Die klinische Anästhesie


Die klinische Anästhesie ist der Kern-Bereich der Anästhesiologie. Diese umfasst die Ausschaltung des Schmerzes, häufig mit zusätzlich gleichzeitiger Minderung oder sogar vollständigem Ausschalten des Bewusstseins. Der Anästhesist schafft damit die Grundlage jeglicher modernen Medizin, indem er so sowohl dem Patienten als auch dem Operateur Routineeingriffe wie auch große Operationen erst ermöglicht. Der "Schlaf" des Patienten während einer Operation, eines Eingriffes oder einer Untersuchung bildet dabei nur einen sehr kleinen Teil der eigentlichen Tätigkeit und Verantwortung des Anästhesisten. Er übernimmt viel mehr die Verantwortung für das Leben und das Überleben des Patienten. Während einer Narkose und einer Operation hat der Anästhesist nicht nur alle wichtigen Vitalparameter des Patienten im Blick, er muss diese auch gezielt steuern und auf Ereignisse während der Anästhesie oder Operation reagieren. Die gezielte Beatmung, die Muskelrelaxierung, die Kreislauf- oder Volumenersatztherapie, notfalls mit der Infusion von Blutprodukten, bilden Kernkompetenzen. Umfassendes Fachwissen und ausreichende Erfahrung machen es uns so möglich, Anästhesien bereits bei früh-/neugeborenen, hochbetagten oder schwererkrankten Patienten durchzuführen. Das heißt, der Anästhesist ermöglicht die Operation bei einem zwei Monate alten Säugling genauso, wie bei einem 90-jährigen Patienten. Dies macht die individuelle Bandbreite deutlich und zeigt die hohe Komplexität.

Wir betreiben als universitäre Exzellenz Spitzenmedizin auf Weltklasseniveau. Dies bedeutet ein hohes Maß an Sicherheit und Komfort für den Patienten. Individuell wird die Anästhesie so realisiert, dass sie Schmerzfreiheit garantiert, aber dennoch nur so minimal und zeitlich kurz erfolgt, das der Organismus des Patienten nur so minimal wie zwingend notwendig beeinflusst wird. Daher ist die Prämedikation im Anästhesiegespräch so wichtig. Nach individueller Betrachtung können so mögliche Risiken minimiert und dem Operateur bestmögliche Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Dabei werden von uns alle derzeit bekannten Arten von Anästhesieverfahren durchgeführt. Hierzu gehören Sedierungen, Allgemeinanästhesien ("Vollnarkosen") und jegliche Form der Regionalanästhesie, wie z.B. rückenmarksnahe oder periphere Nervenblockaden.

Ein Blick zwischen zwei Operationen in einen der hochmodernen OP-Säle
des "Zentralen Operationsbereiches" am Universitätsklinikum Münster.


Die Erhöhung der Fallzahlen verbunden mit einer Steigerung der medizinisch anspruchsvollen, komplexen Eingriffe, war eine bewusste unternehmensstrategische Entscheidung des UKM. So ist es in den vergangenen Jahren zu einer steten Zunahme der Anforderungen an die klinische Anästhesie gekommen. Dies schlägt sich sowohl in der Anzahl der durchgeführten Anästhesien, als auch in der durchschnittlichen Dauer der Anästhesien als Surrogat für die Komplexität des durchgeführten Eingriffs nieder. Auch die Neueinrichtung des Centrums für Vasculäre und Endovasculäre Chirurgie (CVEC) sowie, innerhalb der Klinik für Herzchirurgie, der Sektion Thoraxchirurgie und der Abteilung für Kinderherzchirurgie machen deutlich, dass sich das UKM zunehmend für die Versorgung hochkomplexer und hochspezialisierter Fälle international positioniert.


In der Regel suchen Sie mit Ihren Beschwerden einen fachärztlichen Kollegen auf. Dieser wird Sie untersuchen und über Ihr Beschwerdebild aufklären. Stellt dieser Kollege, z.B. aus einer chirurgischen Fachabteilung, die Indikation für eine Operation oder weitergehende Untersuchung, wird er Sie unmittelbar an uns überweisen. Operationen, aber auch einige diagnostische Maßnahmen erfordern eine Schmerz- oder Bewusstseinsausschaltung. Um dies sicher zu ermöglichen, ist die Vorstellung in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des UKM zwingend.

In dem Anästhesiegespräch, auch Prämedikationsgespräch genannt, werden Sie von einem/r Anästhesisten/-in unserer Klinik untersucht und beraten werden. In diesem Gespräch werden wir unter Berücksichtigung Ihres Gesundheitszustandes und des bevorstehenden Eingriffs mit Ihnen gemeinsam eine individuelle Anästhesie planen und Ihnen den Ablauf sowie mögliche Risiken ausführlich erklären.

Am Tag der Narkose müssen Sie nüchtern verbleiben, d.h. Sie dürfen ab sechs Stunden vor der Narkose keine Nahrung oder trübe Flüssigkeiten (z.B. Joghurt, Milch, Säfte etc.) mehr zu sich nehmen. Bis zwei Stunden vor der Narkose dürfen Sie maximal noch kleine Mengen Wasser trinken.

Diese Verhaltensweisen sind eminent wichtig, da sie direkten Einfluss auf Ihren Organismus haben. Andernfalls kann es zu vermeidbaren Komplikationen kommen, so dass wir spontan Notfallmaßnahmen ergreifen müssten.

Die Pflegekräfte  der Station werden Sie zum jeweiligen Operationszeitpunkt zu uns in den operativen Bereich geleiten. Dort erfolgt zunächst ein „Check-In“. Es wird überprüft, ob Ihre Patientendaten mit den uns vorliegenden Dokumenten übereinstimmen, alle Dokumente vollständig sind und Ihre unterschriebene Einwilligung vorliegt.

Erst danach werden wir Sie im sog. „Einleitungsraum“ für die Narkose vorbereitet. Um Sie ständig sicher begleiten und entsprechend steuernd eingreifen zu können, betreiben wir ein systematisches medizinisches Monitoring. So werden z.B. fortwährend lebenswichtige Indikatoren über ein 3- bis 5-Kanal-Elektrokardiogramm, aber auch Blutdruck und Sauerstoffsättigung erfasst. Zudem können wir Ihnen über einen venösen Zugang gezielt Medikamente oder Flüssigkeit verabreichen.

Kurz bevor Sie einschlafen, erhalten Sie von uns eine kleine Maske, die wir  vor Ihren Mund und Ihre Nase setzen. Dies dient zum Anreichen von Sauerstoff in den Lungen. Danach werden wir Ihnen über die Vene ein Medikament verabreichen, welches Sie langsam einschlafen lässt.

Von diesem Zeitpunkt an, werden Sie Ihre Umgebung nicht mehr wahrnehmen. Bewusstsein, Reflexe und Schmerzwahrnehmung werden ausgeschaltet sein. Während einer Allgemeinanästhesie, der sog. „Vollnarkose“ werden Sie das Atmen, bedingt durch die Tiefe des Schlafes, einstellen. Doch keine Sorge, sobald Sie eingeschlafen sind, werden wir Ihnen mit der Atmung helfen. Mittels eines dünnen Beatmungsschlauches oder einer kleinen Beatmungsmaske werden wir Ihren Atemweg sichern und Sie gezielt mit Sauerstoff versorgen. Auch wenn Sie tief schlafen, wird immer ein/e Anästhesist/-in bei Ihnen sein, der/die Sie und Ihre Gesundheit überwachen und, falls notwendig, gezielt eingreifen wird, um alle Köperfunktionen im natürlichen Gleichgewicht zu halten.

Am Ende des Eingriffs werden wir die Narkose Stück für Stück reduzieren und Sie werden langsam wieder aufwachen. Danach werden wir Sie in den sog. „Aufwachraum“ geleiten, in dem Sie noch eine kurze Zeit verbleiben und engmaschig von uns überwacht werden, ehe es für Sie zurück auf Ihre Heimatstation geht. Dort dürfen Sie wieder Besuch empfangen und in Abhängigkeit von der Operation auch wieder essen und trinken können.


Der Duden übersetzt das aus dem Lateinischen stammende Wort "ambulant"  mit "umhergehen" , "wandern" oder "nicht ortsgebunden".

Ambulantes Operieren - Hohes Maß an Patientenkomfort


So verstanden bedeutet Ambulantes Operieren, dass der Patient sowohl die Nacht vor als auch die Nacht nach seinem Eingriff zu Hause verbringen kann. Er sucht das Klinikum erst unmittelbar  vor seiner Operation auf und verlässt dieses bereits wieder unmittelbar nach der Operation. Eine solche Möglichkeit bietet ein hohes Maß an Freiheit und Komfort für den Patienten. Voraussetzung hierfür ist eine verlässliche medizinische Kompetenz. Alles zusammen bedeutet eine qualitativ hochwertige medizinische Therapie und bildet die Grundlage für eine schnelle Genesung in einem angenehmen, vertrauten Umfeld.

Dank der ständigen Fortentwicklung von Anästhesie- und Operationsverfahren sowie modernster Medizintechnik ist es uns möglich, immer mehr Anästhesien und Operationen unter ambulanten Bedingungen durchzuführen und so Patienten sicher schnellstmöglich wieder nach Hause zu entlassen. Zwingende Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Jede Operation ist eine Individual-Entscheidung zwischen Patient und Arzt. Die Möglichkeit einer ambulanten Anästhesie und Operation wird im Vorfeld in einem intensiven Gespräch mit dem Anästhesisten und dem Operateur besprochen. Uns selbst nach der Operation nehmen wir binnen einer Woche mit Ihnen noch einmal Kontakt auf.

Ambulantes Operieren am UKM ...


Schon heute werden in vielen westlichen Ländern, wie z.B. den USA und dem Vereinigten Königreich, rund 80 % der operativen Eingriffe unter ambulanten Bedingungen durchgeführt. Auch in Deutschland zeichnet sich in den letzten 10 Jahren ein deutlicher Trend hin zu ambulanten Operationen (hier ca. 37 %) ab.
Eine Entwicklung die wir als Universitätsklinikum schon früh als zukunftsfähig erkannt haben und mit der Bildung des "Ambulanten Operationszentrums" (AOZ) weiter fördern.

... unter anästhesiologischer Leitung


Organisatorisch und medizinisch stellt der ambulante Patient immer eine Besonderheit dar. Wir sind daher stolz, dass die Klinikdirektion des UKM die Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie mit der organisatorischen Leitung des Ambulanten Operationszentrums (AOZ) betraut hat.

Nähere Informationen finden Sie hier.


Insbesondere die Kinderanästhesie ist bei besorgten Eltern ein häufig diskutiertes Themenfeld. Hier trifft eine verständliche, nachvollziehbare Sorge auf nicht evidenzbasierte Vermutungen. Die kinderanästhesiologischen Fachgesellschaften weisen dabei ausdrücklich darauf hin, dass eine Verzögerung oder Vermeidung von notwendigen Operationen oder diagnostischen Maßnahmen das vorhandene Gesundheitsrisiko deutlich erhöht. Ebenso deutlich belegt ist, dass eine unzureichende Anästhesie zu erheblichen Komplikationen führen kann.

Fakt ist aber auch, dass speziell bei Kindern in den ersten Lebensjahren perioperative Komplikationen häufiger sind als bei Erwachsenen. Wichtig ist ein erfahrenes Anästhesieteam, dem mit seiner fachlichen und handlungsorientierten Kompetenz eine bedeutende Schlüsselrolle zukommt.

Mit jährlich rund 40.000 Anästhesieleistungen, davon über 6.000 bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr, und der unmittelbaren Einbindung aller Fachgebiete eines universitären Hauses, gibt es kaum ein Haus, mit größerer Erfahrung. Jedes Jahr führen wir dabei rund 600 Anästhesien bei Kindern innerhalb des ersten Lebensjahres durch.

Diese Erfahrung ist die Basis für ein bewährtes, starkes Team, das Narkosen bei Kindern noch sicherer macht. Schon unsere gut qualifizierten Assistenzärzte erhalten eine spezielle, strukturierte Ausbildung mit unmittelbarer Supervision durch erfahrene Fach- und Oberärzte. Auch unsere kompetenten Pflegekräfte werden zusätzlich geschult.

Qualifikation ist bei uns nicht statisch, sondern ein fortwährender, berufsbegleitender Prozess. Beispielhaft bieten wir modulare Veranstaltungen, wie z.B. Ultraschallkurse, einen wöchentlichen "Kinderanästhesie-Newsletter" oder eine weitere Zusatzqualifikation für Fachärzte an.

 

Sollten Sie Fragen zur Kinderanästhesie haben,
können Sie sich gerne unmittelbar an uns wenden.
Weitere Informationen und Empfehlungen erhalten Sie zudem hier.

 
Die Durchführung von Anästhesien beschränkte sich in der Vergangenheit räumlich auf die klassischen OP-Bereiche eines Krankenhauses. In den letzten 10 Jahren verstärkte sich aber national wie international die Notwendigkeit und in der Folge eine Entwicklung hin zur "Non-Operating Room Anaesthesia" ("NORA"), also einer Anästhesie außerhalb der OP-Bereiche.

Ermöglicht durch einen hohen Erfahrungsgrad und modernste medizintechnische Ausstattung ist es uns so möglich, weit mehr als 4.000 anästhesiologische Maßnahmen pro Jahr auch außerhalb des klassischen operativen Settings erfolgreich durchzuführen.

MRT-Untersuchungen von Kleinkindern, ambulante Knochenmarks- oder Liquorpunktionen und endoskopische Interventionen von Patienten mit komplexem Krankheitsgeschehen sind so bedarfsgerecht und mit einem hohen Komfort für den Patienten sicher realisierbar.

Auch der notwendige, dann aber sichere innerklinische Transport der Patienten der operativen Intensivstationen und die Anlage zentralvenöser Katheter (ZVK - ein Katheter, der in eine größere Körpervene eingeführt wird, um dann intravenös Medikamente und Infusionen zuführen oder den zentralen Venendruck messen zu können) gehören zu den Aufgaben unserer Ärztinnen und Ärzte, die so andere Fachabteilungen des UKM unterstützen.


Ein medizinischer Eingriff, wie eine Operation oder eine vergleichbare diagnostische Maßnahme, ist kein punktuelles Ereignis. Es ist auch keine Maßnahme eines einzelnen Mediziners oder einer einzelnen Fachdisziplin. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine zeitliche, organisatorische, personelle und aufgabenbezogene, genau gestufte Abfolge mehrerer einzelner, in sich entscheidender Prozesse, die zu einem übergeordneten Gesamtprozess zusammengeführt werden. Es ist somit eine Kette von genau geplanten, miteinander verzahnten Aktivitäten, bei der jede einzelne Aktivität für den Gesamterfolg entscheidend ist.

Aufgabe unserer Klinik - der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie - ist es, medizinische Eingriffe, die sonst nicht realisierbar wären, zu ermöglichen. Dabei beginnt unsere Verantwortung für den Patienten früh. Sie startet mit der Vorbereitung auf die Operation (präoperative Phase), erstreckt sich über den intra-/perioperativen Bereich und endet mit der postoperativen Begleitung des Patienten.

Rund 40.000 Anästhesien pro Jahr, ein "rund-um-die-Uhr"-Betrieb mit über 50 unterschiedlichen Einsatzstellen, an die 200 Ärzte und 200 Pflegekräfte und die Zusammenarbeit mit rund 25 Fachkliniken des UKM, lassen erahnen, dass hier ein enormer Koordinationsaufwand notwendig ist, um eine verlässliche, fachliche Versorgung, einen optimal, individuell unterschiedlichen Personaleinsatz und  eine patientengerechte Betreuung in allen drei Phasen der Prozesskette "Operation" sicherzustellen.

In enger Verzahnung mit dem OP-Management, einer Stabsstelle des Ärztlichen Direktors des Universitätsklinikums Münster, sowie in kontinuierlicher Absprache mit der pflegerischen Koordination, erfolgt die Planung, Durchführung und Ablaufsteuerung aller anästhesiologischen und operativen Eingriffe durch die bereits Ende der 90er-Jahre eigens eingerichtete "Zentrale-OP-Koordination".

Diese trägt Sorge dafür, dass immer dann, wenn eine anästhesiologische oder operative Maßnahme notwendig wird, die Narkose bzw. der Eingriff auch sachgerecht und zeitlich nah erbracht werden kann. Dabei obliegt die tagesaktuelle Disposition der Anästhesisten ebenfalls dem Ärztlichen Koordinator, so dass der Gesamtprozess aus einer Hand gesteuert wird.

Diese Verantwortung liegt bei uns in den Händen von zwei erfahrenen Oberärzten unserer Klinik.


Korrespondenz
Ärztlicher OP-Koordinator Dr. med. Matthias Maas
Stellvertretender Ärztlicher OP-Koordinator Dr. med. Felix Leiter
Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude A1, 48149 Münster

Telefon: 0251 / 83 47255 oder 47257
Fax:  0251 / 83  48667
E-Mail: Matthias.Maas(at)ukmuenster.de, Felix.Leiter(at)ukmuenster(dot)de
Ärztlicher OP-Koordinator
Dr. med. Matthias Maas
Oberarzt
Stellvertretender
Ärztlicher OP-Koordinator
Dr. med. Felix Leiter
Oberarzt
 
 
 
 

Kontakt

Prof. Alexander Zarbock, UKM-Anästhesiologie

Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie

Univ.-Prof. Dr. med.
Alexander Zarbock

Direktor der Klinik

Albert-Schweitzer-Campus 1
Gebäude A1
48149 Münster

T: +49 251 / 83-4 72 52
F: +49 251 / 83-4 86 67

zarbock(at)uni-muenster(dot)de
anaesthesiologie(at)ukmuenster(dot)de

Anfahrt über
Albert-Schweitzer-Str. 33
48149 Münster

Informationen zur Anfahrt

Anfahrt mit Google Maps

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