Premiere am UKM: Individuell angepasste Aorten-Gefäßprothese hilft Patient mit schwerer Hauptschlagader-Erkrankung
Den Spezialistinnen und Spezialisten der Klinik für Herzchirurgie und der Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie am UKM ist ein bedeutender Fortschritt bei der Behandlung schwerer Hauptschlagader-Erkrankungen am Aortenbogen gelungen: Erstmals setzten sie eine neuartige, maßgeschneiderte Gefäßprothese bei einer hochkomplexen Operation am Aortenbogen ein. Für den 67-jährigen John Bichler aus Lünen bedeutete das ein deutlich risikoärmeres Verfahren – und eine schnelle Erholung nach einer lebensbedrohlichen Diagnose. | lwi

John Bichler wusste um sein genetisches Risiko für eine Erkrankung der Hauptschlagader. Seine Mutter litt an einem Aortenaneurysma, einer gefährlichen Aussackung der Hauptschlagader, und überlebte eine Operation im Alter von 69 Jahren nicht. Dennoch rechnete der 67-Jährige aus Lünen nicht damit, dass bei einer seiner jährlichen Kontrollen im Februar gleich zwei lebensbedrohliche Veränderungen festgestellt wurden: ein Riss in der Hauptschlagader (Aortendissektion) sowie ein Aneurysma im herznahen Abschnitt der Aorta. Zwar war der ehemalige Zahntechniker bereits ein Jahr zuvor wegen Luftnot im Krankenhaus gewesen, damals hatte die Untersuchung jedoch keinen Befund ergeben, und abgesehen von einem neu entwickelten Bluthochdruck fühlte Bichler sich weiterhin fit und in seinem Alltag nicht eingeschränkt. „Nach dem ergänzenden CT-Termin im Anschluss an die diesjährige Kontrolle ging es dann ad hoc hier ins UKM“, erinnert sich Bichler. Dort bestätigte sich die Komplexität der Diagnose – eine lebensbedrohliche und chirurgisch äußerst anspruchsvolle Kombination. Im interdisziplinären Aortenboard am UKM (Universitätsklinikum Münster) entschied sich das Expertenteam aus Herz- und Gefäßchirurgie daher für den Einsatz einer neuartigen Hybridprothese, die bei John Bichler erstmalig am UKM verwendet wurde.
Das Besondere an dem neuen Implantat, das beide Krankheitsbilder adressiert: Es wird auf Basis von CT-Aufnahmen individuell an die Anatomie der jeweiligen Patientinnen und Patienten angepasst. Zudem verfügt die Gefäßprothese unter anderem über einen integrierten Seitenzweig, mit dem eine wichtige Arm-Schlagader direkt und unkompliziert angebunden werden kann. „Das sieht mit den verschiedenen Abzweigungen in etwa aus wie ein Handschuh“, beschreibt Bichler seine Eindrücke von der Aorta-Nachbildung.
Für ihn brachte die Weiterentwicklung entscheidende Vorteile mit Blick auf seine Operation im April: Das Verfahren ist deutlich schonender, weil die Arterie deutlich einfacher an den neuen Seitenast (mit Stent) der Aortanachbildung angeschlossen werden kann und damit ein technisch schwieriger und zeitaufwendiger Nahtschritt tief im Brustkorb entfällt. Zudem verkürzt sich der Zeitraum, in dem der Blutkreislauf während der Operation künstlich stillstehen muss, spürbar. Das schützt Gehirn sowie innere Organe deutlich besser vor einem Sauerstoffmangel und erleichtert zugleich dem OP-Team, den Eingriff selbst bei schwierigen anatomischen Verhältnissen präziser und sicherer zu planen.
„Der erstmalige Einsatz des neuartigen Implantates ist ein wichtiger Meilenstein für unser Zentrum. Gerade der minimalinvasive Anteil des Seitenzweigs der Prothese ließ sich unkompliziert machen“, zeigt sich Prof. Alexander Oberhuber, Direktor der Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie, begeistert. Und Prof. Andreas Rukosujew, Oberarzt in der Klinik für Herzchirurgie, ergänzt:
„Insbesondere die Verbesserung an dieser schwer zugänglichen Stelle spart Zeit und zeigt eindrucksvoll die gute Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgie und Gefäßchirurgie.“
Und auch John Bichler spürt jetzt, drei Monate nach dem Eingriff, dass sich das schonendere Verfahren in einer schnellen Genesung widerspiegelt: Bei der Routine-Nachuntersuchung bestätigt sich ein sehr guter Gesundheitszustand. Obwohl die Zeit rund und vor allem nach der Operation emotional nicht leicht gewesen sei, ist er froh, über das rundum hervorragende OP-Ergebnis. „Das ist wirklich ein super OP-Team, das sich auch auf den vielen kleinen Nebenschauplätzen so einer Operation mit viel Unterstützung engagiert hat“, lobt Bichler. „Jetzt blicke ich nach vorne. Meine Frau und ich waren viel mit unserem selbst ausgebauten Camper unterwegs. Daran können wir nun endlich wieder anknüpfen, aktiver werden und wieder viel wandern und Rad fahren.“
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