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„Alle Technik wird nicht das Miteinander ersetzen können“

Seit zehn Jahren stärkt das UKM-Trainingszentrum mit Trainings, Simulationen und Workshops die Patientensicherheit und Sicherheitskultur am UKM – und hat damit 2016 eine Vorreiterfunktion in Nordrhein-Westfalen eingenommen. An den jährlich etwa 500 bis 600 Veranstaltungen haben in den vergangenen zehn Jahren insgesamt rund 48.000 Mitarbeitenden teilgenommen. Das zwölfköpfige Team bereitet gemeinsam mit rund 40 Dozierenden und einem Pool von 30 Notfalldarstellenden interprofessionelle Teams auf anspruchsvolle Situationen im Klinikalltag vor. Was dabei im Mittelpunkt steht, verraten der organisatorischen und der ärztlichen Leiter: Michael Klatthaar und Dr. Tim Güß. | lwi

Zehn Jahre Trainingszentrum: Worauf sind Sie heute besonders stolz?

Güß: Ich glaube, dass wir ein super Team haben und bin stolz darauf, dass wir uns als Institution im UKM-Kosmos etabliert haben und gemeinsam tagtäglich einen wichtigen Beitrag zum Thema Sicherheitskultur und Patientensicherheit am UKM leisten.
 

Wie kam die Idee für das Trainingszentrum zustande?

Klatthaar: Das geht zurück auf einen Raum in der Anästhesie, in dem es einen Simulator gab, der für Trainings genutzt wurde. Dann haben wir angefangen, Teamtrainings mit realen Teams aufzubauen. Und irgendwann kamen wir an den Punkt: Wenn wir jetzt einen Raum mehr hätten, dann könnten wir noch die Kolleginnen und Kollegen der Intensivstation mit trainieren. Das war der Ursprungsplan, den wir im Vorstand vorgestellt haben, der darin dann ein klinikweites Potenzial gesehen hat. Aus dieser Vorstandssitzung erinnere ich mich noch an die abschließenden Worte unseres Kaufmännischen Direktors Dr. Hoppenheit und den Satz „Jetzt ist nur die Frage: Brauchen wir ein großes oder ein kleines Gebäude?“ Damit hatte ich persönlich damals nicht gerechnet.
 

Auch der Name „Simulationszentrum“ stand damals im Raum. Sind Sie froh, dass es schließlich doch das „Trainingszentrum“ geworden ist?

Klatthaar: Ja, wir wollten ja nie nur als reine Reanimationsschule gesehen werden. Und Trainingszentrum trifft auch viel besser das, was wir im Alltag machen: Trainings von realen Teams. Natürlich auch mit den Methoden der Simulation, in 50 verschiedenen Formaten, aber eben nicht allein darauf beschränkt. Unser Ziel ist es, Teams erfolgreich zu machen. Deshalb entwickeln wir passgenaue Trainings, die die Zusammenarbeit stärken und die Qualitäts- und Sicherheitskultur am UKM nachhaltig unterstützen.
 

Welche Fachbereiche nutzen das Angebot besonders intensiv?

Güß: Ich glaube, das verteilt sich. Da sind natürlich die Kliniken, die im OP und auf Intensivstationen tätig sind, die haben einen Trainingsanteil, der vielleicht etwas höher liegt. Grundsätzlich ist das aber sehr breit aufgestellt von der Pädiatrie, über die Geburtshilfe bis hin zur Augenklinik oder den verschiedenen Ausbildungsschulen.
 

Was zeichnet die technische Ausstattung des Trainingszentrums aus?

Güß: Das Kernstück ist unser vollvernetztes Gebäude, das uns die Möglichkeit bietet, hochwertige Video- und Tonaufnahmen von den Trainings anzufertigen, die wir im Anschluss gemeinsam im Team analysieren. Und dann gibt es hochtechnisierte Simulationspuppen in verschiedenen Altersklassen. Die simulieren sämtliche Körperfunktionen und kommen zum Einsatz, wenn invasive Inhalte, wie die Sicherung eines Atemweges oder das Legen von Zugängen, simuliert werden. Das können wir schlecht mit Schauspielerinnen und Schauspielern abbilden. Alles Kommunikative hingegen geht mit denen natürlich deutlich besser.
 

Wie haben sich die Trainingsinhalte und -methoden seit der Eröffnung verändert?

Klatthaar: Eine Zunahme sehen wir auf jeden Fall im Bereich der Kommunikation und Zusammenarbeit. Neben den klassischen medizinischen Simulationen mit Puppen arbeiten wir daher heute immer häufiger mit Schauspielerinnen und Schauspielern, was uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Auch unsere Zielgruppe hat sich erweitert: Früher dachten wir vor allem an klinisches Personal. Inzwischen schulen wir im Rahmen von Projekten aber auch nicht-klinische Mitarbeitende, zum Beispiel in Reanimationsmaßnahmen.
 

Bei der Vielzahl an Kursen: Gibt es besondere Anekdoten, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?

Klatthaar: Anekdoten gibt es hier ganz viele – aber auch eine Vertrauensregelung, die wir bei allen Veranstaltungen zusichern und die auch etwas mit psychologischer Sicherheit sowie einer positiven Fehler- und Lernkultur zu tun hat: Alles, was im Trainingszentrum passiert, bleibt auch im Trainingszentrum. 
 

Wie könnte das UKM-Trainingszentrum in zehn Jahren aussehen? 

Güß: Künstliche Intelligenz und die technische Entwicklung sind unaufhaltsam. Viele Anbieter setzen bereits auf KI, um Simulationen auszuwerten und Teilnehmenden schnell hilfreiches Feedback zu geben. Auch im Bereich der Augmented Reality ist viel Bewegung. Da sind wir bislang allerdings noch etwas skeptisch, weil die Arbeit in und mit Teams dort bisher noch nicht wirklich gut gelungen ist – meist geht es eher um das Üben von Einzelskills. Aber auch in diesem Bereich wird sicherlich noch einiges auf uns zukommen.

Klatthaar: KI wird uns sicher auch dabei helfen, Trainingsformate schneller und besser aufzubauen. Gleichzeitig wird es aber immer wichtiger bleiben, einen Raum zu haben, in dem Menschen gemeinsam auf Situationen schauen und zusammenarbeiten. Ich glaube, das werden wir in Zukunft viel öfter machen müssen. Und dabei wird uns die Technik immer besser unterstützen, ersetzen können wird sie das persönliche Miteinander aber nicht.

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