die Behandlung ab?
Die Bestrahlung erfolgt mit modernen Linearbeschleunigern, die eine sehr präzise Ausrichtung der Strahlen ermöglichen. Durch fortschrittliche Techniken kann die Strahlendosis gezielt im Tumor konzentriert werden, während umliegende Organe bestmöglich geschützt werden.
Wie wird die Therapie geplant?
Vor Beginn der Behandlung wird eine Planungs-CT durchgeführt. Bei Bedarf werden zusätzliche Bildgebungen wie MRT oder PET einbezogen.
Auf dieser Grundlage erstellen unsere Expert*innen einen individuellen Bestrahlungsplan. Dabei kommen moderne Verfahren wie:
- IMRT (intensitätsmodulierte Strahlentherapie)
- VMAT (Rotationsbestrahlung)
zum Einsatz.
Zusätzlich sorgt die bildgeführte Strahlentherapie (IGRT) für eine millimetergenaue Lagerung bei jeder Sitzung. In ausgewählten Fällen ist auch eine tägliche Anpassung der Therapie (adaptive Bestrahlung) möglich.
Wie läuft die Behandlung ab?
Die Behandlung erfolgt meist ambulant, an fünf Tagen pro Woche über mehrere Wochen. Die Gesamtdosis wird in Einzelsitzungen („Fraktionen“) aufgeteilt. Eine Sitzung dauert etwa 10–30 Minuten, die Bestrahlung selbst nur wenige Minuten. Die Therapie ist schmerzfrei, und Sie können in der Regel direkt danach Ihrem Alltag nachgehen. Während der Behandlung werden Sie eng durch unser Team betreut und regelmäßig ärztlich begleitet.
Weitere Hochpräzisionstechniken
Die Körperstereotaxie bzw. die extrakranielle stereotaktische Strahlenbehandlung (ESRT) ist eine zur Operation alternative Methode zur Behandlung von Lungen- oder Lebermetastasen. Diese Technik ermöglicht eine zielgenaue Bestrahlung. Es werden hohe Strahlendosen in wenigen Sitzungen appliziert, um krankhafte Zellen gezielt zu zerstören. Hierdurch kann sich die Metastase zurückbilden.
Zur optimalen Lagerung während der Behandlung werden Lagerungshilfen, wie zum Beispiel eine Vakuummatratze an die individuelle Körperform angepasst. Die Bestrahlung erfolgt völlig schmerz- und fast geräuschlos. Versuchen Sie während der Bestrahlung ruhig zu liegen. Wir haben Sie während der Bestrahlung über Videokameras jederzeit im Blick und stehen über eine Gegensprechanlage mit Ihnen im Kontakt.
Bei der Ganzhautbestrahlung wird die gesamte Hautoberfläche mittels Elektronenstrahlen niedriger Energie behandelt. Die Strahlen werden von einem Linearbeschleuniger erzeugt. Da die Elektronen nur in die Haut eindringen, schont diese Therapie tiefere Gewebe und Organe vor einer Strahlenbelastung. Die Behandlung wird insbesondere bei Patienten angewandt, die nicht auf andere Behandlungen oder Medikamente ansprechen. Sie kann auch in Verbindung mit anderen Therapien durchgeführt werden. Im Anschluss an die Ganzhautbestrahlung werden je nach Ausprägung der Erkrankung weitere, kleinflächige Bestrahlungen über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen durchgeführt.
Behandlungsablauf
Zur Kontrolle der korrekten Bestrahlungsdosis werden kleine Messgeräte auf Ihrer Haut aufgebracht, die Ergebnisse können zu einer zusätzlichen Bestrahlung führen. Während der Bestrahlung wird eine Bleibrille getragen, um die Augenlinsen zu schützen. Zum Schutz der Fingernägel, werden Handschuhe mit Bleiverstärkung eingesetzt. Die Ganzhautbestrahlung erfolgt im Stehen. Die Patient*innen stehen leicht erhöht auf einer Plattform, die Arme werden auf Schulterhöhe angehoben. Die Bestrahlung erfolgt in insgesamt sechs Positionen. Falls weitere Regionen bestrahlt werden, erfolgt die Behandlung im Liegen.
Die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) gehört zu den modernsten Bestrahlungstechniken zur zielgenauen Bestrahlung komplexer Tumorformen und gleichzeitiger Schonung des gesunden Gewebes. Bei dieser Bestrahlungstechnik fahren während der Bestrahlung feine Lamellen in den Strahlengang, um eine gleichförmige Dosisverteilung im Tumorbereich zu erreichen.
Die Radiochirurgie bzw. die intrakranielle stereotaktische Strahlenbehandlung (ISRT) ist eine zur Operation alternative Methode zur Behandlung einer bzw. mehrerer kleiner Hirnmetastasen. Diese Technik ermöglicht eine zielgenaue Bestrahlung im Millimeter Bereich. Es werden hohe Strahlendosen in wenigen Sitzungen appliziert, um krankhafte Zellen gezielt zu zerstören. Hierdurch kann sich die Metastase sogar völlig zurückbilden.
Behandlungsablauf
Zur optimalen Lagerung während der Behandlung wird eine Kopfmaske an die individuelle Kopfform angepasst. Die Bestrahlung erfolgt völlig schmerz- und fast geräuschlos und dauert etwa eine Viertelstunde. Versuchen Sie während der Bestrahlung ruhig zu liegen. Wir haben Sie während der Bestrahlung über Videokameras jederzeit im Blick und stehen über eine Gegensprechanlage mit Ihnen im Kontakt.
Die Ganzkörperbestrahlung wird in der Regel zusätzlich bzw. nach einer Chemotherapie in Vorbereitung einer Knochenmarksübertragung durchgeführt. Es wird in Rücken-, Bauch- und Seitenlage eine gleichförmige Strahlendosis im Bereich des gesamten Körpers in meist 2 Sitzungen pro Tag über 2-3 Tage appliziert.
Die Bestrahlung erfolgt unter stationären Bedingungen. Dadurch sollen bösartige Zellen (z.B. bei Leukämie, Lymphom) zerstört und das krankhafte Knochenmark ausgeschaltet werden, damit sich in der anschließenden Knochenmarksübertragung die Stammzellen des Spenders im Körper des Patienten ansiedeln können. Mit besonderen Techniken werden zeitweise einzelne Bereiche der Lunge geschont und das Gewebe in der Nachbarschaft dennoch ausreichend behandelt.




